Pferde rücken Holz auf die Wege

St Ingbert · Zwei Pferde namens Vulcan und Slech setzten mit 1,78 PS pro Tier im Sengscheider Wald 250 Festmeter Holz in Bewegung, das zuvor gefällt wurde. Die Tiere sind laut dem Revierförster pflegend, ökologisch, nachhaltig sowie bei gleicher Leistung zudem flexibler als Maschinen einsetzbar.

 Im Sengscheider Wald musste Holz geschlagen werden. Da es sich um einen schützenswerten Auenwald handelt, der durch seine naturgegebene Nässe nicht mit Maschinen befahren werden kann, bekamen Pferde vom Förster den Auftrag, das Holz für den Abtransport auf die Wege zu rücken. Foto: Cornelia Jung

Im Sengscheider Wald musste Holz geschlagen werden. Da es sich um einen schützenswerten Auenwald handelt, der durch seine naturgegebene Nässe nicht mit Maschinen befahren werden kann, bekamen Pferde vom Förster den Auftrag, das Holz für den Abtransport auf die Wege zu rücken. Foto: Cornelia Jung

Foto: Cornelia Jung

Nicht immer eignen sich Maschinen, um nach Baumfällarbeiten das Holz aus dem Wald zu holen. So wie in Michael Webers Revier St. Ingbert-Süd/ Sengscheid. "Der Bestand hier ist ein bachbegleitender Erlen-Eschen-Auenwald, wo es naturgemäß sehr feucht ist", sagt der Förster, "außerdem ist das ein schützenswertes Flora-Fauna-Habitat-Gebiet, für das ein Verschlechterungsverbot besteht." Das bedeutet, dass es keine gute Idee wäre, mit Fahrzeugen im Wald herumzufahren, die eventuell Öl verlieren, den Boden verdichten und damit den natürlichen Abfluss des Wassers behindern könnten.

Um das geschlagene Holz trotzdem aus dem intakten Baumbestand herauszuholen, bediente man sich in diesem feuchten Bereich vor Kurzem zweier Pferde . Vulcan und Slech sind zwei sieben und neun Jahre alte Wallache, die dem Brenschelbacher Ernst Winkmann gehören. Mit zwei Forstwirten und einem Pferdeführer sorgte er an mehreren Tagen dafür, dass die Wallache abwechselnd jeweils in Halbtagesschichten 250 Festmeter Holz aus dem Wald zogen. Der Pferdehalter nennt es allerdings schieben statt ziehen: Aus Sicht der Pferde schieben sie ihre Last mit ihren Geschirren, während das Holz gezogen werde. Ein Tier ersetzt 1,78 PS und wiegt bis zu 900 Kilogramm. Trotz ihres Gewichts verdichten sie den Boden nur punktuell und scheinen ihre Arbeit gern zu machen. Während hinter Vulcan ein Stamm in einzelne Stücke von jeweils maximal sechs Meter Länge gesägt wurde, stand das Tier trotz des lauten Geräuschs ruhig da, kaute an einem Fichtenzweig und reagierte direkt auf an ihn gerichtete Kommandos.

Doch bis so ein Rückepferd uneingeschränkt für das Holzrücken eingesetzt werden kann, muss es eine Ausbildung von zwei Jahren durchlaufen. Bei Winkmann, der die Rücke-Arbeit mit seinem Forstbetrieb seit fünf Jahren anbietet, ist der Französische Ardenner, so der Name der Kaltblut-Rasse, erst seit einem Jahr und damit noch mitten im Lernprozess. An dessen Anfang stand nur das Zugucken, so dass sich das Tier an die ungewohnte Lärmkulisse gewöhnen konnte. Nun packt Vulcan schon kräftig mit an.

Es gibt nicht so viele Pferderücker in der Region, weshalb Winkmann einen Fläche von 60 Kilometer im Radius von seinem Standort abdeckt. Förster Michael Weber betrachtete begeistert das Rückepferd, sein erstes in seiner Berufspraxis: "Ich führe die Tradition von meinem Vorgänger Martin Eberle fort. Mich fasziniert die Arbeit mit dem Tier. Es ist ein tolles Gefühl", sagte der Mitarbeiter des Saarforst-Landesbetriebs. Er sei dafür, auf noch mehr Flächen, wo es sinnvoll ist, mit diesen Tieren Holz zu rücken. Weber hat 70 Prozent Hänge im Revier, sodass der Pferdeeinsatz auf Flächen wie am Stiefel nicht möglich sei. Lange ist kein Holz in Sengscheid geschlagen worden, sodass sich der Baumbestand von der Krone her geschlossen hat. Damit die ausgewiesenen sogenannten Zukunftsbäume, starke und kerngesunde ihrer jeweiligen Art, sich aber noch besser entwickeln könnten, müsste eine Vorratspflege betrieben werden. "Die Kronen sind die Motoren der Bäume und die sollen mit den Fällarbeiten mehr Licht bekommen", fährt Weber fort. In der Arbeit mit den Pferden können Winkmann und Weber nur Vorteile erkennen. Die "tierischen" Arbeiter seien pflegend, ökologisch, nachhaltig sowie bei gleicher Leistung flexibler als Maschinen einsetzbar und haben wohl bei Waldbesuchern einen Stein im Brett, denn die Resonanz der Bevölkerung sei enorm.