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Preisverleihung für Bundesfestival Junger Film in St. Ingbert

Registrierungspflichtiger Inhalt: Festival endet im Konfetti-Regen : Resonanz auf „filmreif“ freut Organisatoren

Zum dritten Mal fand in den vergangenen Tagen das „Bundesfestival Junger Film“ in St. Ingbert statt – wegen Corona vorwiegend im Internet und Fernsehen. Ein anderes Format, das auch seinen Reiz hatte. Am Sonntag ging die Veranstaltung mit der Preisverleihung zu Ende. Das Fazit des Orga-Teams ist positiv.

Eine Preisverleihung ist wohl der Höhepunkt und als Preisträger der krönende Abschluss eines Projekts. Gerade bei Filmschaffenden, und dann noch bei jungen, ist es mitunter die erste Möglichkeit, ihren Namen unters Kinovolk zu tragen. Fast schon tragisch scheint es dann, wenn die Verkündung der Namen nicht im Beisein der Gewinner stattfindet, sondern man das Internet nutzen muss. So geschehen auch beim Bundesfestival Junger Film. Doch die jungen Filmer sind mit dem Online-Medium vertraut und so gestaltete sich der Abschlusstag des Festivals am vergangenen Sonntag, der aus dem Studio in Halle 8 des Innovationsparks am Beckerturm gesendet wurde, spannend und familiär.

Denn die Regisseure, Schauspieler, Kostümbildner, Schneider oder Kameramänner und -frauen waren für alle im Raum Anwesenden gut sichtbar auf einer Leinwand zugeschaltet, die Emotionen sehr wohl authentisch ins „Festivalwohnzimmer“ auf den Brauerei-Berg übertrug. Klar hätten die rund 250 Filmschaffenden, die im vergangenen Jahr aus gleichem Anlass in St. Ingbert weilten, im Stadtbild gefehlt, sagte der organisatorische Leiter des Festivals nach der Verkündung der Preise, die mit insgesamt 20 000 Euro dotiert waren. „Die jungen Leute wollen hierher. So eine Möglichkeit, Streifen von jungen Machern zu zeigen, gibt es sonst kaum in Deutschland“, so Fabian Roschy, „außerdem ist es eine tolle Werbung für unser St. Ingbert, mit dessen Namen unsere Veranstaltung untrennbar verbunden ist.“

Froh ist er vor allem darüber, dass das Event nicht den Corona-Auflagen zum Opfer gefallen ist und man sich im Orga-Team für die Internet-Variante entschieden hat. Es war viel Arbeit, denn es gab „reale“ Veranstaltungen in der ehemaligen JVA, Online-Angebote und Formate fürs Fernsehen. Das alles musste auf den Weg gebracht werden, aber vor allem sei die Medienpartnerschaft mit dem Saarländischen Rundfunk ein Gewinn gewesen.

Die direkt ins weltweite Netz übertragene Preisverleihung am Sonntag ging mit Moderatorin Isabel Sonnabend, den rund 30 Sponsoren, Laudatoren und offiziell Geladenen ohne Schnitzer über die Live-Bühne. Dafür sorgten auch die rund 20 Techniker des Teams, die die eingespielten Ausschnitte aus den prämierten Filmen am Laufen hielten und die Sieger zuschalteten. Ob Itzehoe, die Wohnung oder WG in Berlin, eine Autobahnraststätte auf dem Weg von München nach Düsseldorf, in Athen mit dem nächsten Filmprojekt beschäftigt oder im Urlaub, alle jungen Filmemacher wurden für ihre ganz persönliche Danksagung da erwischt, wo sie gerade waren. Manche mussten erstmal zur Verdauung der guten Nachricht einen Schnaps trinken, andere freuten sich, indem sie Konfetti-Kanonen abfeuerten, wieder andere waren so sehr gerührt, dass sie kaum ein Wort herausbrachten.

Geehrt fühlten sie sich alle und da tat die Übertragung übers Internet der Freude keinen Abbruch. Doch bis es soweit war, gab es bei der Auswahl der preisverdächtigen Filme bei den Jurymitgliedern „Nachmittage heißer Diskussionen“, „Ringen um die endgültige Entscheidung“ und die Stifter eines Preises „schlugen sich die Nächte um die Ohren“, um alle Filme zu sehen. Die Themen, mit denen sich die Kurzfilme beschäftigten, waren vielfältig und oft gesellschaftskritisch - es ging um häusliche Gewalt, Umgang mit Antisemitismus, das Verhältnis eines jungen Teilzeit-Vaters zu seinem Sohn oder den Umgang mit Andersdenkenden. Einige Male wurde ein „schwieriges Thema“ humorvoll verpackt.

Filmische „Knaller“ waren nicht unbedingt die lauteren Filme, sondern die, die still und eindringlich daherkamen. Und was musste ein Film mitbringen, um Chancen auf einen Festivalpreis zu haben? Die Jury des Musikvideopreises (anwendbar aber auch auf die anderen Filmer auf dem Siegertreppchen) formulierte es so: „Das Wichtigste, was es braucht, ist Talent, nicht die dicke Technik.“ Wie wichtig es ist, auch in der „Corona-Krise“ an solchen Veranstaltungen festzuhalten, brachte ein Vertreter des Kultusministeriums zum Ausdruck: „Kunst ist ohne Film nicht denkbar.“ Zum erfolgreichen Abschluss des Festivals gab es fürs gesamte Orga-Team Pizza. Das Resümee von Fabian Roschy fällt sehr positiv aus. „Die Location für das Studio im Innovationspark war der Hammer.“

Und auch Jörn Michaely, der künstlerische Leiter, ist überwältigt. „Es hatten sich deutlich mehr Zuschauer zugeschaltet, als wir erwartet haben. Wir hatten tausende Abrufe. Darüber sind wir happy. Wir haben übers Internet und TV andere Leute erreicht, vor allem hatten wir ein nationaleres Publikum. So wird St. Ingbert auch in die Welt getragen. Wir sind stolz über die Resonanz, happy und baff.“ Trotz des Erfolges dieses virtuellen Formats wird es im nächsten Jahr wieder ein reales Festival in Dengmert geben, dann vom 10. bis zum 13. Juni 2021.