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Schausteller bieten Karussells in Gustav-Clauss-Anlage in St. Ingbert

Hilfe für die Schausteller : Der St. Ingberter Stadtpark wird zum Kirmesplatz

Seit dem Wochenende nutzen einige Schausteller das Angebot der Stadt, ihre Stände in der Gustav-Clauss-Anlage aufzustellen. Sie wollen so einige der Corona-Defizite ausgleichen.

Sonntagnachmittag gegen 17 Uhr. Auf der Wiese hinter dem ehemaligen Stadtbad herrscht Betrieb. Der stammt aber nicht vom daneben liegenden Spielplatz, sondern kommt von ein paar Kirmesständen und einem Karussell, die sich dort seit dem Wochenende befinden. Ein weiterer Gastronomie-Stand, die „Schwarzwaldstube“ ist schon seit Wochen in der Gustav-Clauss-Anlage ansässig. Es sieht irgendwie nach einem kleinen Rummel aus.

Die Schausteller haben das Angebot des Stadtmarketings St. Ingbert angenommen, an den Wochenenden bis zum Ende der Sommerferien hier ihre Geschäfte aufzubauen. Quasi als eine Art Ersatz, da sie wegen der derzeitigen Beschränkungen in dieser Saison nicht ihrer Tätigkeit nachgehen können. Für viele war der Weihnachtsmarkt im letzten Dezember der letzte Einsatz.

„Mama, kann ich einen Ballon haben?“, fragt der kleine Paul (6) soeben seine Mutter Lisa Neumann. Die überlegt kurz, lässt sich dann aber doch darauf ein, nachdem er bereits einige Runden auf dem Karussell drehen konnte. „Es ist dieses Jahr alles schwieriger. Die Kirmes im Frühjahr ist weggefallen und die große im Herbst gibt’s ja wohl auch nicht. Den Kindern fehlt das alles“, sagt die Alleinerziehende aus Rohrbach gegenüber unserer Zeitung. „Die paar Stände hier ersetzen ja keinen Rummel, aber es hat den Hauch von etwas Normalität. Und wo wollen sie sonntags hin, wenn die Schwimmbäder zu haben und die Feste abgesagt worden sind?“, beschreibt ein Opa, der mit seinen beiden Enkeln hier ist, die Situation.

Es sei schon alles sehr ungewohnt, meint Andy Nock, dessen Mitarbeiter mit einem Luftballon-Verkaufsstand auf dem Platz steht. Der Saarbrücker wäre jetzt eigentlich auf dem Hermeskeiler Stadtfest, das normalerweise zehn Tage dauert und ihm und seiner Familie sonst einen Großteil des Jahresumsatzes beschert. Nock war schon da, als er Kind war und seine Eltern, ebenfalls Schausteller, dort standen. „Wir alle wären jetzt eigentlich woanders“, sagt der Standbetreiber. „Das hier ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber wir sind froh darüber. Es reicht vielleicht, um Lebensmittel kaufen zu können“, fasst der Schausteller die Situation zusammen.

Maximal fünf Prozent des jährlichen Umsatzes glaubt Andy Nock hier machen zu können. Er sei nie auf staatliche Hilfe angewiesen gewesen und sei gespannt, wie es weitergeht. Mit Kollegen habe er die Demonstrationen in Berlin und München besucht. Gebracht habe das nichts.

Und dann sieht er in Saargemünd, dass dort Kirmes stattfindet, als hätte es Corona nie gegeben. Ohne Masken und ohne Mindestabstand. Dabei ist die Region Grand Est weitaus schlimmer von Corona betroffen als das Saarland. „Uns fehlt eine Perspektive“, bemängelt Robert Gärtner, der sich spontan zum Interview dazu gesellt. Gärtner hat zwar hier in St. Ingbert keinen Stand, er besucht aber seine Schwiegermutter, die hier einen Mandelstand betreibt. Die Probleme seien die gleichen. Gärtner und Nock ärgern sich auch über die Entscheidung, Freizeitparks öffnen zu lassen. Die Schausteller könnten die Hygienebestimmungen auch einhalten, dürfen aber nicht tätig werden. „Die Einschränkungen wären definitiv auch hier zu leisten“, versichert Nock.

Müssen wegen der Pandemie um ihre Arbeit bangen: Die Schausteller Andy Nock, Robert Gärtner und Jerome Sartorio (von links). Nock hat seinen Stand jetzt in der Gustav-Clauss-Anlage. Foto: Jörg Martin

Die Schausteller sind noch bis 16. August immer freitags bis sonntags von 14 bis 20 Uhr (sonntags bereits ab 12 Uhr) in der Gustav-Clauss-Anlage zu finden.