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Heizen mit Kaminofen: Schornsteinfeger warnt - Machen Sie nicht diesen Fehler

Schornsteinfeger mahnt : Kaminofen richtig benutzen: Diesen Fehler dürfen Sie mit Brennholz nicht machen

Heizen mit geschreddertem Holz

Bei steigenden Öl- und Gaspreisen kommt Holz als Brennstoff wieder stärker ins Gespräch. Doch er ist umstritten. Das allerdings längst nicht immer zu Recht, wie Schornsteinfeger-Innungsmeister Eric Scherer erläutert.

Mit Holz heizen, das scheint manchem angesichts der Energiekrise und der damit einhergehenden Preisexplosion bei Gas, Öl und Strom wieder eine Option. Förster im Saarpfalz-Kreis berichten von großer Nachfrage in ihren Revieren (wir berichteten). Allerdings ist der Kaminofen in den vergangenen Jahren in Verruf geraten. Hoher Feinstaub-Ausstoß lautet der Vorwurf, der derzeit das Argument zu überwiegen scheint, dass die Energiequelle Holz nachwachsend ist und nicht mehr CO2 in die Umwelt entlässt, als sie in der Wachstumsphase gespeichert hat.

Schornsteinfeger mahnen

Vor dem Hintergrund aktueller Holzknappheit treibt die Schornsteinfeger um, ob die Ofenbetreiber wirklich nur trockenes und unbehandeltes Holz benutzen. Der Innungsmeister kann vor einem lässigen Umgang nur warnen. Nasses Holz bedeute nicht nur mehr Schadstoffe und schlechtere Wärmeleistung, sondern sorge auch für Glanzruß im Ofenrohr und damit für die Gefahr eines Kaminbrandes. Deshalb: Trockenes naturbelassenes Holz aus regionaler Wertschöpfung in den Ofen. Die Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit steht und fällt mit dem Betreiber.

Unterschiedliche Ansätze beim Kaminofen

Das Bundesumweltamt rät auf seiner Internetseite von der Heizmöglichkeit ab. Dort heißt es: „Verzichten Sie aus Klimaschutz-, Luftreinhalte- und ökologischen Gründen auf die Nutzung von Holz zur Wärmeversorgung Ihres Hauses.“ Der Bundesverband des Schornsteinfeger-Handwerks hingegen spricht in seinem Infoportal beim Heizen mit Holz von klimafreundlicher Wärme.

Was das Umweltministerium Saarbrücken sagt

Das Umweltministerium in Saarbrücken äußert sich zurückhaltend. Dort heißt es zusammenfassend: „Bei der Holzverbrennung entstehen mehr Schadstoffe, insbesondere Feinstaub, als bei der Verbrennung von Gas oder Öl.“ Es gelte die gesetzlichen Grenzwerte bezüglich Holzöfen für die Emissionen von Staub und Kohlenmonoxid sowie Anforderungen an den Mindestwirkungsgrad einzuhalten. Dies kontrollierten die Schornsteinfeger. Und nicht zuletzt: „Wichtig ist der ordnungsgemäße Betrieb der Öfen.“

Im Saarland wächst nach Auskunft der Förster mehr Wald, als geschlagen wird. Hier ein verwunschenes Gebiet auf der Schlossbergtour in Homburg.
Im Saarland wächst nach Auskunft der Förster mehr Wald, als geschlagen wird. Hier ein verwunschenes Gebiet auf der Schlossbergtour in Homburg. Foto: Michael Beer

Betreiber in der Pflicht

Letzteres ist ein Punkt, den auch Eric Scherer betont. Der Landesinnungsmeister der Schornsteinfeger, die ihren Sitz in Rohrbach haben, ist mit der Einschätzung des Bundesumweltamtes zu Kaminöfen nicht glücklich, wie er im Gespräch verrät. „Das Problem ist“, sagt er, „dass derzeit verschiedene Sachen miteinander vermischt werden“.

Mit Blick auf das Saarland lasse sich festhalten: „Der Saarforst-Landesbetrieb betreibt seit Jahrzehnten eine nachhaltige Forstwirtschaft.“ Mit anderen Worten, es wird kein Raubbau betrieben. Die Förster im Kreis betonen denn auch, es wachse in der Region mehr Holz nach, als geschlagen werde. Wer dieses Holz in einem modernen Kaminofen, der die gültigen Abgasnormen einhalte, in gut getrocknetem Zustand verfeuere, sagt Schornsteinfegerinnungsmeister Scherer, komme zu Unrecht in die Kritik.

140 000 Kaminöfen im Saarland

Wie so oft liegt der Teufel im Detail. Scherer spricht den Einzug der Marktwirtschaft im Holzgeschäft an. Wenn Brennholz oder Pellets zum Verfeuern quer durch Europa gefahren würden und zum Beispiel aus östlichen EU-Länden stammten, in denen große Waldflächen abgeholzt würden für die Produktion, dann sei dies natürlich nicht nachhaltig. Aber halt billiger. Was in den Ofen komme, entscheide jeder Einzelne beim Ankauf seines Brennstoffes. Scherer: „Es steht und fällt mit dem Betreiber.“

Jährlich rund 100 Beschwerden

Im Saarland gibt es nach seinen Worten rund 140 000 Kaminöfen. Beim Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz, kurz LUA, gingen jährlich rund 100 Beschwerden ein. Oft werde dabei ein ungeeigneter Brennstoff im Ofen verfeuert. Braunkohlebriketts zum Beispiel – unter Umweltaspekten keine gute Wahl – dürften nur in dafür geeigneten Öfen verfeuert werden. „Die Nutzer unterscheiden oft nicht, was sie brennen. Das ist der Haupttreiber für Beschwerden“, erläutert der Schornsteinfeger. Und leicht zu beheben.

Normen für Kohlenmonoxid und Feinstaub

140 000 Kaminöfen, jeder zweite Wohneigentümer im Land hat einen nach den Worten des Innungsmeisters. Nach dem aktuellen Bundesemissionsschutzgesetz gelten strenge Richtwerte, was den Schadstoffausstoß anbelangt. Die Verordnung greift ab 2024. Und das ist wohl die schlechte Nachricht beim Heizen mit Kaminöfen: Scherer spricht von rund 70 000 Anlagen im Saarland, also der Hälfte, die dann nachgerüstet oder außer Betrieb genommen werden müssen, weil sie die Normen nicht erfüllen.

Die Anforderungen sehen so aus: Der maximale Ausstoß an Kohlenmonoxid darf 1,25 Gramm je Norm-Kubikmeter betragen, beim Feinstaub sind es 0,04 Gramm je Kubikmeter Abgas. Die Feuerungsstätte muss mindestens einen Wirkungsgrad von 73 Prozent betragen.

Typenschild am Ofen

Ein Typenschild am Ofen weist die Werte üblicherweise aus. Nachrüstungen, etwa mit einem Feinstaubfilter, sind prinzipiell möglich, sagt der Fachmann. Allerdings müsse genau darauf geschaut werden, ob Aufwand und Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis stünden. Scherer: „Das Nachrüsten ist teuer und macht deshalb nur bei hochwertigen Anlagen Sinn.“

Wer derzeit noch mit einem alten Ofen heizt, sollte sich schon jetzt Gedanken machen, sagt Scherer: „Im Moment sind auch Kaminöfen schwer zu bekommen.“ Die Ausstellungsräume seien leer, nur aus dem Ausland ließen sie sich beziehen.