Ochs kann das Lehren nicht lassen

Hans-Georg Ochs verabschiedet sich kommende Woche in den Ruhestand. Der Leiter des Albertus-Magnus-Gymnasiums hat über drei Jahrzehnte an den beiden St. Ingberter Gymnasien gearbeitet. Die jungen Leute werden ihm fehlen, sagt er.

Über das Verhalten und die Leistungsfähigkeit der heutigen Schüler wird gerne geschimpft. Hans-Georg Ochs tut dies auch kurz vor dem Ende seiner beruflichen Laufbahn nicht. Im Gegenteil. "Mir tun die Schüler heute oft leid", sagt der Noch-Chef des St. Ingberter Albertus-Magnus-Gymnasiums. Die moderne Welt mit ihrer Reizüberflutung sei gerade für junge Menschen eine Belastung. Auch wenn sie selbst dies nicht immer wahrnehmen. Im gleichen Maß sei der Lehrer-Job schwieriger geworden. Dennoch steht für Ochs fest: "Ich würde den Beruf wieder wählen." Es bereite Freude, die Entwicklung einer Persönlichkeit mitzuerleben, begründet der 61-Jährige. Und etwas Wehmut klingt eine Woche vor der offiziellen Verabschiedung mit, wenn er sagt: "Ich werde den Umgang mit den jungen Menschen vermissen."

Der gebürtige St. Ingberter kennt viele Mittelstadt-Abiturienten der vergangenen 30 Jahre persönlich. Am Leibniz-Gymnasium hat er im Mai 1970 selbst die Hochschulreife erlangt. Nach dem Englisch- und Erdkundestudium in Saarbrücken arbeitete er zweieinhalb Jahre am Johanneum Homburg, ehe er in seine Heimatstadt zurückkehrte. Ochs: "Ich musste vom Johanneum weg, weil mich das Land für die Verbeamtung nicht dort lassen wollte." Am Leibniz-Gymnasium war eine Stelle frei. Da er dort die Schulbank gedrückt hatte, zögerte der junge Lehrer. Es wurden 17 Jahre an der staatlichen Schule. 1998 wechselte er ans AMG und trat als erster Mann die Direktorenstelle des katholischen Bildungshauses an. Schwester Salutaris, neunte Leiterin der Schule, hatte das Amt abgegeben und in "weltliche Hände" gelegt. Bei Ochs war dies aber auch aus ihrer Perspektive sicher gut aufgehoben. Denn in dessen Lebenslauf waren einige Jahre Engagement in der kirchlichen Jugendarbeit verzeichnet, bei der katholischen Jugend war er nicht nur Gruppen-, sondern auch Kreisleiter. Eine große Umstellung war der Wechsel innerhalb der Stadt nicht. Ochs: "Ob Englisch oder Erdkunde, durch die enge Kooperation hatte ich in den Oberstufenkursen immer auch AMG-Schüler." Den Wechsel in die Leitungsposition bereute er nie: "Schulleiter zu sein ist eine sehr interessante Aufgabe, weil es ständig neue Herausforderungen gibt." Neben dem Unterricht ("Ich möchte ihn nicht missen") sei er Ansprechpartner für Eltern, Schülervertreter und Lehrer gewesen, habe aber auch die Partnerschaften mit außerschulischen Einrichtungen im Blick behalten. Stark ausgeweitet habe das AMG die verschiedenen Präventionsangebote. "Es hat sich im letzten Jahrzehnt so viel verändert", sagt Ochs und erinnert an G8, Ganztagsschule, Schulbuchausleihe und das Erdbeben, das die Pisa-Studie ausgelöst hatte.

Jetzt bekommt er Zeit für anderes. Lesen will er , sich um die Enkel kümmern oder Umbauten am Haus in Erfweiler-Ehlingen in Angriff nehmen. Von seinen fünf Kindern - drei Söhnen und zwei Töchtern - sind die beiden Damen wie der Vater in den Schuldienst gegangen. Den Kontakt zu den Bildungseinrichtungen wird er also nicht verlieren. Und so ganz bleiben lassen kann er es sowieso nicht. Englisch an der Volkshochschule zu unterrichten, wie er das schon in jüngeren Jahren getan hat, schwebt dem scheidenden AMG-Chef vor. Der Umgang mit Menschen bliebe ihm so erhalten.