Ortsrat St. Ingbert beriet über die Zukunft des Ratskellers

Ortsrat : Wie geht’s denn weiter in dem Trauerspiel?

Ortsrat St. Ingbert beriet über die Zukunft des Ratskellers. Dieser steht seit Jahren leer und wartet noch immer auf einen Pächter.

„Es ist wichtig, dass sich da was tut. Da ist eine bezahlbare Gastronomie erforderlich“, bilanzierte Ortsvorsteher Uli Meyer. Der Ortsrat von St. Ingbert-Mitte behandelte im Rathaus-Sitzungssaal in seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl das Dauer-Thema Ratskeller. Das Lokal steht seit dem Auszug des letzten Pächters vor etlichen Jahre leer. Meyer hatte sich im Vorfeld der Tagung an die Stadtverwaltung gewandt und wollte wissen, warum die Verpflichtungsermächtigung über 200 000 Euro im Jahr 2018 nicht zur Sanierung des Lokals am Markplatz, im Untergeschoss der Stadthalle, genutzt wurde.

Oberbürgermeister Hans Wagner hatte dem Ortsrat schriftlich mitgeteilt, dass seiner Meinung nach eine Renovierung des Traditionslokals nur dann Sinn ergibt, wenn dies in Absprache mit einem künftigen Pächter erfolge. „…zu unterschiedlich, was Fassade und Innenraum angeht, sind die Gestaltungswünsche potenzieller Pächter, bzw. Gastronomen“, heißt es in der Stellungnahme des Verwaltungschefs. 2016 hatte ein möglicher Pächter konkrete Pläne für den Ausbau des Ratskellers vorgelegt. Er wollte 250 000 Euro ins Inventar investieren, sofern die Stadt 200 000 Euro für die Renovierung der Bausubstanz beisteuert. Diese Mittel, die durch Einsparungen an anderer Stelle kurzfristig aufgebracht wurden, sind laut OB im Frühjahr 2018 mehrheitlich im Ausschuss und kurz danach auch im Stadtrat abgelehnt worden. Der Interessent sprang damals ab.

In der Stellungnahme des Oberbürgermeisters heißt es weiter, dass es nicht zielführend gewesen wäre, ohne Pächter Geld einzustellen und Arbeiten zu beauftragen. Sobald ein Interessent feststeht, muss das Geld durch den Stadtrat zur Verfügung gestellt werden. Vor der Ortsratssitzung hatte sich das Kommunalgremium bei einem Ortstermin mit Florian Milz über den aktuellen Zustand des stillgelegten Gastronomieobjektes informiert. Der Veranstaltungstechniker der Stadt gab Einblicke in die Räume.

Die Küche im hinteren Bereich des Lokals sei für ein Restaurant zu groß, findet Siegfried Thiel (SPD). Die Abstände zwischen den Arbeitsflächen wären für das Personal heutzutage zu weit auseinander. „Das war früher für das Saalgeschäft und für Konferenzen gedacht“, erinnert sich das Ortsratsmitglied. Die Kegelbahn existiere mittlerweile nicht mehr und sei nach Rohrbach verlegt worden, so Milz. „Das war damals eine beliebte Freizeitbeschäftigung“, blickte Ulli Meyer zurück. An der Stelle sind nun ein Vorratsraum für den Pächter und ein Fluchtweg. Da der Aufzug nun fertig ist, stehe der Konferenzraum auch wieder zur Verfügung und werde nicht mehr als Stuhllager gebraucht.

Der Ortsvorsteher erteilte in der Sitzung der denkbaren Variante einer Edelgastronomie eine Absage. Letztes Jahr sei die Chance vertan worden, etwas an dem Leerstand und somit an den seit Jahren für die Stadt fehlenden Pachteinnahmen, etwas zu ändern. Deshalb gelte es, in der nächsten Wahlperiode dieses Thema endlich umzusetzen, so Meyer. „Die Vorgehensweise der Verwaltung ist falsch“, glaubt Siegfried Thiel (SPD). Man solle nicht erst den Pächter suchen und dann, wenn ein Konzept vorgelegt wird, den Umbau vollenden, meint der Sozialdemokrat. Hierfür erhielt er Zustimmung von der CDU-Ortsratsfraktion. Die Grundsanierung hätte laut Irene Kaiser (CDU) gemacht werden können. Diese Arbeiten müssen angegangen werden, meinte die Vize-Ortsvorsteherin. „Ich denke, dass Bistro- oder Brasserie-Charakter ausreichend ist“, pflichtete Kaiser dem Ortsvorsteher bei. Ob denn zusätzliches Geld zur Verfügung stehen würde und ob eine Finanzierung jenseits der Schuldenbremse möglich sei, wollte Siegfried Thiel noch wissen. Der Ortsrat will dies prüfen lassen.

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