1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

St. Ingberterin in Ungarn: Ritterkämpfe, Puppenspieler und Falkenshow

St. Ingberterin in Ungarn : Ritterkämpfe, Puppenspieler und Falkenshow

Auf die Burg des „ungarischen Herkules“ kehrten die Ritter zurück. Sie nahmen die Besucher mit auf eine Reise ins Mittelalter.

In die „Kinizsi vár“, auf Deutsch so viel wie „Kinizsi-Burg“ oder „Burg von Kinizsi“, in Nagyvázsony, Ungarn, lockte vom 12. bis zum 16. Juli ein buntes und äußerst vielfältiges Programm, zahlreiche Besucher in das kleine ungarische Dorf. Ihr Ziel war eine Reise ins abenteuerliche Mittelalter. Auch die St. Ingberterin Sophie Endres nahm als Freiwillige der lokalen Jugendorganisation „Fekete Sereg Ifjúsági Egyesület“ an diesem Programm teil.

Das 1800 Einwohnerdorf Nagyvázsony liegt im Nordwesten Ungarns in direkter Nähe zum allseits bekannten Balaton oder auch Plattensee. Besonders berühmt ist das Dorf aber für seine Burg, die König Mátyás, auch Matthias Corvinus genannt, einem außerordentlich starken und eindrucksvollen Kämpfer seines Heeres namens Pál Kinizsi als Dank für dessen militärische Dienste im Jahr 1472 schenkte. Einer Sage nach habe der Müllerssohn Kinizsi dem König bei deren erster Begegnung einen Becher Wasser mit nur einer Hand auf einem Mühlstein dargereicht, da er kein Tablett hatte, sodass dieser ihn, beeindruckt von seiner Kraft und Stattlichkeit, zum Heerführer machte. Der „ungarische Herkules“, wie er auch genannt wird, soll mit zwei Schwertern gekämpft haben. Die Einwohner Nagyvázsonys sind so stolz auf ihren Kinizsi Pál, zu Deutsch „Paul Kinizsi“, die Burg und ihre Geschichte, dass fast alle Institutionen im Dorf von der Grundschule, über die Bank bis hin zum Lebensmittelladen seinen Namen tragen. Vom gut erhaltenen Aussichtssturm der Burg haben die Touristen einen weitläufigen Blick über das Dorf und dessen Umgebung. Dieser Ausblick zieht im Sommer immer wieder viele Besucher in das kleine Dorf. Zahlreiche Veranstaltungen wie beispielsweise die Ritterspiele versetzen die Besucher jedes Jahr zurück in eine längst vergangene Zeit. Fast das gesamte Dorf tummelt sich dann in und rund um die Burg, als Ritter, Burgfrauen und vieles mehr. Die meisten tragen traditionelle Kleider wie Rüstungen, ungarische Trachten und selbst die Pferde werden traditionel geschmückt.

Diese Akteure brachten kurzzeitig das Mittelalter nach Nagyvázsony. Foto: Sophie Endres

Mit der Jugendorganisation „Fekete Sereg“, deren Name „Schwarzes Heer“ eine weitere Anlehnung an das Söldnerheer von König Mátyás ist, nahmen auch die Freiwillige der Organisation, wie Sophie Endres, mit verschiedenen Workshops am Programm in der Burg teil. Die Kinder durften sich im Ukulele spielen üben, die Burg auf große Leintücher malen oder verschiedenen, selbstgeschriebenen Rap-Liedern lauschen. Auch sie durften traditionelle Kleider tragen, wodurch sie sich als Teil dieser großen Gemeinschaft fühlten konnten. Auf dem Programm standen ebenso Ritterkämpfe, in die auch die Kleinsten vorsichtig hineinschnuppern durften, eine Falkenshow, ein Puppenspieler und viele Spiele für Jung und Alt. Wer wollte, konnte dem Schmied bei der Arbeit zusehen und sogar selbst aktiv werden. Beim Kinderschminken wurden dann Träume wahr und viele verwandelten sich in starke Ritter, wunderschöne Prinzessinnen, freche Katzen, Clowns und vieles mehr. Wer sich für das Mittelalter an sich interessiert und gerne in fremde Sprachen und Kulturen eintaucht, dem ist Nagyvázsony mitsamt der Burg und seiner wundervollen Umgebung am Balaton sehr zu empfehlen. Im Dorf selbst gibt es unter anderem noch ein Postmuseum, eine alte Burgdruckerei und das Haus eines Schmieds, das heute auch als Museum fungiert und das einem das Leben der Ungarn vor etwa 100 Jahren näher bringt. Vor allem aber sollten Besucher dem Balaton mitsamt der vulkanischen Halbinsel Tihány, der Königinnenstadt Veszprém, dem momentanen Austragungsort der Schwimm-WM und einigen anderen Orten in der Umgebung, einen Besuch abstatten.