Schüler müssen Hitze auss(chw)itzen

Schüler müssen Hitze auss(chw)itzen

Hitzefrei? Gibt's seit über zehn Jahren nicht mehr. Doch wie gehen die einzelnen Schulen in und um St. Ingbert mit den hohen Temperaturen um?

Lernen bei Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad Celsius? Die aktuelle Hitzewelle verwandelt Klassenzimmer in Brutkästen. Vor über zehn Jahren hätten die Schüler noch Hitzefrei bekommen, doch diese Regelung gibt es nicht mehr. Die Schulen in und um St. Ingbert müssen also irgendwie mit der großen Hitze umgehen.

Dabei verzichtet die Albert-Weisgerber-Schule beispielsweise auf Hausaufgaben, damit sich die Schüler mittags erholen können. Außerdem wird nur bis zur fünften Stunde unterrichtet und - sofern möglich - Schulstunden ins Freie verlegt. Die Albert-Magnus-Realschule hat einen Vorteil: Das Schulgebäude ist ein Altbau aus Backstein und heizt sich deshalb nicht so schnell auf. Außerdem beginnt der Unterricht schon um 7.30 Uhr, da ist es noch relativ kühl. Wenn es doch zu warm in den Räumen wird, wird umgestellt, dann haben die Schüler nur bis 12 Uhr Unterricht. Im Moment laufen hier die mündlichen Prüfungen, dafür wurden extra die kühlsten Klassenzimmer ausgesucht. Glück für die anderen Schüler, die haben frei.

Die Schmelzerwaldschule ermahnt ihre Schüler, genügend Getränke mitzubringen. Und wenn es um 10 Uhr schon 23 Grad Celsius warm ist, werden keine Klassenarbeiten mehr geschrieben. "Außerdem wird der Unterricht dann ins Freie verlegt zum Beispiel bei einem Waldspaziergang oder einem Schwimmbadbesuch", sagt der Rektor der Schule, Stefan Haus. "Beim Leibniz-Gymnasium gibt es keinen Unterrichtsausfall", betont der ständige Vertreter des Schulleiters Andreas Bonaventura.

Dennoch wird bei großer Hitze auf die Schüler eingegangen, das bedeutet: keine Hausaufgaben, keine Klassenarbeiten nach der vierten Stunde, der Sportunterricht wird in der Sporthalle abgehalten (dort ist es kühl), und man halte die Schüler an, genügend zu trinken. Die Schüler des Leibniz-Gymnasiums haben Glück, die Schule ist mit Rollos ausgestattet und die Räume sind durch die Lüftungsanlage gut gekühlt.

Die Rischbachschule mit der Dependance Wiesentalschule hat in ihrem Schulprogramm eine Regelung für große Hitze getroffen, der sogenannte "Hitzeunterricht". "Wenn die Außenlufttemperatur bis 10 Uhr Sommerzeit bereits 23 Grad Celsius im Schatten erreicht hat, ist in der fünften und sechsten Stunde Hitzeunterricht. An Tagen mit Hitzeunterricht gibt es keine Hausaufgaben und nach der vierten Stunde werden keine Klassenarbeiten geschrieben" sagt der Direktor der Schule, Werner Koch.

Die Entscheidung über Hitzeunterricht trifft die Schulleitung, die unterrichtenden Lehrkräfte können dann einen gelockerten Unterricht anbieten, die Kinder auf dem Schulhof spielen lassen oder Spaziergänge im Freien anbieten. Anstrengender Sportunterricht wird vermieden.

Die Regelungen bei Hitze an den Schulen in St. Ingbert decken sich mit der Regelung des Ministeriums für Bildung und Kultur, die ab dem Schuljahr 2006/2007 im Saarland nach Aufhebung des "Hitzefrei-Erlasses" festgelegt wurden. Wenn nach dieser Regelung die Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten vorliegt, dürfen die Schüler vorzeitig aus der Obhut der Schule entlassen werden. Falls Eltern ihren Kindern nicht ausreichend Getränke mitgegeben haben, sorgen die Lehrkräfte dafür, dass Trinkwasser zur Verfügung steht. Wenn die Außenlufttemperatur um 10 Uhr bereits 23 Grad Celsius im Schatten erreicht hat, dürfen in den Klassenstufen eins bis zehn nach der vierten Stunde keine Klassenarbeiten mehr geschrieben werden, Hausaufgaben werden nicht erteilt. Gerade aber die Regelung, dass nur mit Einverständnis der Erziehungsberechtigten die Schüler vorzeitig entlassen werden dürfen, bringt Probleme mit sich. Während einige Kinder diese Einverständniserklärung haben, haben andere sie nicht. "Das führt zu Missgunst unter den Schülern", sagt Stefan Haus, Rektor der Schmelzerwaldschule.

Zum Thema:

Als 2006/2007 im Saarland der sogenannte "Hitzefrei-Erlass" aufgehoben wurde, wurde festgelegt, dass die schulische Betreuung an besonders heißen Tagen gewährt bleibt. Gründe hierfür sind eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und verminderter Unterrichtsausfall. Darin wird unter anderem empfohlen, bei überhitzen Räumen den Unterricht nach draußen zu verlegen und beispielsweise Waldsparziergänge oder Besuche im Schwimmbad anstelle von Unterricht zu machen. Vorhaben im Sportbereich sollen verschoben werden, wenn hohe Temperaturen ein Gesundheitsrisiko darstellen.