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Obstbaumschnitt am Rathaus St. Ingbert

Rathaus St. Ingbert : Auch junge Bäume brauchen Aufmerksamkeit und Erziehung

Nachdem vor zwei Jahren Obstbäume und -sträucher am Rathaus gepflanzt wurden, müssen diese auch gepflegt werden. Deshalb lud die Verwaltung die Gartenbauvereine zum Baumschnitt ein.

Im privaten Hausgarten stehen nach dem Winter viele Arbeiten an. So auch im öffentlichen Nutzgarten rings ums „essbare“ Rathaus. Die Obstbäume haben schon Blätter und auch die ersten Blüten sorgen für eine schöne Optik am Verwaltungsgebäude. Doch später sollen die Obstbäume wie Mirabelle, Pflaume, Kirsche, Äpfel und Birne auch Früchte tragen, weshalb ihnen ein ordentlicher Erziehungsschnitt auch die Wuchsform vorgeben soll. Dafür hatte die Abteilung Biosphäre und Tourismus die Gartenbauvereine St. Ingberts eingeladen, damit die Mitglieder ihre pflegerische Kompetenz auch im Rathausgarten einbringen.

Oberbürgermeister Hans Wagner zeigte sich erfreut über den großen Zuspruch an Helfern, die von städtischen Angestellten unterstützt wurden. Hier konnten beide Seiten noch etwas voneinander lernen. Welche Zweige lasse ich stehen und welche fallen, obwohl sie schon im vollen Saft stehen, doch der Gartenschere zum Opfer? Beherzt schnitten Henning Bost von der Stadtgärtnerei und seine ehrenamtlichen „Kollegen“ auf Zeit ins Holz. Soviel lernten auch die Zuschauer: Um den Haupttrieb herum, der die Baumspitze trägt, werden die anderen Äste etwas mehr eingekürzt. Die auf etwa gleiche Länge eingekürzten drei bis vier Leitäste werde als „Saftwaage“ bezeichnet, wie ein Gartenbauer erläuterte und zur Erklärung gleich das passende handliche Taschenbuch zückte. Alle nach innen wachsenden Triebe wurden ebenfalls entfernt. Schnell entwickelten auch die daneben stehenden Laien ein Auge dafür, welche Äste und Zweige entfernt werden mussten. Henning Bost war erstaunt, dass bei einigen der säulenförmig gezogenen Obstbäumen, die extra für diesen Standort als nicht schnellwüchsige Sorte gekauft wurden, das „Kraut“ dann doch schon weit in den Himmel schoss.

Auch diese sich ins Licht reckenden Triebe mussten wegen des stabilen Astgerüstes und des Ertrags, den man sich für die Zukunft wünscht, abgeschnitten werden. Mit den vielen Helfern, die nicht nur die Bäume, sondern auch die Sträucher schnitten, ging die Arbeit schnell von der Hand. Ein St. Ingberter, der eigentlich ins Bürgeramt des Rathauses wollte, blieb stehen, besah sich die fachgerechten Schnitte und fragte bei den Gartenexperten nach, wie er denn mit den Himbeersträuchern in seinem Garten verfahren könne. Aus dieser kurzen Frage entspann sich mit den Mitgliedern der Obst- und Gartenbauvereine aus Hassel, Rohrbach und St. Ingbert doch ein längeres Gespräch über früh- und spättragende Sorten, die alle ihre ganz eigene Erziehung bräuchten.

Roman Ruff, Vorsitzender der St. Ingberter Gartenbauer, war mit seinem Verein schon 2017 bei der Planung und der Erstbepflanzung dabei. Für ihn und seine Mitstreiter war es selbstverständlich, bei den Pflanzen auch Jahre später noch Hand anzulegen. „Das ist eine gute Sache. Und es ist schön, dass wir uns hier als Verein präsentieren dürfen“, so der St. Ingberter. Gegenüber anderen Vereinen seien die Gartenbauvereine recht gesund. Es interessierten sich wieder viele junge Leute und ganze Familien für den Anbau von Zier- und vor allem Nutzpflanzen in ihrem Garten. 260 Mitglieder zählt allein der St. Ingberter Verein. „Das kriegen wir aber nur hin, weil wir viele Veranstaltungen anbieten“, sagt er und verteilte gleich den Flyer mit dem umfangreichen Jahresprogramm an die Umstehenden. Dass sich die Gartenbauer der Ortsteile untereinander gut kennen, war schnell auszumachen. Man scherzte und unterhielt sich miteinander, ohne den eigentlichen Zweck des Treffens, den Schnitt der Gehölze, aus den Augen zu verlieren. Mit geübten Handgriffen war die vorläufige Erziehung der noch jungen Bäume und Sträucher in kürzester Zeit erledigt.