Obst- und Gartenbauverein Rentrisch vor dem Aus

Gartenbauverein : Rentrischs Gartenbauverein vor dem Aus

Dagobert und Renate Hohneck finden nach jahrzehntelangem Engagement im Vorstand einfach keine Nachfolger.

Rund 90 Jahre Ehrenamt dürften es sein, die die Eheleute gemeinsam in Vereinen verbracht haben. Im Rentrischer Heimatverein, im TuS, im DRK, beim Sportbund: Fast überall sind Dagobert und Renate Hohneck im Vorstand vertreten, als Vorsitzender oder Kassiererin beispielsweise. Doch zum Ende des Jahres verabschieden sich beide davon. „Das ist das Ende aller Aktivitäten“, bringt es Dagobert Hohneck auf den Punkt, um jeden Zweifel über eine Fortsetzung zu zerstreuen. Nicht nur für die einzelnen Vereine, auch für die Hohnecks selbst gehen regelrechte Ären zu Ende. Besonders ist das beim Obst- und Gartenbauverein (OGV) Rentrisch zu merken – dieser wird komplett aufgelöst.

Das Verfahren, an dessen Ende das Ende des OGV steht, läuft gerade. „Wir warten noch auf Antwort des Amtsgerichts“, erklärt Dagobert Hohneck; er ist noch der Vorsitzende. Bereits vor einigen Jahren habe er den Mitgliedern erklärt, dass er sich bald aus dem Vorstand zurückziehen werde. Als sich bei der Mitgliederversammlung Ende April dann – wie bereits in den Jahren zuvor – kein neuer Vorsitzender zur Wahl stellte, wurde die Auflösung auf die Tagesordnung genommen. Nun kümmert sich der geschäftsführende Vorstand um die nächsten Schritte, der aus dem Vorsitzenden, seinem Stellvertreter, dem Schriftführer und dem Kassierer besteht.

Diese beenden als Liquidatoren die laufenden Geschäfte. Dazu zählen der Verkauf der vereinseigenen Gerätschaften wie Häcksler, Vertikutierer und Kühltruhen und die Kündigung noch laufender Pacht- und Mietverträge. Zudem müssen alle noch offenen Forderungen eingezogen werden. Dies alles wird zu den Barmitteln in Höhe von rund 14 000 Euro dazu gezählt – am Ende muss alles einem gemeinnützigen Zweck zugeführt werden. Hier besteht bereits der Plan, die Summe an die jugendfördernden Vereine in Rentrisch zu spenden. So bleibt das Geld wenigstens im Ort. Mit einem abschließenden Rechenschaftsbericht geht es dann ein letztes Mal zum Amtsgericht. „So ein Ende tut schon ein bisschen weh“, räumt Dagobert Hohneck ein. Immerhin war er alleine im OGV rund 30 Jahre im Vorstand, davon rund 29 Jahre Vorsitzender. Seine Frau Renate war rund 29 Jahre Kassiererin. Doch die Überalterung sei hier sehr stark ausgeprägt: Etwa 70 Prozent der 178 Mitglieder seien älter als 80 Jahre. Alleine der Altersschnitt im Vorstand betrage 65 Jahre. Vorbei also die Zeiten, in denen die Hohnecks einen großen Teil ihrer Freizeit dafür aufbrachten, für den OGV etwa bei Dorffesten quasi drei Tage am Stück am Essensstand zu schaffen, wie Renate Hohneck erzählt. Vorbei auch die Zeiten, in denen man jährliche Tagesfahrten organisierte, die beispielsweise zu Gartenschauen nach Koblenz oder Kaiserslautern führten. „Zum Schluss war der Bus nicht mehr voll“, sagt die Noch-Kassiererin. Auch interessante Vorträge habe der OGV angeboten, mit einem Pilzexperten oder einer Fachfrau, die erklärte, wie viele tausend Tomatensorten es gebe.

Übrigens ging es beim OGV nicht nur um das namensgebende Obst oder Garten. Auch sonst brachte man sich ins Stadtleben ein, etwa durch die Teilnahme an den Faasendumzügen in Rentrisch und St. Ingbert. Dagobert Hohneck, gelernter Maschinenschlosser mit Meister und einst bei der Dillinger Hütte in leitender Funktion angestellt, konnte im Vereinsleben seine handwerkliche Begabung richtig gut ausleben. So baute er für die Umzüge einen kleinen Hubschrauber oder eine Saarbahn nach. Mitunter aber auch einfach Obst, dass die Familie im Haus baute – manchmal, ohne auf die Proportionen zu achten. „Da passte die Birne nicht mehr durch die Tür“, erinnert sich Renate Hohneck lachend. Nun werde man sich selbst noch ein bisschen schöne Zeit gönnen, fügt ihr Mann hinzu.

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