Rat sucht Weg aus Bus-Chaos

Das Bus-Chaos in St. Ingbert hat noch kein Ende genommen. Schnelle Lösungen sollte eine Sondersitzung der Stadt bringen. Anwesende lieferten Vorschläge, Saar-Mobil und Kreis standen Rede und Antwort.

Wartende Grundschulkinder bei Minusgraden, kein Bus kommt. Das war in St. Ingbert kein Einzelfall seit dem Busbetreiberwechsel zum Jahresbeginn. Drei Wochen sind die Busse und Fahrer der neuen Firma Saar-Mobil nun auf den Straßen, fahren zum Teil neue Routen und zu geänderten Zeiten. Aber selbst jetzt wollen die Startschwierigkeiten nicht enden. Zu Beginn der Woche hatte es seitens Stadt, Saarpfalz-Kreis und Saar-Mobil den Anschein gemacht, alle Probleme seien gelöst. Jedoch brachte eine öffentliche Sondersitzung zur Schulbussituation nach Anträgen der UCD- und CDU-Fraktionen im Stadtrat im St. Ingberter Rathaus am Donnerstag neues Verkehrs-Chaos zum Vorschein. Doch das Treffen verschaffte auch konstruktive Lösungsansätze.

Ohne Zweifel, der Busbetrieb sei in den letzten Wochen "nicht ganz rund gelaufen", gestand Achim Jesel ein. "Wir haben noch nicht den Überblick in Gänze." In einem Fall sei dem Kreis jedenfalls "ganz klar ein Fehler" unterlaufen: Nach Ausschreibung habe man versäumt, eine Fahrplanänderung an den Betreiber weiterzureichen. Dieser warb um Verständnis: "Wir sind von Null auf das zweitgrößte saarländische Verkehrsunternehmen nach der Saarbahn gewachsen", sagte der Geschäftsführer von Saar-Mobil, Arne Bach.

568, 506 und R6 sind nur drei der Linien, auf denen es zu Zwischenfällen kam. Und auch erst wenige Stunden vor der Sitzung habe ein Busfahrer an der St. Ingberter Südschule nicht auf die Kinder der ersten und zweiten Klasse gewartet, berichtete der Vater einer betroffenen Siebenjährigen. Woran dies konkret lag, vermochte Bach nicht zu beantworten. Abfahrt sei eben um 12.35 Uhr. Und auch nach einer gewissen Wartezeit müsse der Bus nun mal los, das sei dem Fahrer nicht anzulasten.

Vorschläge zur Problemlösung unterbreiteten Stadtratsmitglieder sowie betroffene Eltern in diesem, wie auch in vergangenen Zwischenfällen. Navigationssysteme für Busse könnten es beispielsweise richten. Mehrere Anwesende beschäftigte hingegen besonders die Kommunikation zwischen Busfahrer und den Schulbusbegleitern. Die wüssten nämlich, ob alle Kinder eingestiegen seien oder noch jemand fehle. Bach nahm diesen Vorschlag an mit der Anmerkung, dass seine Subunternehmer jedoch keine Absprachen ohne ihn treffen dürften. Saar-Mobil müsse dies also in einer Dienstanweisung vermerken, wenn ein Busfahrer auf Bitte eines Begleiters erst dann abfahre, wenn alle da seien.

Zum Ärger der Betroffenen öffne das Stadtbusbüro zudem erst um 9 Uhr - viel zu spät, wenn um 7 Uhr am Morgen ein Bus ausfällt. Deshalb schlugen die Eltern vor, etwa bis Ende Januar das Telefon ab 7 Uhr zu besetzen, eine Rufumleitung zu installieren oder morgens Bedienstete in Problemgebiete zu schicken. Achim Jesel stellte in den Raum, ob die Stadt bereit sei, erweiterte Öffnungszeiten des Stadtbusbüros zu zahlen.

Überfüllte Busse war ein weiteres Sorgenkind, das in der Sitzung angesprochen wurde. Offenbar gab es dementsprechende Vorfälle, die Saar-Mobil nicht bekannt waren. "Es ist unmöglich festzumachen, wie viele Schüler mit dem Bus fahren", sagte Jesel. Die Anzahl ändere sich auch wetterbedingt. Bach erklärte, dass in der Ausschreibung nicht drinstehe, wie viele Kinder an einzelnen Haltestellen einsteigen. Prompt wechselte daraufhin eine Liste mit den Anzahlen der St. Ingberter Schüler den Platz, bereitgestellt von Marika Flierl, der städtischen Leiterin des Bereiches Kultur, Bildung und Familie. Jesel erklärte auch hier das Vorgehen: Die Stadt als Besteller müsse demnach dem Kreis Bescheid geben, in solchen Fällen größere Busse einzusetzen. Und sie müsse auch zahlen, "wenn es ein paar Euro mehr kostet".

"Das Problem ist erkannt und es wird was getan", sagte der zweite Beigeordnete Albrecht Hauck, der die Sondersitzung leitete, an dieser Stelle. Jesel zog die Erkenntnis, dass man sich beim Kreis künftig das Thema Fahrerschulung nachweisen lasse und die Qualitätsanforderungen besonders im Grundschulbereich aufnehmen werde.