Sau Piggy riecht nach Duftwasser

„Schwein gehabt! Da rocken ja die Hühner“ heißt das erste von der Musikschule St. Ingbert selbst produzierte Musical, das jetzt zwei Mal zur Aufführung kam. Mit Erfolg: Das Stück über Freundschaft und wie man als arrogantes Schwein Kumpel wird, kam toll an.

Es war ein in einem Jahr vorbereitetes "Experiment", was die Musikschule St. Ingbert da am vergangenen Montag gleich zwei Mal durchführte. Sie brachte mit 20 Musikschülern plus Live-Orchester nämlich ihr erstes selbst produziertes Musical "Schwein gehabt! Da rocken ja die Hühner" auf die Bretter der Stadthallenbühne. Und das Experiment zündete. Es war eine wahre Freude, den Kindern beim Gackern, Jagen, Springen, sich auf dem Boden winden, beim Tanzen, Spielen, Singen und Musizieren zuzuschauen.

Bereits am Morgen war der Saal mit 500 Schulkindern prall gefüllt und auch am Nachmittag kamen viele, um die Geschichte von der sich mit allerlei Süßigkeiten vollstopfenden Supersau und ihren Bauernhof-Kollegen zu sehen. Eigentlich war es eine ganz simple musikalische Erzählidee von Gerhard Meyer und Gerhard Weiler, die die Besucher so begeisterte. Alle Tiere fühlen sich wohl auf dem Bauernhof, sie sind gemeinsam stark, wie es in einer Liedzeile hieß. Nur die Sau spinnt. Piggy stinkt. Nicht nach Stall, sondern nach Parfüm. Igitt! "Ich bin die Supersau, stehle Euch die Schau, hab' Haut aus Samt und Seide", quiekte das Schwein singend vor sich hin. Und das war das Problem, denn innerhalb von drei kurzen Szenen, in denen Piggy mit allem Möglichen vom Bauern gemästet wird, dehnte sich Piggys Haut aus und das Schwein nahm sichtlich zu. Auf die Frage von den Ochsen, Mäusen, dem Kater, den Hühnern, ob das Schwein mitspielen wolle, gab es immer nur eine Antwort - "Pö".

Sollte heißen, dass Piggy die anderen nicht brauchte, denn sie hatte ja den Bauern als Freund. Von wegen: Der wetzte gemeinsam mit dem Metzger schon die Messer. Die anderen Tiere rochen den Braten, warnten die Supersau, die nach einigem Nachdenken Zuflucht im Stall bei den anderen suchte. Bei den Tieren, die nun ihre Freunde waren, war sie sicher. Der Bauer hatte kein Schwein mehr, bekam also auch kein Geld vom Schlachter, der Metzger kein Fleisch. Eine neue Verdienstquelle musste her und so wurde aus der geplatzten Schlachtung die Geschäftsidee von "Ferien auf dem Bauernhof". Und die Moral von der Geschicht'? Aus einem affigen Parfümschwein, das nicht nett, nur fett ist, kann auch noch ein guter Kumpel werden.

Bei dem Musical stimmte einfach alles, das freudige Spiel der Kinder, die Musik, das Bühnenbild mit Bauernhof-Fassade und auch, dass es leicht verständlich und mit rund einer Stunde nicht zu lang war. So was könnte es öfter geben. Um im Jargon der Geschichte zu bleiben: Es war einfach saugut und nicht so tierisch ernst. Den kleinen und großen Zuschauern gefiel das Musical über den Wert von Freundschaft ebenfalls, was sie durch heftigen Szenenapplaus zeigten. Und den bekamen die beiden "Bösen", der Bauer und der Metzger, die Piggy an den Schinken wollten, genauso, wie der kleine Wurm und der Mäuse jagende Kater. Es gefiel so gut, dass es nicht bei einer Zugabe blieb. Und die Melodien waren so eingängig, dass selbst kleine Zuhörer, die man später auf der Straße traf, noch die Lieder auf den Lippen hatten. Hut ab vor dieser Leistung, die viele Väter und Mütter hat.