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„Saarbrooklyn Groove Unit“ spielte im St. Ingberter Knast

Konzert in der JVA St. Ingbert : Jazz mit vielen Improvisationen und Soli

Die fünfköpfige Formation „Saarbrooklyn Groove Unit“ begeisterte ihr Publikum beim Open-Air-Konzert in der ehemaligen Justizvollzuganstalt in der Alten Bahnhofstraße.

Das St. Ingberter Kulturamt hat am vergangenen Freitagabend seine Reihe „Kultursommer in der JVA“ beendet. Ehe am kommenden Donnerstag das Stadtmarketing mit „Hugo’s Corner“ ebenfalls seine Folge der Freiluft-Veranstaltungen im ehemaligen Gefängnis-Hof in der Alten Bahnhofstraße beendet, gab es mit „Saarbrooklyn-Groove-Unit“ einen musikalischen Leckerbissen zu Gehör. Um es gleich vorneweg zu sagen: Der Anfang des Namens führt leicht in die Irre und hat nichts mit dem Skandal-Film eines privaten TV-Senders über die sozialen Brennpunkte der Landeshauptstadt vor etwa einem Jahr zu tun. Etwas mehr Publicity würde den fünf Musikern, die sich alle auf einem recht hohen Qualitätslevel bewegen, jedoch durchaus gut tun. Dafür hätte eigentlich das diesjährige Jazz-Festival der Mittelstadt gesorgt. Doch daraus wurde bekanntlich nichts. Denn auch diese Kulturveranstaltung musste wegen Corona abgesagt werden.

Insofern kann man durchaus von einer Art Nachhol-Auftritt der Fünf sprechen. Dabei gibt es die Combo erst seit etwa zwei Jahren. Sie hat sich dem Fusion Jazz verschrieben, der heute eigentlich nicht mehr ganz so vordergründig ist. Die Vergangenheit huldigen, ohne sie zu verklären, scheint den Nachwuchsmusikern auch sonst nicht ganz unwichtig zu sein. Das kann man auch daran erkennen, dass ein Teil der Fans mit Velo-Solex-Mopeds in die Ex-JVA kam. Und die Aktualität kommt bei den Musikern, die mittlerweile ihre saarländischen Wurzeln hinter sich gelassen haben und in verschiedenen Großstädten studieren oder dort ihrer musikalischen Profession nachgehen, auch nicht zu kurz. Frontmann ist Lorenz Hirsch, der Mann mit dem Tenor-Saxophon. Der Stuttgarter mit Heimat Rohrbach ist neben Tobias Fritzen (E-Bass) auch für etliche Eigenkompositionen der Fünf verantwortlich. So auch für ein Stück, welches noch keinen Titel hat und das am Freitagabend Weltpremiere hatte. Sechs Seiten Noten hat Hirsch vor zwei Wochen bei der Probe präsentiert. Das Werk hat es in sich, da irgendwie so ziemlich alles drin enthalten ist, was man sich vorstellen kann: Fetzig, laut, leise, ruhig, poppig und natürlich jazzig. Und fast schon eine Art Markenzeichen der Band: Enorm viele Improvisationen und Soli. Vorwiegend Saxophon, aber eben nicht nur. Merkmale, die sich auch bei vielen anderen Stücken wiederfinden.

Und dann das typische für Jazz: Jeder macht der Reihe nach sein Solo, während die Anderen das Ganze respektvoll beobachten und dann, zusammen mit dem Publikum, applaudieren. Manchmal lassen auch die Titel der Eigenkompositionen nicht nur tief blicken, sondern sorgen auch für Lacher. So ist „Bibi Bockwurst“ ein Werk von Tobias Fritzen, welches man durchaus in Richtung Freejazz einordnen könnte. Hier bestach vor allem des Solo des Drummers Max Hofmann. Ähnlich könnte man auch „Because I love it“, ebenfalls ein Eigengewächs aus dem Hause Fritzen, charakterisieren. Jonas Schmitt erntete gar für sein Piano-Solo bei einem Roy Adams-Titel „Bravo!“-Rufe.

Überhaupt schien schnell der Funke beim Publikum übergesprungen zu sein. Zwei Männer in der letzten Reihe standen gar irgendwann beim Solo von Philipp Herget (E-Gitarre) auf und tanzten gar an ihrem Platz. Das war nicht die einzige Reaktion der Konzertbesucher, die auch schnell bei den Soli in den Klatsch-Rhythmus kamen. „Irgendwie schade, dass man von der Band noch nicht so viel gehört hat. Man hat ja richtig was verpasst“, freute sich Anselm Hoffmann aus Homburg. Es ging ihm offenbar nicht alleine so. Denn ohne Zugaben wollten die Jazz-Fans die Band nicht von der Knast-Bühne lassen.