Regen machte Bauern zu schaffen

Regen, Regen, Regen. So begann das Jahr 2016. Aufgrund der Erfahrungen der Vorjahre hatten sich die Bauern im Saarland auf ein trockenheißes Jahr mit ausgeprägter Frühsommertrockenheit eingestellt. Doch es kam ganz anders.

Dass es dann aber gar nicht mehr aufhörte zu regnen, das hatte niemand geahnt. Viele Felder konnten entweder nicht (rechtzeitig) bestellt oder abgeerntet werden. "Die Getreideernte 2016 war mehr als mager", klagt Richard Schreiner, Kreisvorsitzender der Landwirte im Saarpfalz-Kreis zum Erntedankfest.

Aus dem Vorjahr waren die Landwirte mit knappen Futtervorräten gestartet und so waren die Bauern mit den Niederschlägen im Frühjahr recht zufrieden. Je länger es regnete umso mehr gerieten die Feldarbeiten ins Hintertreffen. Der Dünger konnte nicht ausgebracht werden, weil die Fahrspuren auf dem Acker mit Wasser voll standen und auch der Pflanzenschutz konnte nicht termingerecht durchgeführt werden. Auch die Aussaat des Sommergetreides und des Maises konnte häufig erst verspätet oder gar nicht erfolgen, weil noch Wasser auf den Flächen stand. Trotzdem entwickelten sich die Bestände des Wintergetreides nicht schlecht. "Hätte man im Juli eine Vorschätzung der Ernte abgegeben hätten wir einem überdurchschnittlichen Ergebnis entgegengefiebert" erklärt Schreiner. Beim Gras das für die Tiere einsiliert wird gehörte 2016 jede Menge Mut und eine extrem schlagkräftige Mannschaft dazu um in den kurzen Regenpausen die üppigen Erträge von der Wiese fahren zu können. "Leider konnten im Kreis nur rund 50 Prozent der Landwirte zeitgerecht ihr Gras ernten", so Schreiner, die übrigen mussten große Abschläge in der Qualität hinnehmen. Ein anderes wichtiges Futter, der Mais schwächelt aktuell ebenfalls. Zuerst war es zur Aussaat zu nass und mittlerweile ist es staubtrocken. "Beim Mais erwarten wir in diesem Jahr auf den meisten Standorten Mindererträge", ist sich Schreiner sicher.

Beim Getreide konnte sich in diesem Jahr die alte Bauernregel "ist der Mai kühl und nass füllt?s dem Bauer Scheun? und Fass" leider nicht bewahrheiten. Im ganzen Kreis fehlen nach Angaben des Bauernverbandes etwa 20 bis 30 Prozent der Erträge im Vergleich zum Durchschnittsjahr. Es hat einfach die Sonne gefehlt. Außerdem war die Bestandsführung durch die nasse Witterung nicht optimal möglich. Zum Ertragsrückgang käme noch die Qualität, ergänzt Schreiner. Die Mühlen und der Landhandel haben 2016 viele Partien als Futtergetreide eingestuft, was zu niedrigeren Erlösen beim Getreideverkauf führt. Zusätzlich sind die Preise im Vergleich zur Vorjahresernte um etwa 20 Prozent gefallen. Beim Getreide also trotz hoher Erwartungen ein mageres Jahr. Die derzeit niedrigen Milchpreise können in den saarpfälzischen Betrieben durch den Ackerbau wie in anderen Jahren nicht ausgeglichen werden. Für den Liter Milch erhält der Landwirt im Moment noch 21 Cent, das liegt weit unter den Produktionskosten. Vielen Landwirten bleibt um die nächste Aussaat um den Fortbestand des Betriebes finanzieren zu können jetzt nur noch der Gang zur Bank, denn aufhören das geht so einfach nicht. Etwas verhalten blickt Schreiner nach vorne: "Wir hoffen natürlich, dass das nächste Jahr besser wird, auch wenn die Motivation dieses Jahr stark gelitten hat." Der einzige Hoffnungsschimmer sind in diesem Jahr die Preise beim Schweinefleisch. Nach langem haben sich die Preise dort wieder erholt. Trotz schlechtem Ergebnis feiern die Landwirte am kommenden Sonntag Erntedank. Einerseits aus Tradition, andererseits aus Dankbarkeit, dass auf den saarländischen Feldern überhaupt etwas wächst.