Pläne für Fußgängerzone in St. Ingbert stößt auf Kritik

Kostenpflichtiger Inhalt: Kritik an Plänen : Diskussion um Fußgängerzone in St. Ingbert

Ein Teilbereich der Fußgängerzone von der Alten Kirche bis zur Polizeiinspektion wird neu angelegt. Bei einer Infoveranstaltung mit der Stadtverwaltung gab es neben Informationen auch deutliche Kritik an der Baumaßnahme .

In der Fußgängerzone hat der Belag aus Pflastersteinen seine besten Zeiten hinter sich. An dem verbauten Naturmaterial platzten Ecken ab, der Verbund „löste“ sich auf und so entstanden über die Jahre Stolperfallen. Nach einer Reparatur mit diversen Materialien ließ nicht nur die uneinheitliche Optik zu wünschen übrig. Die Unterhaltung geht außerdem ins Geld und die zum Teil deutlichen Höhenunterschiede erschweren das Gehen. Deshalb soll ein Teilbereich von der Engelbertskirche bis zur Einmündung der Rickertstraße neu gemacht werden.

Martin Ruck, Leiter des Geschäftsbereichs Stadtentwicklung und Umwelt, gab zu Beginn einer öffentlichen Vorstellung der Baumaßnahme am Mittwoch im Rathaus einen kurzen Einblick in die geplanten Arbeiten und deren Ausführung. Dabei erläuterte er zu Beginn die Gründe, die eine Umgestaltung des Anfang der 1990er Jahre neu gepflasterten Bereichs notwendig machen. Bereits in den Jahren 2000 und 2004 wurden zwei Teilabschnitte der „Einkaufsmeile“ saniert, nun steht der dritte an. „Die Fußgängerzone ist großzügig gestaltet und vermittelt mit der Pflasterung eine gewisse Wertigkeit. Diese Fläche ist mit dafür entscheidend, dass die Fußgängerzone so gut angenommen wird“, sagte der Rathausmitarbeiter. Man wolle deshalb, auch wegen des bestehenden Denkmalschutzes, nicht auf das kleinformatige Pflaster verzichten.

Bei der anstehenden Baumaßnahme sollen bestehende Beleuchtung, Bäume und Bänke an Ort und Stelle verbleiben, aber die künftige Gestaltung wird gleich drei Neuerungen mit sich bringen. So wolle man nicht am Porphyr festhalten, denn es habe sich im Laufe der Zeit gezeigt, dass dieses aktuell verlegte Naturmaterial nicht den Anforderungen gewachsen ist, den beispielsweise der Lieferverkehr mit sich bringe. Man habe sich nun für Granit entschieden, „von dem wir glauben, dass er den Belastungen eher gerecht wird“.

Elisabeth Geib von der Stadtverwaltung zeigt einen der Pflastersteine,die in Zukunft die St. Ingberter Fußgängerzone aufwerten sollen. Foto: Cornelia Jung

Eine weitere Änderung soll es beim Verlegen des Kleinpflasters selbst geben. Bei der geplanten gebundenen Bauweise, von der man sich eine höhere Widerstandsfähigkeit erhoffe, solle ein auf einer Asphaltschicht aufgebrachtes Mörtelbett als Untergrund für die Pflasterung dienen. Zu angeregten Diskussionen führte später allerdings die dritte Neuerung, die vor allem gehandicapten Besuchern der Fußgängerzone die Fortbewegung erleichtern soll. Eingebettet in das „normale“ Pflaster wird es einen leicht „berollbaren Mittelkorridor“ mit eigens bearbeiteten Steinen geben, der nicht nur eben und damit barrierefrei ausgeführt wird, sondern auch eine „Führungs- und Orientierungslinie“ für Sehbehinderte enthält. Hier müsse man sich aber noch mit dem Denkmalschutz abstimmen. Zudem werde die Schranke auf Höhe der Polizeiinspektion durch versenkbare Poller ersetzt.

Zur Zeitschiene: Derzeit laufe die Ausführungsplanung, im Winter erfolge dann die Ausschreibung. Mit den eigentlichen Bauarbeiten – für die ein Budget von 650 000 Euro zur Verfügung steht – wolle man mit Rücksicht auf die Gastronomie bis zum Herbst 2020 warten, wenn deren „Freiluftsaison“ abgeschlossen sei, wie Oberbürgermeister Ulli Meyer (CDU) sagte. Rund ein halbes Jahr soll es dann noch dauern, bis der Bereich fertig ist. Da man aber einen haltbaren Belag wolle, der auch für alle gleichermaßen komfortabel nutzbar ist, wolle man im Vorfeld auch den Seniorenbeirat und den Behindertenbeauftragten hören, so der Oberbürgermeister.

Die Diskussion wurde dann recht lebhaft geführt. Einige Zuhörer befürchteten, dass der barrierefreie Streifen als „innerstädtische Radfahr-Autobahn“ genutzt werde. Rollstuhlfahrer rechnen außerdem damit, dass der ebene Bereich auch von vielen anderen Fußgängern deutlich mehr frequentiert wird, weil das Laufen dort auch für viele andere bequemer sei. Boris Nicolai, der auf den Rollstuhl angewiesen ist, wunderte sich, warum die ebenfalls neu ausgeführte „Randzone“ der Pflasterung nicht ebenfalls barrierefrei geplant ist. Hier verwies Ruck darauf, dass dies in einem späteren Bauabschnitt berücksichtigt werden könne.

Die sich auch über Saarbrücken hinaus engagierende Behindertenbeauftragte Dunja Fuhrmann warnte davor, in St. Ingbert die gleichen Fehler zu machen wie in der Kaltenbachstraße der Landeshauptstadt, wo die barrierefreie Lösung gescheitert sei: „Die in St. Ingbert geplante Maßnahme kommt eher einer Barrierearmut gleich, barrierefrei ist sie nicht.“ In Zeiten des demografischen Wandels und der immer älter werdenden Bevölkerung würden sich laut ihrer Prognose deshalb nicht nur „Rollifahrer“ im barrierearmen Mittelbereich der Fußgängerzone bewegen sondern auch zunehmend Senioren. Das führe zu Konflikten.

Weil viele Interessen und Ansprüche unter einen Hut gebracht werden müssten, werde „alles, was wir bauen, nur ein Kompromiss bleiben“, so Ulli Meyer. Um möglichst vielen gerecht zu werden und am Ende keine „0815-Ausführung“ zu bekommen, bedarf es aus seiner Sicht noch einiger Überlegungen und Abstimmungen. Ortsvorsteherin Irene Kaiser (CDU) stimmte ihm mit dem Hinweis zu, dass am Ende vor allem eine „belastbare Zukunftslösung“ stehen solle. Bürgermeister Markus Schmitt (Die Grünen), der die Veransatltung leitete, versicherte, dass die Anregungen in der Verwaltung diskutiert und im Rahmen der Möglichkeiten umgesetzt werden.

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