Schlagzeugtruppe mit Ölfässern

Die Truppe „Percussion under Construction“, die normalerweise für das Saarländische Staatstheater auftreten, hauten diesmal in St. Ingbert auf ihre Instrumente. Und das waren nicht nur klassische Trommeln.

. Wenn Mitwirkende eines Theaters sich nicht weit der Heimat auf eine kleine Tournee begeben, sprach man in der Vergangenheit klassisch von einer "Tingelei". Das Saarländische Staatstheater (SST) baut um. Die Produktionen finden nicht nur einmalig an anderen Spielstätten statt. Hier von "Tingelei" zu reden, würde dem riesigen Aufwand nicht genügend Rechnung tragen. Beim Auftritt von "Percussion under Construction", der Schlagzeuggruppe des SST am Sonntagabend in der Industriekathedrale Alte Schmelz war es ähnlich: Die Formation um den St. Ingberter Matthias Weißenauer nach elf Jahren ihres Bestehen noch als Projekt zu bezeichnen, ginge an deren Bedeutung vorbei.

Frei mit "Schlagzeug im Bau" übersetzt, ist nämlich weitaus mehr. Das aktuelle Programm "Tales from the center of the Earth" ("Geschichten aus der Mitte der Erde"), welches vor rund einem Jahr im Großen Haus - anlässlich des Endes des Bergbaus im Saarland - unter der Regie von Sebastian Welker Premiere feierte, ist eine moderne Hommage an die Geschichte der Kohleförderung. Zwar musste das St. Ingberter Publikum auf Gags wie das Abseilen der Trommler während des Spielens aus technischen Gründen zum Konzertauftakt verzichten. Dafür gab's den Steigermarsch in einer beeindruckend anderen Version von der Kapelle, die passender nicht hätte sein können: die Bergkapelle St. Ingbert (Leitung: Matthias Weißenauer).

In Kombination mit fünf Trommlern entstand so ein besonderer Charme des Traditionellen. Wer ausschließlich konzertante Werke erwartet hatte, war angenehm überrascht: Dynamisch-Experimentelles gehört zur Saarbrücker Percussion-Truppe wie das Salz zur Suppe. Verstärkt durch rund 30 Kinderschlagzeuger und die Bergkapelle waren bis zu 100 Menschen bei dieser Show im Einsatz. Im Mittelpunkt stand ein Mann, der sich schnell die Sympathien der Zuschauer erspielte: Martin Hennecke. Ölfässer brachte er ebenso zum Klingen wie Glocken, die an den Bergbauschacht-Fahrstuhl erinnerten.

Auch Johannes Walter an der Marimba sorgte beim "Konzert für Marimba und Wind Ensemble" zusammen mit der Bergkapelle für eine beeindruckende Dramatik, die spontan an große Filmmusiken erinnerte. Nicht nur dieser Programmpunkt begeisterte die Besucher. Auch die Reise ins Innerste der Erde, wohin die Bergkapelle die Zuschauer musikalisch begleitete, erreichte nicht nur wegen der Filmeinspielungen schnell die Sympathien.

Mitwirkende: Martin Hennecke, Thorsten Muschiol, Fedor Podranski, David Reindl, Johannes Walter, Matthias Weißenauer und Stefan Wunn (alle Schlagzeug); Sebastian Voltz (Keyboard); Manuela Simmler (Sopran).