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Nordost-Verbandsligisten sehen Kleinguppentraining vor allem als Kontaktpflege

Umfrage Fußball-Verbandsliga Nordost : Kontaktpflege und „Bewegungstherapie“ mit dem Ball

Verbandsliga Nordost: Umfrage bei Trainern zur Situation in der Corona-Zeit und der Möglichkeit zum Kleingruppentraining.

Wie der gesamte Saarfußball befinden sich auch die fünf saarpfälzischen Verbandsligisten weiterhin in der Corona-Pause. Ob die Saison fortgesetzt oder abgebrochen wird, ist noch immer unklar. Die letzten Lockerungen innerhalb der saarländischen Rechtsverordnung ermöglichen jetzt immerhin wieder in Kleingruppen – und mit Abstand – zu trainieren. Grund genug bei den Trainern der fünf Nordost-Verbandsligsten aus dem Saarpfalzkreis nachzufragen und sich über die Situation im Team und im Club zu informieren.

Patrick Vitt, Coach des Spitzenreiter SV Bliesmengen-Bolchen, hält derzeit weiterhin mit seinen Spielern losen Kontakt und vertraut darauf, dass sie sich individuell fit halten. „Jedem ist es frei überlassen, wie viel er in seine Grundfitness investiert“, sagt der 37-Jährige. Gerade weil noch kein Beginn des Spielbetriebes in Sicht, und damit gar kein Ziel vor Augen ist, wäre es nicht sinnvoll große Pläne zu erstellen. Gemeinsam mit der Vereinsführung sei er aber dabei, festzulegen, wie das weitere Prozedere in den kommenden Wochen gestaltet werden soll. Doch mehr als Kontaktpflege sieht Vitt in der Möglichkeit des eingeschränkten Trainings und der Chance, sich in Kleingruppen wieder begegnen zu können, nicht.

Beim sportlich ärgsten Konkurrenten, der SG Ballweiler-Wecklingen-Wolfersheim, die mit einem vier Punkte-Abstand auf dem zweiten Platz liegt, ist Trainer Peter Rubeck im ständigen Kontakt mit seinen Schützlingen. Einmal pro Woche wird eine Video-Konferenz gehalten. Dabei gehe es jedoch weniger um Fußball als um einen lockeren Austausch. Ein kleines Projekt, bei dem sich viele beteiligt hätten, sei kürzlich die Video-Produktion „Klopapier Challenge“ auf Facebook gewesen. Auch Rubeck sieht wenig Sinn darin, jetzt mit intensivem Training zu beginnen. Zumal er davon ausgeht, dass es vor September keinesfalls in den Punktspielbetrieb zurückgehen wird. Körperloses Training sei lediglich eine Bewegungstherapie, um auch wieder auf dem Platz mit dem Ball zu spielen, so der 58-Jährige. Auch der Ballweiler Coach legt die Fitness in die Eigenverantwortung jedes Einzelnen.

Auf dem siebten Rang liegt zum Zeitpunkt der Saisonunterbrechung der FC Palatia Limbach. Trainer Patrick Gessner hält den Kontakt mit seinen Spielern vor allem durch die Gruppe in der Plattform WhatsApp, wobei jeder sich mit vorgegebenen Trainingsplänen fit halten kann. Da die Palatia mit ihrem Sportgelände wie auch alle übrigen vier Clubs alle Voraussetzungen der DFB-Richtlinien zum Trainieren erfüllen kann, werde mit dem Verantwortlichen des Vereins daran gearbeitet, dies auch zeitnah in die Tat umzusetzen. Der 37-Jährige sieht aber bei den Trainingseinheiten, ohne dass ein Spielplan vorliege, lediglich die Möglichkeit, sich wieder zu begegnen, den sozialen Kontakt nicht abreißen zu lassen und ein bisschen mit der „Kugel“ zu spielen.

So sieht es auch Jan Berger. Für den Spielertrainer des Tabellennachbarn SV Schwarzenbach zielt das Kleingruppentraining auch weniger auf die Steigerung der Fitness ab, als darauf die sozialen Kontakte untereinander aufrecht zu erhalten. „Es wäre schade, wenn in der Corona-Pause der Teamgeist verloren ginge“, meint der 35-Jährige. Daher halte er auch eine intensive Verbindung zu den Spielern. „Wir tauschen uns in Online-Chats aus, ich gebe Workouts vor und wir nutzen die Netzwerke, insbesondere die WhatsApp-Gruppe, um auch Wochenziele zu definieren und darauf hin zu arbeiten“, erklärt Berger. Sollte das Training mit Beachtung der Hygienemaßnahmen in den nächsten Tagen beginnen können, so würden dabei insbesondere spielerische Elemente wie Pass-Spiel, Koordination und auch Torschüsse die tragenden Komponenten sein. „Jeder Spieler will auf den Platz, mit dem Ball arbeiten, aktiv werden“, sagt der SVS-Trainer.

Beim Tabellenschlusslicht FSV Jägersburg II konnte der neue Coach Goran Jurisic noch nicht richtig „warm werden“, als ihn und seine Mannschaft die Corona-Pandemie in die Zwangspause schickte. Seither sorgt jeder Spieler in eigener Regie für die Grundlagen-Ausdauer, während der 56-Jährige gemeinsam mit dem Trainer des FSV-Saarlandligateams, Tim Harenberg, und der Vereinsspitze an einem Konzept für das Training arbeitet.

Goran Jurisic, der in der Winterpause die Nachfolge von Peter Eiden angetreten hatte, hat keinen Wunsch vom außerordentlichen Verbandstag des Saarländischen Fußball-Verbands, der am 9. Juni stattfindet. „Die Gesundheit der Spieler geht vor und danach sollte man sich richten“, meint er zum Thema Saisonabbruch oder -fortsetzung.

Ballweiler Coach Peter Rubeck geht davon aus, dass die Saison abgebrochen wird, da es keinen Sinn mache, die Runde weiter zu spielen. Jedoch spricht er sich dafür aus, dass es sowohl Auf- als auch Absteiger geben sollte. Insgesamt bemängelt er die Strategie innerhalb des Deutschen Fußball Bundes (DFB), ist der Ansicht, dass der DFB die Marschroute hätte vorgeben müssen, damit nicht jeder Landesverband einzeln entscheiden müsse. Jan Berger spricht sich dafür aus, dass die Saison abgebrochen wird, dass dabei jedoch die Vorrundentabelle als Maßstab für Auf- und Abstieg herangezogen wird. Eine Fortsetzung der Spielrunde mache für ihn ebenfalls keinen Sinn. Der gleichen Meinung ist auch Patrick Gessner. Denn nur bei einem Abbruch könnten sich die Mannschaften auf den Beginn einer neuen Saison – wann auch immer diese dann starten würde – vorbereiten.

Jan Berger, Trainer SV Schwarzenbach. Foto: Wolfgang Degott/Degott
Patrick Gessner, Trainer FC Palatia Limbach. Foto:  Degott Foto: Wolfgang Degott/Degott
Patrick Vitt, Spielertrainer SV Bliesmengen-Bolchen. Foto: Wolfgang Degott/degott
Goran Jurisic, Trainer FSV Jägersburg II. Foto: Wolfgang Degott

Patrick Vitt hingegen erläutert, dass sich die Verntwortlichen des des SV Bliesmengen-Bolchen darüber verständigt hätten, für eine sportliche Fortsetzung der Runde zu plädieren. Falls es jedoch zum Abbruch kommt, erwartet er, dass es einen Aufsteiger geben müsse. Über die Abstiegsregelung müsse man sich unterhalten.