Rückkehr vergessener Schätze

Musik aus Klassik und Romantik dominierten das jüngste Konzert des Hausmusikkreises der Volkshochschule St. Ingbert. Das war zu erwarten. Doch die Stücke, die Musikkreis-Leiter Helmut Haag dann ankündigte, hatten es in sich – und die Geschichten dahinter ebenfalls.

Als Helmut Haag zu Beginn des Konzertes ankündigte, dass es dieses Mal kein ganz normales Programm geben werde, ahnte man bereits Herausragendes. Der Leiter des Hausmusikkreises der Volkshochschule St. Ingbert (VHS) spannte am Sonntag in der Christuskirche seinen Bogen in der Anmoderation unterhaltend weit. Haag sprach von den zahlreichen Fälschungen in der Musik, als er das Programm "Aus Klassik und Romantik" ankündigte. Allzu viel geistiger Diebstahl sei früher begangen worden. Komponisten schmückten sich oft mit fremden Federn, ohne es zuzugeben.

Es gab jedoch - ganz im Gegenteil zu den heutigen Urheberrechtskonflikten - vor Jahrhunderten fast kein Unrechtsbewusstsein. Als Anfang des vorherigen Jahrhunderts nämlich herauskam, dass das Konzert in c-Moll für Violoncello und Streicher gar nicht von Johann Christian Bach stammt, sondern vielmehr von Henry Casadesus, war die Aufregung groß. Seither wird das Stück kaum mehr gespielt, weil man es allzu lange Bach zugerechnet hatte. Es sei ein "wunderbares Stück", was die Zuschauer nun zu hören bekämen, meinte Helmut Haag. Angereichert durch die Musik des Solisten Gábor Szarvas (Violoncello) erschallte in der Kirche in der Wolfshohlstraße als stimmiges Ganzes. Angesichts der drei Sätze wurden sowohl Romantik als auch Träumerei präzise und harmonisch vom Hausmusikkreis und vom Solisten transportiert.

Szarvas erhielt nicht nur Bravo-Rufe, sondern er musste auch danach mitten im Konzert eine Zugabe geben. Manche Musiker waren früher ihrer Zeit voraus, ohne es zu wissen. So spielte man in England oft Werke von Henry Purcell, wie etwa seine Suite in g-Moll für Streicher. Diese hielt man für ein gewöhnliches Stück, was aus heutiger Sicht schon Barockmusik war. Fünf Sätze spielte das Orchester davon. Begeistert war das Publikum auch vom "Odenwälder Mozart", von Joseph Martin Kraus. Der Hausmusikkreis spielte die Romanze in B-Dur aus op. 1/3 für Streicher und sorgte damit für eine stimmungsvolle Mischung aus Humor, Träumerei und leichter Dramatik.

Bei der Romanze des Mannes, von dem einst Haydn meinte, es gäbe "keinen genialeren Geist", kam eine besondere Begeisterung in der Kirche auf. Als kurz, harmonisch, freudvoll und positiv kann man das lyrische Andante für Streicher des Komponisten Max Reger beschreiben, welches dieser anlässlich der Hochzeit eines Freundes komponierte. Mit "alles wie ein Sommerwind" beschrieb Helmut Haag die Serenade in e-Moll op. 22 für Streicher von Edward Egal, die gekonnt leicht den Schlusspunkt des Konzertes setzte. "Da fehlte eigentlich nur die Zugabe", bedauerte Besucherin.