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„Robby Jost-Duo“ sorgte für die Zugabe im „Knast“ in St. Ingbert

Konzert in St. Ingbert : „Robby Jost-Duo“ sorgte für die Zugabe im „Knast“

Die beiden Musiker boten ihrem Publikum in der ehemaligen JVA in St. Ingbert vor allem sanftere Töne.

Das Stadtmarketing St. Ingbert hat vor einigen Tagen seine Reihe „Ab in den Knast“ im Hof der ehemaligen Justizvollzugsanstalt (JVA) beendet. Eigentlich war die Reihe mit sieben Freiluft-Konzerten in acht Wochen bereits abgeschlossen. „Die Wetterprognose war gut und so engagierten wir das Robby Jost-Duo“, erklärte Julia Haberer-Settele vor Konzertbeginn unserer Zeitung die Idee des Zusatzkonzerts. Die Leiterin des Stadtmarketing St. Ingbert bedauerte, dass die Zeit für Werbung nicht ausreichend war. Vermutlich ein Grund, weshalb nur 20 Leute erschienen waren.

Moderator Wolfgang Blatt sprach vom „Abend der Balladen“. „Ein Klavier - zwei Stimmen“, hieß indirekt das Motto des Programms. Robby Jost verwandelt sich gesanglich auch nach über 50 Jahren auf der Bühne immer wieder in einen anderen Künstler. Der Pianist Dietmar Leineweber an seiner Seite steht vermeintlich im Hintergrund. Doch das täuscht: Ab und an hat der Zweibrücker für Titel von Pur („Wenn sie diesen Tango hört“) oder Udo Jürgens („Was wichtig ist“) die Bühne für sich alleine und zeigt dem Spiesen-Elversberger Jost und dem Publikum, dass er auch seine Stimmbänder vibrieren lassen kann. „Normalerweise lasse ich ihn zum Schluss singen. Er stiehlt mir sonst die Show“, nahm der Frontmann ihn aufs Korn.

Mit Lionel Richies „Hello“ erhaschten sie gleich zu Beginn Aufmerksamkeit. Schnell wurde klar: Eine Stärke der beiden Herren sind harte Rock-Nummern, die auf Balladen umarrangiert wurden. Wenn der Jost Titel anmoderiert, da merkt man schnell, dass er die Musik mehr als liebt. Dann gerät er ins Schwärmen, und diese Stimmung schwappt schnell von der Bühne rüber. „Für mich das schönste Liebeslied, dass man schreiben kann. Wir haben es seit einem Jahr im Programm“, frohlockte der Sänger etwa bei „Ein Teil von meinem Herzen“ (Jonathan Zelter). Nicht ohne sich selbst mit dem Spruch „Wir sind der Gefangenenchor“ auf die Schippe zu nehmen. Auch „Dir gehört mein Herz“ (Gregor Meyle) kam mehr als sehr von Herzen. Manchmal bastelt er von populären Titeln eine eigene Version, wie etwa bei „Feels of Gold“ (Sting). Beim Blick in die Reihen waren Konzertbesucher auszumachen, die wie bei „Just the Way you are“ (Billy Joël) die Lippen bewegten und dann ganz leise „Bravo!“ flüsterten; vielleicht, weil sie sich nicht so richtig trauten. Oft geht Jost wie bei „Three times a Lady“ (Lionel Richie) so richtig aus sich raus. Auch bei „Angel“ (Jon Secada) war seine Sangesleidenschaft sehr gut spürbar. Ein anderes Mal ist seine Stimme, wie bei „Can you feel the Love tonight“ (Elton John), völlig samtweich. Bei „Wir haben geliebt, wir haben gelacht“ (Johannes Oerding) passt die Klavierbegleitung von Dietmar Leineweber wieder wie die Faust aufs Auge dazu, was auch am Applaus spürbar war. Der Gänsehautfaktor war dem Sänger spätestens bei dessen Freund Pete Wyoming Bender’s (†) „Ich habe diese Frau geliebt“ sicher. Es war nicht der einzige Song, bei dem das Publikum - unabgesprochen- singend einsetzte.

Lacher erzielte Robby Jost vor allem für sein „Show“-Programm, als er Herbert Grönemeyer und Robin Gibb („The Bee Gees“) imitierte. Stehende Ovationen wiesen darauf hin, dass es zu etlichen Zugaben kommen sollte. „Balladen sind meine Lieblingsmusik. Es war toll. Der Weg hat sich gelohnt“, meinte ein Besucher nach dem Konzert. Der Kulturliebhaber hatte die Ankündigung erst morgens in der Zeitung gelesen und spontan beschlossen, abends aus Hemmersdorf anzureisen. Er sah das Duo zum ersten Mal und will unbedingt zu den nächsten Konzertterminen kommen.