Ortsrat kämpft für Zebrastreifen

Die Emotionen kochten hoch, als die Mitglieder des Ortsrates Oberwürzbach in dieser Woche über die Verkehrssituation auf der Hauptstraße diskutierten. Knackpunkt war die Einrichtung eines Fußgängerüberweges, gegen dessen Errichtung sich der Landesbetrieb für Straßenbau sträubt.

Der Ortsrat Oberwürzbach hat in seiner letzten Sitzung des Jahres am Mittwochabend seine Forderung nach mehr Verkehrssicherheit auf der Hauptstraße im Einmündungsbereich Ommersheimer Straße erneuert. Die Politiker wollen dort einen gekennzeichneten Fußgängerüberweg haben, um vor allem die Schüler aus ihrem Beritt auf dem Weg zur Bushaltestelle besser zu schützen. Da die Hauptstraße gleichzeitig eine Landstraße (L235) ist, hat der Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) das letzte Wort. Das hat er eigentlich schon gesprochen - und abgelehnt. Bedingung für einen Fußgängerüberweg sind nämlich mindestens 200 Fahrzeuge oder wenigstens 50 Fußgänger, die die Stelle in der am stärksten frequentierten Stunde eines Tages passieren.

Als bei einer Zählung vor knapp zwei Jahren aber lediglich 27 Fußgänger in der Spitze gezählt wurden, war das Thema erledigt - für den LfS, nicht aber für Dunja Sauer (SPD). Sie forderte: "Zusätzliche Maßnahmen zur Verkehrssicherung müssen her, egal ob gewisse Zahlen erreicht werden oder nicht." Auf Einladung von Ortsvorsteherin Lydia Schaar (CDU) nahmen mit Frank Model und Axel Theis zwei Fachmänner der städtischen Abteilung Verkehr und ÖPNV an der Sitzung teil. Doch Abteilungsleiter Model musste die Ortsratsmitglieder größtenteils enttäuschen. Er erinnerte daran, dass die rechtlichen Rahmenbedingungen, die im amtlichen Verkehrsblatt "Richtlinien für die Anlage und Ausstattung von Fußgängerüberwegen" eindeutig nicht erreicht worden seien und dass die Stadt auf einer Landstraße nicht aktiv werden könne. Immerhin: "Wir können noch eine Zählung veranlassen", so Model. Darum hatte zuvor Patrick Schmitt (CDU) gebeten.

Erst am Mittwochmorgen standen die Stadt St. Ingbert und der LfS in Kontakt. Aus Neunkirchen kam jedoch eine Nachricht, die die Oberwürzbacher nun überhaupt nicht hören wollten - dass nämlich einer zusätzlichen Verkehrssicherung durch die Ausweitung des Tempo-30-Bereichs, die der Ortsrat übrigens auch erst in einem wiederholten Anlauf durchgeboxt hatte, bereits Rechnung getragen wurde. "Das ist doch Schwachsinn", beschwerte sich SPD-Mitglied Jochen Abel und begründete: "Wird ein Kind mit Tempo 30 angefahren, ist es genauso tot wie bei Tempo 50." Darauf meldete sich Gunther Degel aus dem CDU-Lager zu Wort: "Wir wollen, dass die Kinder alleine zur Schule gehen, setzen sie aber unverantwortlichen Gefahren aus." Mehrfach wurde an einen tödlichen Unfall aus dem Jahr 1968 erinnert. Jochen Abel kritisierte zudem die Richtlinien: "Die Leute, die so etwas entschieden haben, haben bestimmt keine Kinder."

Die Einigkeit zwischen CDU und SPD spiegelte sich anschließend auch im einstimmig gefassten Beschluss wieder. Erstens: Die Forderung nach einer Überquerungshilfe wird aufrechterhalten. Zweitens: Es soll eine neue Zählung mit einem folgenden Treffen von Ortsrat und LfS vor Ort geben. Drittens: Auch die Ommersheimer Straße soll eine Querungshilfe erhalten.

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