Rathäuser sind fest in Narrenhand

Hassel/Rohrbach/Rentrisch. Es ging Schlag auf Schlag. Keine Chance, sich zu verbarrikadieren oder die Schlüssel in Sicherheit zu bringen. Nach und nach fiel gestern Ortsverwaltungsstelle um Ortsverwaltungsstelle. Hassels, Rohrbachs und Rentrischs Oberhäupter mussten sich der weiblichen Narrenschar geschlagen geben und ihre Regierungsgeschäfte bis Aschermittwoch in deren Hände geben

Hassel/Rohrbach/Rentrisch. Es ging Schlag auf Schlag. Keine Chance, sich zu verbarrikadieren oder die Schlüssel in Sicherheit zu bringen. Nach und nach fiel gestern Ortsverwaltungsstelle um Ortsverwaltungsstelle. Hassels, Rohrbachs und Rentrischs Oberhäupter mussten sich der weiblichen Narrenschar geschlagen geben und ihre Regierungsgeschäfte bis Aschermittwoch in deren Hände geben. Da halfen auch keine fadenscheinigen Ausreden, wieso man die Faasebooze auf keinen Fall in die Rathäuser einziehen lassen könne. In Hassel versuchte Ortsvorsteher Markus Derschang noch um 10.11 Uhr sich damit herauszureden, dass das Parkett im Sitzungssaal gerade erst wieder hergerichtet worden sei. Darum müsse der Sturm dieses Jahr ausfallen, damit die Absatzschuhe nicht den neuen Boden ruinierten: "Drum gebbt's jetzt a die Anweisung an Fraa odder Babbe: In de Sitzungssaal kommt ma nur noch met Schlabbe!" Den "Ata-Girls" und "Alten Weibern" war das bloß vollkommen schnuppe. Ata-Chefin Sabine Pink hatte die verzweifelten Versuche Derschangs, seine Haut zu retten, längst durchschaut. Handschellen legte sie ihm an und mit vereinten Kräften entrissen die Ata-Girls Derschang den Schlüssel. Um 11.11 Uhr rückten in Rohrbach dann die Geierfrauen Ortsvorsteher Hans Wagner auf den Pelz. Der versuchte als Robin Hood verkleidet und mit einem "Flitzebogen" aus einem Drahtkleiderbügel seine Feste zu verteidigen. Doch die kampferprobte Ober-Geierfrau Roswitha Schlarb machte den "Ortsverdreher" Hans Wagner schnell mundtot. Nicht nur, dass die Frau mit den "fünf schwarzen Gürteln - die das Kostüm zusammenhalten", zur Hebung der Truppenmoral den Musikverein Rohrbach den Rathaussturm begleiten ließ, auch die Schützen leisteten entsprechende Hilfe: mit drei Salven und sechs Kanonenschläge - zugegeben mit ein bisschen Ladehemmung - schossen die Waffenträger den Faasebooze den Weg frei und Wagner wurde an Hals und Händen gefesselt abgeführt. Nach ein paar Stunden Verschnaufpause rüsteten die Narren schon zum nächsten Scharmützel: um 15.11 Uhr fiel auch Dieter Schörkls Bastion in Rentrisch. Und dennoch hielt Schörkl sein Nest sauber: der Rathaussturm fand nämlich nicht, wie sich das gehört hätte, in der neuen Ortsverwaltungsstelle in der Stiefelschule statt, sondern wie gehabt am Kulturhaus. "In de Schul es jo sowieso tote Hose", bemerkte Holzhauer-Chefin Elisabeth Adam. Aber Schörkl argumentierte: "Mir hann jo noch es Schild dran. Das es noch e öffentliches Gebäude." Dieses Mal tuteten Oberhexe Gisela und Schörkl übrigens ins selbe Horn: die Wahlen wurden thematisiert. Und während Gisela Schumacher kurz überlegte, selbst als Ortsvorsteherin zu kandidieren, weil sie die Sache mit Waschbrunnen, Kreisel und Ingobus besser hinbrächte, blickte Schörkl auf die vergangenen Jahre zurück. "Ma wähs jo net, was noh de Wahle werd."

 Holzhauer-Hexen überwältigten Dieter Schörkl in Rentrisch.
Holzhauer-Hexen überwältigten Dieter Schörkl in Rentrisch.
 Schnell entmachtet war Ortsvorsteher Markus Derschang in Hassel. Sabine Pink und die Ata-Girls entrissen ihm den Schlüssel.
Schnell entmachtet war Ortsvorsteher Markus Derschang in Hassel. Sabine Pink und die Ata-Girls entrissen ihm den Schlüssel.

Auf einen BlickAm morgigen Fastnachtssamstag, um 11.11 Uhr entbrennt der bittere Kampf um das St. Ingberter Rathaus. Oberbürgermeister Georg Jung wird sich mit seinen Rathausvasallen der Übermacht der Narren entgegen stellen. Ob es den Narren gelingt, an die Macht zu gelangen, ist völlig offen. Nach dem Sturm wird in jedem Fall gefeiert und zwar im Kuppelsaal des Rathauses und anschließend in der Stadthalle. Die Erstürmung des "Rathauses" in Oberwürzbach findet zeitgleich vor der Ortsverwaltungsstelle des Stadtteils statt. red