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Schausteller lieben St. IngbertRegenwetter vertreibt die Krammarkt-Kunden

Schausteller lieben St. IngbertRegenwetter vertreibt die Krammarkt-Kunden

St. Ingbert. Die Kirmesbesucher hatten am Samstag schon die ersten Runden bei den Fahrgeschäften gedreht, bevor mit der "Kerweredd" die offizielle Eröffnung über die Bühne ging. Im Kuppelsaal des Rathauses drängten sich die Besucher. Sie wollten hören, was Ulli Meyer und Bärbel Klenner dem "Kerwevolk" zu sagen hatten

St. Ingbert. Die Kirmesbesucher hatten am Samstag schon die ersten Runden bei den Fahrgeschäften gedreht, bevor mit der "Kerweredd" die offizielle Eröffnung über die Bühne ging. Im Kuppelsaal des Rathauses drängten sich die Besucher. Sie wollten hören, was Ulli Meyer und Bärbel Klenner dem "Kerwevolk" zu sagen hatten. Das Duo wurde mit Felix Derschang zum Dreiergespann, der seiner Harmonika passend zum jeweiligen Thema Töne entlockte. Ingobertus, Stadtratsvielfalt, Feuerwehrtor, Baumwollspinnerei, Brauerei, Jazz, Jugendknasthotel, kaum ein "Aufreger" wurde ausgelassen. "Leider hammer net so viel Zeit, um alles se soon, was em Arge leit", so Ortsvorsteher Meyer. Während OB Hans Wagner das erste Mal bei einer Kirmeseröffnung dabei war, wussten viele Kinder schon, was jetzt kam - die Tütchen mit Fahr-Chips wurden verschenkt. Kurz vorm Feuerwerk setzte der Regen ein, der sich am Sonntag hartnäckig hielt.Horst Kümpel, der zu Füßen des Riesenrads arbeitet, bei dem sechs Kabinen mit Planen regensicher gemacht waren, hatte trotz allem gute Laune: "Klar hat uns das Wetter die Kasse verregnet, wie der Schausteller sagt, aber das Publikum hier ist sehr angenehm und freundlich, deshalb kommen wir gern hierher." Seit 25 Jahren ist der 56-Jährige schon im Geschäft, genau wie seine Nachbarin Anke Spangenberger vom Music-Express. "Zusteigen bitte", kündigt die Dillingerin die nächste Fahrt freundlich an: "Die Leute können ja nichts für das Wetter. Und die St. Ingberter sind einmalig." Am Tag zuvor stand ein junger Mann am Kassenhäuschen und verlangte Chips mit den Worten: "Geben Sie mir mal bitte fünf zum Trockenfönen." Humor ist, wenn man trotzdem lacht. So ähnlich sahen es wohl auch viele andere Besucher, die sich mit Schirm, dickem Mantel und Hut ausgerüstet den Spaß nicht verderben ließen. "Das Wetter stört uns eigentlich nicht", waren sich Hannes, Lars, Max, Leon und Tom einig. Die fünf Zehn- und Elfjährigen hatten gespart oder Geld von Verwandten bekommen, nun wollten sie was erleben - beim Autoscooter, der Krake, dem Twister, Miami oder dem Simulator. Das Riesenrad? Nicht schlecht, aber für die Clique zu langsam.

Die gebürtige St. Ingberterin Monika Spoo wurde ins Schaustellergeschäft hineingeboren, wie sie sagt. Seit 58 Jahren und in der dritten Generation ist die Familie mit Kinderfahrgeschäften, "Hollywood-World" und "Convoi-Star", vor Ort: "Wir haben einen schönen Platz, sehr gutes Publikum und eine angenehme Stadtverwaltung." Für das Wetter könne keiner was und so hoffe man auf den Dienstag. St. Ingbert. Hunderte, ach was, tausende Menschen schlängeln sich durch die St. Ingberter Innenstadt, die Cafés an der Kaiserstraße sind überfüllt. So war's vor einer Woche. Gestern herrschte in der verlängerten Fußgängerzone ein Bild des Jammers.

Nur ganz Hartgesottene verloren sich im Zentrum der Stadt, um zu schauen, was die Markthändler, die aus allen Ecken der Bundesrepublik gekommen sind, neben dem schlechten Wetter denn feines mitgebracht haben. Gedankenverloren stierten sie vor sich hin - der Handtaschenverkäufer aus Bitterfeld, der Blusenhändler aus dem Burgenlandkreis (beide Sachsen-Anhalt), oder auch die Kosmetikerin aus dem niedersächsischen Vechta.

Wer kann, hofft auf diesen Montag - so wie Monika Kalendkiewicz aus Reichshof (Nordrhein-Westfalen). Immerhin zählte sie mit ihren begehrten Blumenzwiebeln noch zu den wenigen Gewinnern des Sonntages. "Wir kommen seit fast 40 Jahren hierher. Die Leute kennen uns und wissen, was sie bei uns bekommen. Sie kaufen bei so einem Wetter gezielt ein. Wenn überhaupt."

Wenige Meter weiter, am Stand von Stahlwaren Ecker, erledigten sich frühzeitig sämtliche Hoffnungen. Die Händlerin, die mit Namen nicht genannt werden möchte, sagte: "Man muss immer von sich selbst ausgehen. Und ich stelle fest, dass ich bei diesem Wetter auch nicht freiwillig vor die Tür gehen würde." Diese Meinung teilte nicht jeder. "Man kann sich doch entsprechend anziehen. Das ist immer noch besser, als zu Hause herumzusitzen", sagte eine Marktbesucherin. Ein anderes Ehepaar wäre wohl gerne in der warmen Stube geblieben. Es hätte so gemütlich werden können bei Tee und Gebäck oder Kaffee und Kuchen. Aber: Da war ja auch noch das versprochene Eis für Enkeltochter Lilith - und das gibt's nur in der Stadt.

Auch über dem Stand für Staubsaugerbedarf sind die Schleusen geöffnet. "Dazu fällt dir nix mehr ein, so etwas habe ich noch nicht erlebt - und ich komme seit 20 Jahren hierher", sagte der Mann mit dem Schnauzbart. Dann geschieht das Unfassbare: Eine Kundin kommt. Für ihre in Italien lebende Freundin kauft sie Staubsauger-Beutel, nur wegen ihr ist sie überhaupt vor die Tür gegangen. Dann will der Händler den doppelten Preis. Die Begründung: Ich hab' heute noch nichts verkauft, muss aber mein Hotelzimmer bezahlen." Wenigstens der Humor ist trocken geblieben. obe

Foto: Jung