OB: Sehn-Gelände fürs echte Gewerbe

OB: Sehn-Gelände fürs echte Gewerbe

Nach Ansicht des St. Ingberter Oberbügermeisters liegt die Koalition bei den Plänen fürs Sehn-Gelände falsch. Die dort ins Auge gefasste Ansiedlung von Einkaufsmärkten widerspreche sowohl der Landesplanung als auch dem vom Stadtrat beschlossenen Nahversorgungskonzept.

Oberbürgermeister Hans Wagner hat darauf hingewiesen, dass die von der CDU-geführten Koalition behauptete Verbesserung der Nahversorgungssituation durch das von ihr beschlossene Zielabweichungsverfahren für das Sehn-Gelände nicht den Tatsachen entspreche: "Zwar war seitens eines Investors die Ansiedlung eines großflächigen Nahversorgers auf dem Gelände angefragt worden. Dies wurde jedoch von der Landesplanung beim Ministerium für Inneres und Sport abgelehnt. Auch das im Jahr 2015 vom Stadtrat beschlossene Nahversorgungskonzept spricht gegen die Ansiedlung eines Nahversorgers an diesem Ort", sagt der OB. Alle Ziele und Grundsätze im Landesentwicklungsplan Siedlung stünden diesem Vorhaben konträr entgegen.

Für Hans Wagner ist auch noch ein anderer Umstand erheblich, auf den die Verwaltung den Stadtrat in seiner Sitzung im Oktober hingewiesen habe: "Die Stadt verfügt über relativ wenige Gewerbeflächen. Expansionswilligen oder neuen Gewerbebetrieben stehen bereits heute oftmals keine Alternativen außer dem Ankauf privater Flächen in St. Ingbert offen." Wenn die Politik wegen Einzelinteressen solche erschlossenen Industrieflächen reduziere, dürfe sie sich später nicht wundern, wenn das produzierende Gewerbe als wichtigstes Standbein der Wirtschaft sich irgendwann in anderen Kommunen umsieht. Wagner: "Ich halte es gerade deswegen für wichtig, die Fläche des Sehn-Geländes für gewerbliche Nutzungen vorzuhalten. Produzierende Firmen stellen langfristig eine nachhaltige Entwicklung für St. Ingbert dar."

Der Trend der privaten Grundstückseigentümer zur Umwidmung von Gewerbeflächen in Wohnbau- oder Einzelhandelsflächen sei auch der größeren Gewinnspanne bei der Vermarktung geschuldet. Erschlossene Gewerbeflächen werden laut Gutachterausschuss bei durchschnittlich 30 bis 45 Euro je Quadratmeter, Wohnbauflächen bei 120 bis 200 Euro je Quadratmeter und Sonderbauflächen für Einzelhandel bei 130 bis 160 Euro je Quadratmeter, also um das Vierfache gehandelt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Ein Blick von oben auf das ehemalige Betriebsgelände der Firma Sehn an der Oststraße. Foto: Stadt St. Ingbert. Foto: Stadt St. Ingbert

Die im St. Ingberter Rathaus zuständige Abteilung für Stadtentwicklung habe den Koalitionären in der Sitzung zudem zu bedenken gegeben: Der Rückgang der Gewerbeflächen durch Umwandlung sollte wohlüberlegt sowie konzeptionell geprüft und untermauert sein. Die Stadt besitze die Planungshoheit und sollte Umwidmungen nicht einem privaten Eigeninteresse oder Profitstreben, sondern dem Gemeinwohl unterstellen. Aus Sicht des OB sollten sich Lokalpolitiker nicht dem Verdacht des bezahlten Lobbyismus aussetzen.

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