OB-Stichwahl in St. Ingbert mit Ulli Meyer als Gewinner

Neuer Oberbürgermeister : OB-Wahl: Das war ein Abend voller Emotionen

Nach zwei Wahlgängen ist klar: Es wird einen Wechsel im Rathaus geben. Ulli Meyer (CDU) löst Hans Wagner (parteilos) ab.

Vor zwei Wochen blieben bei der Oberbürgermeisterwahl zwei von drei Kandidaten für das höchste Amt im Rathaus im Rennen – Amtsinhaber Hans Wagner und Ulli Meyer (CDU). Das Ergebnis war ziemlich knapp. Wagner lag beim ersten Wahlgang mit 0,3 Prozent der Wählerstimmen vor seinem Herausforderer und hätte diesen, wenn auch geringen Vorsprung, gern bei der zwei Wochen später folgenden Stichwahl ausgebaut. Viele St. Ingberter kamen in den Kuppelsaal des Rathauses, um, wie schon beim ersten Mal, gemeinsam das Einspielen der Wahlergebnisse auf einem Monitor zu verfolgen.

Bereits nach Auszählung aller Wahlbezirke war eine Tendenz zu erkennen. Ulli Meyer lag vorn. Doch die Stimmen der fast 7000 Briefwähler, so viele wie noch nie, fehlten noch. Als die Ergebnisse der ersten der vier Briefwahlbezirke die Säulendiagramme weiter für Meyer wachsen lassen, ist die Enttäuschung bei einigen St. Ingbertern groß. Doch ebenso groß ist die Freude bei vielen, die mit Meyer gekämpft und gehofft hatten.

19 Uhr steht das Ergebnis fest. Hans Wagner ist äußerlich gefasst. Ihm wird auf die Schulter geklopft, er bedankt sich bei Weggefährten für die Unterstützung. Dem SR3 sagt er im Interview, er werde die Kollegen vermissen, aber jetzt die Hausrenovierung in Angriff nehmen. „Ulli Meyer wird sich im Rathaus sicher so wohl fühlen wie ich“, sagt der Mann, der die Wahl nicht für sich entscheiden konnte. Beim Reporter fragt er mal eben nach den OB-Wahlen in Saarbrücken und Neunkirchen und erfährt, dass es auch in der Landeshauptstadt ein CDUler geschafft hat.

Als Ulli Meyer dann mit seiner Frau Claudia kurz vor halb 8 in den Kuppelsaal kommt, brandet Jubel auf. Die Junge Union ist aus dem Häuschen, dass der von ihr unterstützte Wahlkampf, zum Schluss mit selbstgemalten Sperrholzplakaten, von Erfolg gekrönt war. Meyer wird mit „Ulli, Ulli“-Rufen, Applaus, aber auch einem einzelnen „Pfui“ als neuer OB begrüßt. Zuvor hatte er mit Frau und Sohn eine Wanderung im St. Wendeler Land gemacht und eine Ausstellung besucht. Bis dahin war es also ein entspannter Familientag. Doch angesichts der gewonnenen Wahl und der vielen Glückwünsche kann er die Tränen nicht zurückhalten. Hans Wagner kommt während des verebbenden Jubels auf Meyer zu und gratuliert. Danach steht der noch amtierende OB mit St. Ingbertern zusammen und blickt auf die Erfolge seiner Amtszeit zurück.

Freude und Trauer lagen am Sonntagabend auch bei den Wählern nah beieinander. Aber eins einte viele, die Meinung, dass „nun endlich eine klare Entscheidung getroffen wurde“, wie einer der Gäste im Kuppelsaal sagte. Später feierten Mitglieder der CDU und anderer befreundeter Parteien im Sudhaus weiter. Nur der Wahlsieger fehlte noch. Der fuhr dann mit Ministerpräsident Tobias Hans vor. „Phänomenal“, sei der Gewinn und Meyer „der beste Mann fürs Amt“. Pascal Rambaud erzählt, dass man am Tag zuvor noch einmal 50 Helfer aus dem ganzen Saarland auf den letzten Metern des Wahlkampfes habe mobilisieren können. Auch die Unterstützung von Dritten habe geholfen, vor allem die Wahlempfehlung von St. Ingberts einstigem SPD-Oberbürgermeister Winfried Brandenburg. „Dass ein gestandener Sozialdemokrat, der 20 Jahre die Geschicke dieser Stadt gelenkt hat, aufsteht und sagt ,Ulli wählen‘ zeigt schon, wie wichtig der Wechsel ist“, so der CDU-Kreisgeschäftsführer.

Hans Wagner (rechts) sagt Helfern, Wählern und Kollegen im Kuppelsaal des Rathaueses „Merci“ für die Unterstützung im Wahlkampf. Foto: Cornelia Jung
Das Interesse an der Auszählung im St. Ingberter Rathaus war am Sonntagabend sehr groß. Foto: Cornelia Jung

„Es ist nicht nur für St. Ingbert ein guter Tag, sondern auch für die Entwicklung des ganzen Saarlandes“, meinte Tobias Hans zum Wahlausgang auch in Saarbrücken. Meyer habe die Stadt an erste Stelle gestellt, wofür er ihm Respekt zolle. Er habe nun eine große Verantwortung. Bei Meyer habe im ersten Moment die Freude überwogen, „bei einem Ergebnis, das so nicht vorherzusehen war“. Er dankte den vielen Helfern, aber auch seiner Frau, die an diesem Abend oft von ihm geküsst und in den Arm genommen wurde. Zum Gratulieren waren auch Alexander Funk, Landtagspräsident Stephan Toscani und Justizminister Peter Strobel ins „Sudhaus“ am Beckerturm gekommen. Für das Ministerium sei sein Kumpel Meyer ein Verlust, „aber für St Ingbert ein Riesengewinn“. Meyer freute sich über das Lob und auch über die SMS, mit der seine ehemalige Chefin, Annegret Kramp-Karrenbauer, ihre Glückwünsche aussprach.