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Rettungstat für einen genetischen Zwilling

Rettungstat für einen genetischen Zwilling

Oberwürzbach. Einen Baum pflanzen, ein Kind zeugen und ein Haus bauen - diese drei Dinge sollte ein Mann im Laufe seines Lebens erledigen, heißt es. Dafür hat Tobias Abel noch Zeit. Mit seinen 24 Jahren hat er aber etwas ganz anderes geschafft: nämlich einem anderen Menschen vielleicht das Leben gerettet. So ganz genau weiß er das noch nicht

Oberwürzbach. Einen Baum pflanzen, ein Kind zeugen und ein Haus bauen - diese drei Dinge sollte ein Mann im Laufe seines Lebens erledigen, heißt es. Dafür hat Tobias Abel noch Zeit. Mit seinen 24 Jahren hat er aber etwas ganz anderes geschafft: nämlich einem anderen Menschen vielleicht das Leben gerettet. So ganz genau weiß er das noch nicht.

Rückblick: Das Jahr 2009 steht für Tobias Abel im Zeichen der Bundeswehr, er ist in Merzig stationiert. Im Rahmen einer Aktion mit dem Deutschen Roten Kreuz stellt sich auch die Stefan-Morsch-Stiftung bei den jungen Soldaten vor. Die Stiftung erfasst seit den 80er Jahren potenzielle Stammzellen-Spender. Auf so eine Spende sind Menschen, die an Leukämie erkrankt sind oder einen Tumor haben, möglicherweise angewiesen. Seit vier Jahren steht auch Tobias Abel mit allen wichtigen Daten auf der Liste. Im August 2012 klingelt bei Abels das Telefon. Am anderen Ende der Leitung: die Stefan-Morsch-Stiftung. Möglicherweise sei ein passender Empfänger gefunden. Zeitnah macht sich der Oberwürzbacher auf den Weg zum Arzt, der nochmals die Werte abgleicht und grünes Licht gibt. Angst, sagt Abel, habe er vor dem, was dann kam, nicht gehabt. "Eher Aufregung." Auch der folgende Check im Stiftungszentrum Birkenfeld verläuft problemlos.

Zeit ist Leben

Alles ist angerichtet. Dann gibt es doch ein Problem: Der Gesundheitszustand des Empfängers, von dem Tobias Abel bis heute nichts weiß, hat sich verschlechtert. Fünf angesetzte Termine müssen kurzfristig abgesagt werden, denn das Spendermaterial muss binnen 72 Stunden dem Empfänger zugeführt werden - egal, ob der Erkrankte in einem Krankenhaus in New York oder in Homburg liegt.

Durch mehrere Spritzen, die sich Abel selbst setzt, läuft seine Stammzellen-Produktion auf Hochtouren, gleichzeitig gehen sie in sein Blut über. Die auftretenden Kopf- und Gliederschmerzen werten die Ärzte als gutes Zeichen. "Das bedeutet, dass die Mittel gewirkt haben." Lange muss sich Abel aber nicht quälen. Diese Symptome, die man kennt, wenn sich Grippeviren im Körper austoben, klingen schnell wieder ab. Am 30. Januar, einem Mittwoch, schlägt dann doch die große Stunde. Abel macht sich wieder auf den Weg nach Birkenfeld, bekommt dort ein Zimmer und "beste Rundumverpflegung", aber auch jeweils eine Kanüle in jeden Arm, die drei Stunden lang die lebenswichtigen Stammzellen fördern. "Danach", erinnert sich Abel, "war ich erstmal total fertig." Das Mittagessen päppelt ihn wieder auf.

Inzwischen ist bei Tobias Abel der Alltag eingekehrt. Im zweiten Lehrjahr macht er derzeit eine Ausbildung zum Kaufmann im Gesundheitswesen, nächstes Jahr wird er sie abschließen. Das nächste Etappenziel lautet: Kontakt zum Empfänger, seinem genetischen Zwilling aufnehmen, der überall auf der Welt leben kann. Doch diesbezüglich gibt es ein paar Hürden. Abel: "Erst muss derjenige geheilt sein, anschließend muss ich zwei Jahre warten und erst danach ist eine Kontaktaufnahme unter Umständen möglich. Es müssen beide Seiten einverstanden sein." Einige Länder, darunter Frankreich, verbieten den Kontakt strikt.

Tobias Abel würde das Ganze noch einmal mitmachen, wenn er zur Hilfe gerufen wird. Zwei Jahre ist er nun für den Unbekannten reserviert, danach wird er auf die allgemeine Liste gesetzt. Entweder als Lebensretter oder als jemand, der es zumindest schon einmal versucht hat.