Seit 110 Jahren einen grünen Daumen

Viel hat sich in den vergangenen 110 Jahren in Rentrisch verändert. Auch die Arbeit des Obst- und Gartenbauvereins hat sich den wechselvollen Zeiten angepasst. Die Liebe zur Natur ist geblieben.

Im mit Blumen geschmückten Kulturhaus Rentrisch feierte der dortige Obst- und Gartenbauverein Ende Juli seinen 110. Geburtstag. Ein Jubiläum der besonderen Art, wie dessen Vorsitzender Dagobert Hohneck sagte, denn nicht jeder Verein kann auf Grund fehlender Neu-Mitglieder seinen Bestand sichern. Doch die Obst- und Gartenbauvereine im Saarland haben die schwierigen Zeiten überlebt und sogar mehr Mitglieder als ihre Nachbarn, weshalb bei der Namensgebung beim "Verband der Gartenbauvereine Saarland-Pfalz" das kleine Bundesland auch an erster Stelle genannt wird. Dessen Präsident Clemens Lindemann wies im Grußwort der Festschrift auf die Bedeutung dieser Vereine in der Vergangenheit, aber auch der Gegenwart hin. War die Arbeit im Garten vor 110 Jahren noch überlebensnotwendig, sei es heute eine wunderschöne Freizeitbeschäftigung. Damals wie heute war und ist der Zusammenschluss im Verein wichtig, um die notwendige Arbeit besser zu organisieren, sich gegenseitig Gerätschaften auszuleihen, Anleitungen zum Schneiden von Bäumen oder der Düngung zu bekommen oder einfach seine gärtnerischen Erfahrungen auszutauschen. Das "Zurück zur Natur" vieler Menschen scheint auch mit ein Grund dafür zu sein, dass sich gerade die mit dem Gartenbau befassten Vereine so lange halten und wieder Zulauf bekommen.

Das Arbeiten im Garten sei eine nachhaltige Angelegenheit, um den folgenden Generationen das Überleben zu sichern, so der Landrat. Beim Festakt schickte er mit Frank John , Bürgermeister von Kirkel und Vorsitzender der Gartenbauvereine im Saarpfalz-Kreis, einen Stellvertreter, der sich fragte, wo denn all die Gartengeräte, Rasenmäher und Häcksler stehen, wenn der OGV Rentrisch doch gar kein eigenes Gartenhaus, geschweige denn ein eigenes Grundstück zur Bewirtschaftung hat. Dank eines funktionierenden Vereines hätten die Sachen bei einem Vorstandsmitglied ein "Bleiberecht", wie Hohneck mit Dank an diesen verkündete.

Rentrischs Ortsvorsteher Dieter Schörkl ließ die Historie des Vereins Revue passieren, die Hans-Gert Hahn für die Festschrift interessant aufbereitet hatte. An manchen Stellen schmunzelten die zahlreichen Gäste, wie sich die Zeiten gewandelt hatten. Rentrisch war bei der Vereinsgründung 1904 preußisch und hatte rund 1000 Einwohner, Autos und Elektrizität waren in dem kleinen Örtchen bis dahin weitestgehend unbekannt. Erst 1912 bekamen die Rentrischer eine eigene Wasserleitung und Stromanschluss, von Äpfeln und Birnen aus Italien und Weintrauben aus Südafrika hätte noch keiner zu träumen gewagt. Einkellern und Einwecken für schlechte oder Winterzeiten war die Devise. Der Verein habe maßgeblich dazu beigetragen, Rentrisch lebens- und liebenswert zu machen.

110 Jahre sprächen für Kontinuität, was auch die geringe Zahl von sieben Vorsitzenden in dieser langen Zeit unterstreicht, wie Frank John sagte. Im Gartenbauverein solle man Kindern beibringen, was es heißt, einheimisches Obst und Gemüse zu genießen, warb der Kirkeler für die Arbeit im OGV. "Möge das Jubiläum Anlass sein, die 110-jährige Tradition fortzusetzen", wünschte sich die stellvertretende Ortsvorsteherin Nadine Müller von einem Verein, dessen ureigenste Aufgabe es ist, die "Früchte seiner Arbeit" zu ernten.