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Programm der Kinowerkstatt St. Ingbert

Kinowerkstatt : Zwei Frauen emanzipieren sich

Die Kinowerkstatt St. Ingbert erinnert an diesem Wochenende an Bruno Ganz und zeigt weiterhin „Colette“.

Hamlet, Hitler oder Heidis Großvater: Bruno Ganz war ein großer Schauspieler. Kinowerkstatt-Zuschauer konnten ihn vor wenigen Wochen als Sigmund Freud in der „Trafikant“ sehen. Weltweit wird er verehrt, ob als Engel Damiel in „Der Himmel über Berlin“ oder als trauriger Kellner Fernando in „Brot und Tulpen“. „Brot und Tulpen“ (Pane e tulipani, Italien 2000) von Silvio Soldini mit Licia Maglietta und Bruno Ganz, eine wundervoll romantische Komödie, „einer der unspektakulärsten Filme der Kinogeschichte“ (Cineclub, Schweiz), läuft an diesem Wochenende, am Sonntag, 24. Februar, um 20 Uhr und am Montag, 25. Februar, um 18 Uhr in der Kinowerkstatt St. Ingbert.

Mit der Rolle des tiefsinnigen Fernando, dem jede noch so alltägliche Äußerung eine umständliche, literarische Formulierung wert ist, feierte Bruno Ganz einen seiner größten Kinoerfolge. Er gewann dafür den italienischen David, den Schweizer Filmpreis sowie den Deutschen Filmpreis in Gold. „Leben und leben lassen“ lautet die Devise dieser hintersinnigen Komödie. Die Geschichte: Die Hausfrau Rosalba unternimmt mit Mann und Söhnen eine Busreise zu den Sehenswürdigkeiten der Antike. Als sie zu lange auf der Toilette einer Raststätte bleibt, fährt der Bus ohne sie ab. Niemand, schon gar nicht ihr mürrischer Ehemann Mimmo, bemerkt zunächst ihr Fehlen. Das hindert ihn jedoch nicht daran, sie anschließend per Handy ausdauernd zu beschimpfen. Bei dem Versuch, dem Bus per Anhalter zu folgen, landet Rosalba aus Versehen statt in ihrer Heimatstadt Pescara in Venedig. Dort findet sie bei Fernando, einem melancholischen Kellner, Unterschlupf.

Sie beschließt, eine kurze Auszeit von ihrer Familie zu nehmen. Ihr Ehemann, der mehr seine gebügelten Hemden vermisst als seine Frau, engagiert einen Amateurdetektiv, um die für die Hausarbeit dringend benötigte Gattin zurückzuholen. Rosalba erobert inzwischen Schritt für Schritt die Lagunenstadt, nimmt einen Job im Laden eines anarchistischen Blumenhändlers an und findet neue Freunde.

Mit der aufblühenden Mittvierzigerin schöpft auch ihr schwermütiger Gastgeber Fernando (Bruno Ganz) neuen Lebensmut und beginnt Rosalba schüchtern zu umwerben. Kein Wunder, dass sie vor dem Detektiv, der mit Flugblättern nach ihr fahndet, die Flucht ergreift. Es beginnt ein Versteckspiel, bei dem Rosalba sich über ihre Gefühle klar werden muss, und der Detektiv Rosalbas netter Nachbarin Grazia über den Weg läuft. Ungewöhnlich ist auch der leicht surreale Blick auf Venedig, der die allseits bekannten Touristenattraktionen meidet und stattdessen mit der Heldin Rosalba die kleinen Gässchen und Plätze der Stadt entdeckt.

Das „Lexikon des Internationalen Films“ schreibt: „... melancholisch-beschwingte Komödie, die normale Menschen in den Mittelpunkt stellt und sie liebevoll zeichnet. Präzise beobachtete Details, witzige Dialoge, eine klare Bildersprache und die ausgezeichneten Darsteller machen den Film zu einem amüsanten Exkurs über die Zufälle des Lebens und der Liebe.“

„Colette“ oder „Die Frau des Nobelpreisträgers“, derzeit im Kino, sind Porträts von Künstlerinnen, die besser als ihre Männer sind, aber dennoch in deren Schatten leben – zumindest bis zur Revolte. Die Kinowerkstatt zeigt weiter den Film „Colette“ (Großbritannien, USA 2018) am Freitag, 22. Februar, 20 Uhr; Samstag, 23. Februar, 20 Uhr; Sonntag, 24. Februar, 18 Uhr; Montag. 25. Februar, 20 Uhr. Der Ehemann und Verleger, Pseudonym „Willy“, hat ein Problem: „Wir müssen mehr produzieren.“ – und auch eine Idee: „Du, du könntest schreiben?! „Meine Schulgeschichten? Das wäre dann Willys nächster Roman.“

Und so schreibt seine Gattin Sidonie-Gabrielle Colette – gespielt von Keira Knightley – von 1896 an die „Claudine“-Bestseller, ohne dass ihr Name als Autorin auftaucht. Doch mit dem immer größer werdenden Erfolg wird die aus dem ländlichen Frankreich stammende junge Frau im turbulenten Paris der Wende zum 20. Jahrhundert Teil der intellektuellen Elite. Und sie emanzipiert sich immer mehr von ihrem Ehemann. Der Film „Colette“ erzählt von einer Bestseller-Autorin, die – wie eine Freundin sagt – etwas ganz Besonderes erschaffen hat: „Sie haben etwas Bedeutsames getan, denn Sie haben einen neuen Typus erfunden, denn Sie haben all den jungen Mädchen zwischen Kind und Frau-Sein eine Stimme gegeben. Sie sollten sich dazu bekennen.“