Ohne Karte kein Kauf

Nur Leistungsbezieher und offensichtlich Bedürftige können künftig im St. Ingberter Sozialkaufhaus Warenkorb kaufen. Nicht immer war das der Fall. Seit Beginn des Jahres müssen die Beschäftigten die Berechtigungskarten der Kunden kontrollieren. Doch die Kontrollkarten lösen seither bei Kunden und Helfern Frust aus.

Im Sozialkaufhaus Warenkorb sorgt derzeit ein Stück Papier für Ärger. Es ist eine Karte, die Kunden seit Beginn des Jahres bei jedem Einkauf vorzeigen müssen. Sie berechtigt, im Warenkorb einzukaufen. Doch das war nicht immer so. Ein-Euro-Jobberin Katrin Albersmeyer: "Der Nachweis ist erst seit 2014 erforderlich. Vorher konnte hier jeder kaufen." Sie sagt, Nachweiskärtchen habe es zwar immer gegeben, aber die haben die Kunden nicht zeigen müssen. Seither begegnen ihr täglich unfreundliche Kunden, die über die neue Regelung verärgert sind. "Das gibt's doch nicht", sagt eine von ihnen, als sie mit ihrem Einkauf an der Kasse ankommt und zum ersten Mal hört, dass sie erst eine Berechtigung vorweisen muss. Albersmeyer "muss es ausbaden". Nach ihrer Einschätzung bleibe die Kundschaft fern, um zehn Uhr morgens herrschte sonst immer Höchstbetrieb.

Auch Hildegard Vautrin, eine - mittlerweile ehemalige - ehrenamtliche Mitarbeiterin des Warenkorbs bestätigt, dass es bis vor Kurzem toleriert wurde, dass jedermann dort einkaufte. Nun ist sie um die Zukunft des Kaufhauses besorgt und vermutet, dass die Spendenfreudigkeit und die Einnahmen zurückgehen werden.

Sinn und Zweck der neuen Nachweiskarte erklärt Dietmar Schönberger, Geschäftsführer des Jobcenters Saarpfalz: Laut Gesetz dürfe durch Arbeitsgelegenheiten der Wettbewerb nicht gestört werden. Schönberger sagt, der Gesetzgeber habe im Rahmen einer Reform noch einmal streng herausgestellt, dass Ein-Euro-Jobs keine Arbeitsplätze gefährden dürfen. Wenn also jedermann im Sozialkaufhaus einkaufen könnte, dann würde der Warenkorb zur Konkurrenz für andere Kaufhäuser werden. Doch weder der "Saarberg-Rentner auf Schnäppchenjagd", so Kreis-Pressesprecher Udo Steigner, solle im Warenkorb einkaufen, noch solche, die die günstige Ware später "auf dem Flohmarkt verkaufen", sagt Sozialdezernentin Ulrike Zawar. Vor diesem Hintergrund müsse sich das Jobcenter darauf beschränken, nur sozial bedürftige Personen zum Einkauf zu berechtigen. Die Kärtchen-Kontrolle wurde daher verschärft.

Zu einer anderen Lösung, wie: Jeder darf kaufen, sozial Bedürftige bekommen Prozente, sei man nicht bereit.

Prinzipiell sind die Karten im Warenkorb nichts Neues. "Die Regelung gab es wohl schon vorher", sagt Ehrenamtlerin Vautrin. Es sind also die nun konsequenten Kontrollen, die vor allem bei Stammkunden Unmut auslösen. Trotz Schildern am und im Kaufhaus stehen derzeit ständig Unwissende mit vollem Korb, aber ohne Karte an der Kasse. Um eine Berechtigungskarte für den Warenkorb zu erhalten, müssen sie einen Bescheid vorlegen. Bezieher von Wohngeld, einer Mini-Rente, SGB II (Grundsicherung für Arbeitssuchende) und Kindergeldzuschlägen, aber auch "offensichtlich Bedürftige mit geringem Einkommen", so Schönberger, können weiter das Sozialkaufhaus-Sortiment nutzen. Keine Angst vor rückläufigen Einnahmen und Spenden hat Peter Lehmann, Leiter des Caritas-Förderzentrums St. Christopherus in Kaiserslautern: "Primär sind wir eine Beschäftigungseinrichtung. Wir wollen keine Gewinne erzielen oder einen Gewerbebetrieb generieren." Bezüglich dem Wunsch von betuchteren Spendern, selbst auch etwas Hübsches aus dem Kaufhaus erwerben zu können, sagt er: "Ein Spender ist nur ein guter Spender, wenn er keine Bedingungen stellt."