Rebschnitt im St. Ingberter Weinberg

Der Radebeuler OB und seine Frau sahen gestern bei den Muscat-bleu-Trieben nach dem Rechten.

Seit neun Jahren gibt es den städtischen Weinberg in St. Ingbert in der Nähe des Bahnhofs unterhalb des Restaurants "Trattoria del postillione" nun schon, dessen 99 Rebstöcke ein Geschenk des sächsischen Radebeul zum 20-jährigen Städtejubiläum waren. Und genau so lange kommen Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche und seine Frau Sabine Flierl einmal jährlich zum Rebschnitt ins Saarland. Denn Sabine Flierl ist Önologin, die als Weinbautechnikerin auf dem Staatsweingut Schloss Wackerbarth arbeitet. Wein ist ihre Passion, aber damit an den Pflanzen auch etwas wächst, müssen die Reben "erzogen", sprich fachgerecht geschnitten werden, damit sie tragen. Das tun sie nur an einjährigem auf zweijährigem Holz.

Ein Schnitt zu viel und die St. Ingberter Ernte ist dahin. Natürlich sollen die Pflanzen auch schön aussehen, aber "die Optik ist das Wenigste im Weinberg", wie die Fachfrau weiß. Eigentlich braucht die pilztolerante Rebsorte Muscat bleu wenig Pflege, muss nicht gedüngt und nicht gespritzt werden. Eine Folge der nassen Monate Mai und Juni im vergangenen Jahr sah man aber auch den St. Ingberter Pflanzen an, auf denen sich falscher Mehltau "niedergelassen" hatte. Die Pflanzenkrankheit, die durch einen Pilz hervorgerufen wird, verschwand aber von selbst wieder, wie Albrecht Breyer von der Stadtgärtnerei beim "Arbeitstreffen" am Montag mit den beiden Sachsen erzählte. Lediglich im Sommer brauchen die Stöcke neben dem "Radikalschnitt" im Frühjahr etwas Rückschnitt. "Das machen wir zweimal. Im Juni und im August schneiden wir die Triebe oben ab, gerade soviel dass die Trauben noch Sonne bekommen", so Gärtnermeister Breyer.

Die St. Ingberter machen ihre Sache ganz gut und haben die Weinstöcke gut gepflegt, lobte Wein-Expertin Sabine Flierl beim Rückschnitt, der in St. Ingbert als Flachbogenerziehung durchgeführt wird. Das Arbeiten im Weinberg an der Kreuzung Saarbrücker Straße/Neue Bahnhofstraße bietet aber auch immer Gelegenheit zum Austausch zwischen den Vertretern beider Städte. Drei Tage besuchten Bert Wendsche und Sabine Flierl St. Ingbert. Die Partnerschaft liegt ihnen am Herzen. So sehr, dass sie für den weiten Arbeitsweg zum saarländischen Weinberg sogar Urlaub nahmen.