Neues aus dem Fürstentum

Was wäre, wenn der Eurovision-Song-Contest plötzlich in St. Ingbert über die Bühne gehen würde, erzählte Manuel Wolff am Donnerstag in der St. Ingberter Stadthalle. Der Kleinkünstler verlegte den Gesangswettbewerb in seinem Programm ins Saarland.

Die Überraschung am Donnerstagabend im kleinen Saal der Stadthalle war perfekt: Was beim ersten "A la Minute"-Kleinkunstabend des Kulturamtes der Stadt für 2014 keiner im Vorfeld ahnte: Der Eurovision-Song-Contest wurde in St. Ingbert ausgetragen. Dort hatte sich Manuel Wolff mit seinem aktuellen Programm "ui!" dazu aufgemacht, dem Publikum zu verdeutlichen, dass St. Ingbert ein eigenes Land sei. Ein Fürstentum gar. Und das tritt natürlich beim Liedwettbewerb auch selbst an. Teilnehmer Georg (Ähnlichkeiten waren zufällig), den Musikkabarettist Wolff neben anderen interpretierte, ging dabei mit einem Barock-Titel "Ach, Gott" an den Start.

Immer wieder durfte das Publikum Sänger, Musikstil und Titel bestimmen und so die Teilnehmerliste vervollständigen. Es versteht sich von selbst, dass am Ende, gemäß Applaus-Barometer, auch der St. Ingberter Titel siegte, und somit hier auch 2015 der Wettbewerb ausgetragen werden wird. Wozu dann also noch nach Kopenhagen fahren? Hier kann der Kölner Kabarettist doch Musikstücke regelrecht auseinandernehmen. Etwa den Beatles-Klassiker "He, Jude". Diesem hatte er einen neuen Text verpasst. Soweit nichts Besonderes. Wolff suchte sich jedoch insgesamt sieben Personen aus dem Publikum aus, die sechs Passagen abwechselnd vorsangen, während er sie sowohl stimmlich als auch musikalisch am Klavier unterstützte. Da ließ sich sogar am Ende ein Mann auf einen Solotanz auf der Bühne ein und wurde spontan von einer weiteren tanzenden Sängerin unterstützt. Beim Zugabe-Titel "Bohemian-Rhapsody" von Queen - laut Wolff "das schönste Lied der Welt" - sang er statt Englisch deutsche Schlagertitel aneinandergereiht. Da klingt es mehr als komisch, wenn "17 Jahr blondes Haar" in einem Atemzug mit "Mendocino" und "Zehn nackte Friseusen" im Mercury-Takt präsentiert wird. Umgekehrt kann sich Manuel Wolff mehr als gut über seine Feindbilder ("das schlechteste Lied der Welt") auslassen: Die Kelly-Family beispielsweise. Die Kölner Gruppe, die ehemals als "singende Altkleidersammlung" verspottet wurde. "Hiroshima I'm sorry" nimmt der Musikwissenschaftler dermaßen auseinander, dass es sowohl unterhaltend als auch informativ ist. Keinesfalls belehrend.

Wie auch sein E-Mail-Verkehr mit Ralf Siegel über dessen Song "The social network", der vor allem eines zu offenbaren scheint: Der Komponist versteht die Ironie des Herrn Wolff nicht, dessen Namensschreibweise er auch nicht rafft. Der kitzelt gerne mit Worten. So auch den Marketing-Chef seines Mobilfunkanbieters, den er auf ein fehlendes Lebkuchenherz (stattdessen aus Pappe!) in einem Schreiben aufmerksam macht.

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