Schädlichem Lärm auf der Spur

In einigen St. Ingberter Straßen treffen hoher Verkehrslärm und dichte Bebauung mit vielen Anwohnern aufeinander. Solche „Hotspots“ müssen entschärft werden, sagt eine Studie. Der Bauausschuss ist gefragt.

In der St. Ingberter Kaiserstraße zwischen Josefskirche und Mühlwaldstadion, aber auch im Einmündungsbereich Josefstaler/Elversberger Straße bekommen viele Anwohner ordentlich was auf die Ohren. Auch in Kohlen- und Saarbrücker Straße, in der Oberen Kaiserstraße in Rohrbach und der St. Ingberter Straße in Hassel ist die Zahl derer groß, die sich in ihren Häusern und Wohnungen einem großen Straßenlärm ausgesetzt sehen. Rund 500 Menschen sind es in St. Ingbert und seinen Stadtteilen insgesamt, die an sogenannten "Hotspots" einem Geräuschpegel von bis zu über 70 Dezibel ausgesetzt sind, der ihrer Gesundheit abträglich sein kann. "Hotspot" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass starker Straßenlärm auf große Anwohnerzahlen trifft. Die Autobahn A 6 zum Beispiel ist gewiss auch nicht gerade leise, aber nur wenige Menschen sind in ihrem Verlauf auf St. Ingberter Bann von sehr starker Lärmbelastung betroffen. Eine Lärmschutzwand schluckt vieles weg. Lärm kann krank machen. Und deshalb sollte in den besonders betroffenen Straßenabschnitten bald etwas geschehen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie des "Schalltechnischen Beratungsbüros GSB" in Bosen, das Sandra Strünke-Banz vergangene Woche dem Bauausschuss des St. Ingberter Stadtrates vorgestellt hat. Das Ganze nennt sich "Lärmaktionsplanung" und basiert auf europäischem Recht. Schutz vor überbordender Geräuschkulisse durch - in erster Linie - Mobilität hat sich das Europäische Parlament Mitte 2002 mit einer Richtlinie zur Bewertung und Bekämpfung von Umgebungslärm auf die Fahnen geschrieben, die 2005 in ein entsprechendes Gesetz mündeten. Die Vorgaben aus Straßburg sind jetzt auf der Ebene der Städte und Gemeinden angekommen.

Strünke-Banz stellte den Ratsmitgliedern eine interessante Datensammlung vor. Die EU-Richtlinie wurde nach ihren Worten zunächst 2007 für die großen Verkehrsadern umgesetzt. In einer zweiten Stufe rückte dann das Verkehrsnetz in den Fokus, dessen Wege rund 8200 Fahrzeuge und mehr pro Tag zu bewältigen haben. In St. Ingbert sind neun Kilometer A 6 untersucht worden, die B 40 mit ihren verschiedenen Abschnitten von Unterer bis Oberer Kaiserstraße sowie ihrer Fortführung Richtung Kirkel (L 119), desweiteren Elversberger Straße (L 112), Dudweilerstraße (L 250), die St. Ingberter Straße in Hassel (L 111) und die L 126 (Rentrisch Richtung Neuweiler). Detailiert weist die Studie mit Zahlenmaterial aus dem Jahr 2010 aus, wie hoch die tägliche Verkehrsstärke ist. Kurzfristiger Handlungsbedarf besteht nach den Daten der Aktionsplanung im Verlauf der B 40, der Elversberger Straße und der St. Ingberter Straße in Hassel.

Zwei denkbare Wege schlägt die Studie vor, um die Dezibel, die auf die Straßenfronten der Häuser schlagen, zu reduzieren: Flüsterasphalt oder Tempo-30-Zonen. Strünke-Banz räumte ein, dass ein leiser Asphalt mit hohen Kosten verbunden sei. Allerdings muss zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht die Stadt St. Ingbert für die Straßen aufkommen. Sie gehören dem Land, der Landesbetrieb für Straßenbau ist Ansprechpartner. Die Gemeinden, erklärte Strünke-Banz, seien jetzt aufgerufen, die Aktionspläne aufzustellen.

Skepsis herrschte im Bauausschuss, ob sich wünschenswerte Maßnahmen denn auch verwirklichen lassen. Markus Gestier (UCD): "Bei der Haushaltsnotlage des Landes habe ich große Zweifel." Heinz Dabrock (Familien-Partei) brachte in die Diskussion ein, dass Flüsterasphalt über die Jahre seine Eigenschaften verliere. Oberbürgermeister Hans Wagner merkte an, mit mehr Elektromobilität lasse sich der Straßenlärm ebenfalls reduzieren.