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Peter Schmieden aus Rohrbach malt Weisgerber aus St. Ingbert nach

Rohrbach : Kunst Albert Weisgerbers ist nicht vergessen

Peter Schmieden ist ein Fan von Albert Weisgerber und lässt den Künstler der Moderne mit dessen Karikaturen wieder aufleben. Auch die Weisgerber-Stiftung wird die Werke des bedeutenden St. Ingberter Malers wieder unters Volk bringen – wenn auch vorerst digital.

Eigentlich wollte Peter Schmieden weniger zum Pinsel greifen und mit dem Verkauf einiger Bilder erstmal dafür sorgen, dass sein vor lauter Bildern fast aus den Nähten platzendes Atelier wieder „verschlankt“ wird. Doch Rainer Henrich und Corona schmissen des Malers Vorsätze kurzerhand um. Denn Henrich, früherer St.Ingberter Ortsvorsteher und bekennender Fan eines anderen Künstlers, Albert Weisgerber, brachte Schmieden auf eine Idee. Im Gespräch mit dem Rohrbacher Maler äußerte der ehemalige Lokalpolitiker nämlich seine Befürchtung, dass St. Ingberts Aushängeschild, dessen Stil zwischen Im- und Expressionismus angesiedelt ist, in Vergessenheit geraten könnte. Kein Stadt- oder Kunstmuseum, geschweige denn eine Werkschau eines der größten Söhne der Stadt erinnert derzeit an den Anfang des 20. Jahrhunderts aufstrebenden Künstler, der 1915 mit erst 37 Jahren sein Leben lassen musste – Albert Weisgerber.

„Weisgerber ist nicht vergessen“, sagt Schmieden bei einem Besuch in seinem Rohrbacher Atelier und zeigt wie zur Bestätigung auf eine Unmenge „Weisgerbers“, die alle Schmieden‘sche Handarbeit sind. Um genau zu sein sind es 35 Bilder, mit denen er auf einen „anderen“ als den allseits bekannten Weisgerber aufmerksam machen will. Es handelt sich um einige Kopien von insgesamt über 90 Karikaturen, wie sie damals in der „Jugend“ gedruckt worden sind. Diese Münchner illustrierte Wochenschrift für Kunst und Leben, die von 1896 bis 1940 wöchentlich erschien, wurde zum Namensgeber der Kunstrichtung Jugendstil und wartete immer mal wieder mit einer Arbeit Weisgerbers auf. Schmieden haben es besonders diese Karikaturen angetan, aber auch das „Sängerfest“ und „Der bunte Vogel“ wurden von ihm schon auf Leinwand gebannt.

„Ich wollte mit den Werken public machen, dass Weisgerber immer noch lebt und außerdem bin ich froh, dass ich während der Pandemie nochmal was zu tun habe.“ Es sei nicht sein Ding, aus dem Fenster zu schauen und nur seine Pinsel und Farben zu sortieren. Vor allem nicht in diesen besonderen Zeiten. „Stell dir mal vor, jemand kommt jetzt mit 65 Jahren in Rente und hat kein Hobby.“ Ein Unding und abwegiger Gedanke für den 75-jährigen Rohrbacher Maler. Wie Rainer Henrich ist auch Schmieden ein Weisgerber-Liebhaber und so rannte ersterer mit seiner ausgesprochenen Sorge um das Weisgerber-Vergessen sinnbildlich die „offene Ateliertür“ des Rohrbacher Künstlers ein. „Wenn ich zu nix Lust habe, aber zu Weisgerber habe ich immer Lust“, sagt Peter Schmieden mit Blick auf die Weisgerber-Gedächtnis-Ecke in seinem Studio, die das Ergebnis seiner Beschäftigung mit dem Maler der Moderne ist. Wer beim Sozialen Netzwerk Facebook „Kunstatelier Peter Schmieden“ eingibt, sieht einige der meist in schwarz-weiß gehaltenen Werke auf Leinwand mit Schattenfugenrahmen.

Sonst ist es ruhig geworden um Albert Weisgerber und der 1987 gegründete Weisgerber-Stammtisch im ehemaligen „Bratwurst Glöckl“, dem Geburtshaus des Malers, ist Geschichte. Doch auch, wenn einige Weisgerber-Werke noch im St. Ingberter Depot auf ihre erneutes Zur-Schau-Stellen warten und in naher Zukunft nicht mit einem Weisgerber-Museum zu rechnen ist, gibt es ein Wiedersehen mit dem bedeutendsten Maler der Klassischen Moderne, den das Saarland zu bieten hat.

In Kürze wird es einen „Digitalen Weisgerber“ auf einer eigens eingerichteten Website zu sehen geben, wie die Kuratorin der Weisgerber-Stiftung, Andrea Fischer, im Gespräch mitunserer Zeitung erzählt. Noch will sie vor Herausgabe der offiziellen Pressemitteilung nicht zuviel verraten. Aber soviel dann doch: Es ist ein Projekt, das in Kooperation mit den St. Ingberter Rotariern entstand. Konzeptionell von der Stiftung angestoßen und in der Entwicklungsphase vom Serviceclub unterstützt. „Wir machen die Weisgerber-Sammlung virtuell zugänglich“, so Fischer. Im Gegensatz zu Schmiedens „karikaturistischem Weisgerber“ wird aber die Gemäldesammlung im Fokus stehen. „Graphisches ist aber auch dabei“, macht die Stiftungskuratorin neugierig, „es wird auf der Website auch viele vertiefende Infos geben, und die großen Themen wie die Münchener Zeit oder ,der Akt‘ werden eine Rolle spielen.“ Andrea Fischer jedenfalls findet es positiv, dass der einheimische Künstler Peter Schmieden „ihren“ Weisgerber in die Öffentlichkeit bringt, aber gespannt ist sie wohl vor allem darauf, wie das neue Projekt mit dem „modern aufbereiteten“ Maler der Moderne bei den St. Ingbertern ankommt.