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Rohrbacher Wetterfrösche hören nach 13 Jahren auf

Rohrbacher Wetterfrösche hören nach 13 Jahren auf

St. Ingbert. Auf der Kommode im Wohnzimmer der Familie Schlapp steht eine niegelnagelneue elektronische Wetterstation. "Mein Sohn hat sie mir zu Weihnachten geschenkt", sagt Hans Georg Schlapp, 61. Und lächelt flüchtig ob der Ironie der Situation

St. Ingbert. Auf der Kommode im Wohnzimmer der Familie Schlapp steht eine niegelnagelneue elektronische Wetterstation. "Mein Sohn hat sie mir zu Weihnachten geschenkt", sagt Hans Georg Schlapp, 61. Und lächelt flüchtig ob der Ironie der Situation. Denn das neue Messgerät hat just bei ihm, seiner Frau Marie-Luise, 59, und Sohn Heiko, 38, Einzug gehalten, da die Schlapps ihren Job an den Nagel hängen. Sie sind bestens bekannt als Rohrbacher Wetterfrösche. Seit Juni 1995 konnten die St. Ingberter das regionale Wetter anhand des Datenmaterials der Schlapps in monatlicher Rückschau in der Saarbrücker Zeitung verfolgen. Zuvor hatte der St. Ingberter Albert Ochs von Januar 1979 regelmäßig Wetterdaten an die SZ geliefert. Nachdem er vergangenes Jahr in den Vorruhestand gegangen sei, wollten Hans Georg Schlapp und seine Frau jetzt verstärkt die freie Zeit mit Reisen verbringen, erläutert er die Hintergründe für das Ende der Aufzeichnungen. Sein Sohn Heiko, treibende Kraft des ehrenamtlichen Wetterdaten-Sammelns, kann wegen einer schweren Sehbehinderung die Arbeit nicht alleine stemmen. Und Aushilfs-Wetterfrosch Dieter Fischer aus Hassel, auf den sie sich immer 100 Prozent verlassen konnten, wollen die Rohrbacher Experten nicht über Gebühr strapazieren. "Unser Hobby war interessant und es hat uns viel Freude gemacht, aber es hat uns auch schon sehr eingeschränkt", sagt Marie-Luise Schlapp. Sie betont, in der langen Datenreihen dürfe kein einziges Element fehlen. Jeden Tag haben sie deshalb akribisch festgehalten, was die Station im Garten an Werten brachte. Sinn für Witterung Nach den DIN-Erfordernissen ist der Kasten im Schlappschen Garten aufgebaut, drei Stufen führen zu dem weißen Holzkasten hin- auf, die Tür ist nach Norden gerichtet, der Innenraum hat Belüftungsschlitze und -löcher von unten und oben. Jeden Tag haben die Wetterfrösche neben der Datenauswertung das Funktionieren der Technik überprüft. Und mit den Jahren einen Sinn für die Witterung entwickelt. Marie-Luise Schlapp: "Mein Sohn kann raus in den Garten gehen und sagen: In zwei Stunden regnet es." Heiko Schlapp ist gelernter Landschaftsgärtner. Wetter war schon Fach in der Berufsschule. Die Initialzündung war bei ihm ein Besuch des deutschen Wetterdienstes: "Das hat mich inspiriert." Und während seiner Ausbildung im Christlichen Jugenddorf in Schwarzenbach, erzählt er weiter, habe man seinerzeit jemanden gebraucht, der sich um die Wetterstation kümmerte. Zudem liegt die Wetterbeobachtung der Familie wohl im Blut. Denn schon Großvater Walter Klahm hat sich um die Wetterbeobachtung bemüht. "Wir haben die Daten von 30 Jahren," sagt Hans Georg Schlapp. Kaum vorstellbar, dass jetzt nur noch ab und an ein Blick auf das neue Messgerät im Wohnzimmer genügen soll.