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Pfarrer Karl-Josef Lindemann wird in St. Ingbert 80 Jahre alt

Geburtstag am 16. Oktober : Pfarrer ist mit 80 Jahren „wunschlos glücklich“

Vor zehn Jahren verabschiedete sich Pfarrer Karl-Josef Lindemann offiziell in den Ruhestand, ist aber noch Ansprechpartner für Trauungen, Beerdigungen und einiges mehr. Heute wird er 80 Jahre alt.

Sein Beruf ist Berufung und immer sind da die Menschen, die auch in seinem Ruhestand Trost suchen, das Gespräch mit ihm oder seine Werte als Seelsorger zu schätzen wissen. Es ist also kein Wunder, dass Karl-Josef Lindemann, der an diesem Freitag, 16. Oktober, seinen 80. Geburtstag feiert, von seinem Gärtchen aus seine ehemalige Wirkungsstätte im Blick hat. „Aber nur im Winter“, sagt er lachend und verweist auf die noch belaubten Bäume. Sein Humor ist ihm nicht abhanden gekommen, auch nach einem halben Jahr „Krankenschein“ nicht.

Eine Blutvergiftung, danach ein dreifacher Wirbelbruch und eine Bauch-OP – er hat so einiges hinter sich gebracht in den letzten Monaten und musste zeitweise im Barbara-Heim betreut werden. Nun ist er daheim und bedauert es, seinen Geburtstag nicht feiern zu können. „Das wird aber nachgeholt“, sagt sein Bruder Clemens. Dieser war täglich an seiner Seite, kochte ihm Hildegard-Brei nach einem Rezept der Hildegard von Bingen. „Mit Dinkel und vielen Kräutern“, verrät der ehemalige Landrat die Zutaten. Diese Speise sei es gewesen, die seinen Bruder wieder auf die Beine gebracht habe, ist er überzeugt.

Karl-Josef Lindemann ist auf dem Weg der Besserung und voller Tatendrang. Schon jetzt freut er sich darauf, wieder mit denjenigen in Verbindung zu treten, die ihm während seiner Krankheit und dem allgemeinen Corona-Lockdown am meisten fehlten – die St. Ingberter. Ein Onkel, Pfarrer in Kusel, war ihm Vorbild für den Beruf. „Er hat eine gute Art gehabt den Menschen gegenüber. Er hat sie in den Mittelpunkt gestellt, nicht das Gesetz. So wollte ich auch sein“, sagt der gebürtige Homburger, der aus einer Bäckersfamilie stammt. Familiär ist er und mit seinen drei Brüdern eng verbunden: „Wir decken alles ab. Ich sorge fürs geistliche Wohl, der andere Bruder als Bäcker fürs leibliche, für die guten Beziehungen sorgt Clemens und unser Bruder, der Studiendirektor am Gymnasium war, ist für die Bildung und Wissenschaft zuständig.“

Dabei hatte der junge Karl-Josef selbst eine gute Bildung genossen, studierte Theologie in Eichstätt und München, bevor er 1968 zum Priester geweiht wurde. „Ich war quasi ein richtiger 68er, denn nach dem Konzil Anfang der 60er Jahre war Aufbruchstimmung und ich war voller Tatendrang“, erzählt der Jubilar im Rückblick. Bei seiner ersten Stelle in Ludwigshafen hatte Lindemann mit einem Kaplan einen aufgeschlossenen Chef, der ihn sehr prägte. 1973 trat er seinen Dienst in St. Ingbert an, zu einer Zeit als es dort noch sieben katholische Pfarrer und drei Religionslehrer gab. „Heute sind es noch ein Pfarrer und ein Kooperator“, nimmt er Bezug auf die Entwicklung zur Großpfarrei. „Das kritisiere ich, die Leute haben kaum noch Kontakt zu ihrem Pfarrer.“

Karl-Josef Lindemann schätzt seinen jungen Kollegen Daniel Zamilski, Pfarrer der Pfarrei Heiliger Ingobertus, die beiden sind per Du. Schätzen gelernt hat er aber auch die Arbeit der Frauen in der Gemeinde. „Für meine Tätigkeit war das enorm wichtig. Lange Zeit gab es eine Gemeindereferentin hier. Sie war ein Segen, denn sie leistete das, was ich nicht konnte. Sie war seelsorgerisch und in der Jugendarbeit ausgebildet, ich dagegen rein theologisch. Von mir aus könnte es für Frauen ruhig bis zur Weihe gehen.“

Mit zehn Kaplänen und fünf Praktikanten arbeitete er in seiner aktiven Zeit zusammen. Sehr bewusst habe er über den Kirchturm hinausgeschaut und die Weltkirche im Auge gehabt. In diesem Zusammenhang erwähnt er unzählige Partnerschaften, auch mit Gemeinden auf anderen Erdteilen. Eine sehr gute Partnerschaft gab es auch mit einem befreundeten Abbé aus der Bretagne, der 20 Jahre Lindemanns Urlaubsvertretung übernahm.

Besonders am Herzen gelegen habe ihm aber vor allem die Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche. Gemeinsam habe man beschlossen, den evangelischen Buß- und Bettag zusammen zu feiern. Es würde den Rahmen sprengen, alle Ämter und Tätigkeiten aufzuzählen, die er auf Dekanatsebene, bei der Caritas, in den Altenheimen oder den Schulen inne hatte oder ausübte. Ein Herzensprojekt war die Gründung der Ökumenischen Sozialstation in St. Ingbert. „So sind 37 Jahre als Pfarrer in St.Hildegard rumgegangen.“

Selbst die ersten sechs Jahre nach der Pensionierung war Lindemann ständig in Aktion, half in Gemeinden in Saarbrücken aus. Auch heute noch wird er von Gemeindemitgliedern angerufen. Er ist und war ein Pfarrer für alle, liebt die Verbundenheit mit den Menschen. Nun habe er aber auch mal Zeit zum Schauen oder lesen eines Krimis. Biografien über Theologen gehören ebenfalls zur bevorzugten Literatur. Ansonsten ist der 80-Jährige „wunschlos glücklich“. Und wenn der soziale Kontakt wieder zunimmt, ist das für den beliebten Seelsorger das Schönste.