Senioren treffen sich in der Kita

Oberwürzbach. Schönwetterwolken ziehen über Oberwürzbach hinweg. Durch ein paar Lücken stechen die Sonnenstrahlen hindurch, es ist angenehm mild an diesem Dienstagnachmittag. Doch für das, was sich draußen abspielt, haben die mehr als 20 älteren Damen keinen Blick. Sie plaudern miteinander, trinken Kaffee - so wie seit Jahren an jedem ersten Dienstag im Monat

Oberwürzbach. Schönwetterwolken ziehen über Oberwürzbach hinweg. Durch ein paar Lücken stechen die Sonnenstrahlen hindurch, es ist angenehm mild an diesem Dienstagnachmittag. Doch für das, was sich draußen abspielt, haben die mehr als 20 älteren Damen keinen Blick. Sie plaudern miteinander, trinken Kaffee - so wie seit Jahren an jedem ersten Dienstag im Monat. Mit einem Unterschied: Wenn sie denn wollten, könnten Sie ihre Gespräche auch draußen, auf der Terrasse, weiterführen.Bis März dieses Jahres war das undenkbar. Da saßen sie im Keller der Hasenfelsschule, abgeschnitten vom Geschehen auf der Straße. Hier trafen sie und ihre Vorgängerinnen sich fast 40 Jahre lang zu dem vom Deutschen Roten Kreuz organisierten Altennachmittag. Der findet jetzt in der neu erbauten Kindertagesstätte statt.

Gunigunde Schwarz ist mit umgezogen. "Eingelebt haben wir uns auch schon, ich finde es sehr schön hier, vor allem wenn die Kinder herkommen, um sich etwas aus der Küche zu holen - das ist ja schließlich ihre."

Das ist das Besondere an den neuen Oberwürzbacher Verhältnissen: Während des Altennachmittages läuft der Kita-Betrieb parallel weiter - ein Modell, das der Ortsrat, die Stadtverwaltung, das Rote Kreuz und die Kita-Leitung um Sonja Paulus-Schaum aus Freisen mitgebracht haben. Vor allem Ortsvorsteherin Lydia Schaar hat für diese Lösung gekämpft, sie bezeichnet sie als Herzensangelegenheit und begründet das mit dem Zusammentreffen der Generationen, das es bislang in dieser Form nicht gab. Und sie ist froh, die Teilnehmer des Altentreffs wieder über Tage geholt zu haben. "Der Raum unter der Hasenfelsschule war ja nicht nur dunkel und wenig ansprechend. Er war nur durch Treppen zu erreichen. Hier haben wir einen hellen Raum, der barrierefrei erreichbar ist."

Erst allmählich realisieren Rotes Kreuz, Stadt und Kita die neuen Möglichkeiten, die das Arrangement allen Beteiligten zusätzlich bieten könnte. "Kinder und Senioren könnten miteinander basteln oder in der Adventszeit Plätzchen backen." Oder gemeinsam etwas malen, schlug zum Beispiel die Leiterin der Volkshochschule St. Ingbert, Marika Flierl, vor. "Malen kann ich nicht", bekam sie zur Antwort. Stattdessen soll nun demnächst gestrickt und gehäkelt werden.

Doch es werden auch kritische Stimmen laut. Die heute 79-jährige Helena Becker baute den Altennachmittag in den 70er Jahren als ehrenamtliche Helferin mit auf. "Mir tut es leid, dass der Altennachmittag dem Roten Kreuz allmählich entgleitet. Inzwischen ist die Stadt am Ruder." Bis 2010 organisierte Becker die monatlichen Treffen noch mit. Zur Oberwürzbacher Legende stieg sie während eines Dorffestes auf, als sie für das Rote Kreuz an einem Wochenende Knödel formte. In ihre Fußstapfen sind inzwischen Irmtraut Schäfer, Irmgard Schmitt, Marliese Christiansen und Rebekka Penzek getreten. Penzek ist seit mehr als zwölf Jahren dabei. Oft, aber meist vergeblich, hatte sie bereits beim Ortsrat nach Raum-Alternativen nachgefragt. "Immer mehr Frauen kamen mit Rollatoren in den Keller, das war natürlich nicht optimal." Und das sei am Rande bemerkt: Der Altennachmittag soll eigentlich kein reiner Frauentreff sein. Gerne würden die Damen wieder ein paar Herren bei sich in der Runde sehen. "Vielleicht fürchten die sich ja vor uns?", scherzt Gunigunde Schwarz und fügt hinzu: "Hier sind lauter liebe Leute - mit wenigen Ausnahmen." Den Schalk in den Augen gönnt sie sich noch einen Schluck Kaffee.

Wer beim Altennachmittag mithelfen möchte, kann sich per Mail an die Oberwürzbacher Ortsvorsteherin Lydia Schaar oder an Thea Holzer, Leiterin der städtischen Abteilung "Familie und Soziales" wenden. Die E-Mail-Adressen lauten: lydia.schaar@superkabel.de oder tholzer@st-ingbert.de.

Foto: privat

"Hier haben wir einen hellen Raum, der barrierefrei erreichbar ist."

Ortsvorsteherin

Lydia Schaar