Neuer Möbelmarkt kann kommen

St. Ingbert. Die Zukunft der letzten noch brachliegenden Fläche der früheren Glashütte hat begonnen. Der Stadtrat beschloss am Donnerstagabend, dass der bestehende Flächennutzungsplan teilweise geändert und ein Bebauungsplan für das etwa 16 000 Quadratmeter große Grundstück erstellt werden

St. Ingbert. Die Zukunft der letzten noch brachliegenden Fläche der früheren Glashütte hat begonnen. Der Stadtrat beschloss am Donnerstagabend, dass der bestehende Flächennutzungsplan teilweise geändert und ein Bebauungsplan für das etwa 16 000 Quadratmeter große Grundstück erstellt werden. Damit ist der Weg frei für die Ansiedlung eines Möbel-Mitnahmemarktes und eines Zoo-Fachhandels mit insgesamt 8800 Quadratmetern Verkaufsfläche. Vor allem aber liegt jetzt eine Menge Zündstoff in der Luft, denn die Liste der Gegner dieser Lösung ist lang. Neben den Nachbarstädten und Gemeinden ist darauf auch der Ortsrat St. Ingbert-Mitte vermerkt - 24 Stunden bevor der Stadtrat das Projekt bei fünf Nein-Stimmen und einer Enthaltung auf den Weg brachte, stimmte der Ortsrat unter dem Vorsitz von Ulli Meyer einstimmig dagegen.Einen großen Anteil hatte daran der St. Ingberter Küchenhändler Andreas Herzer. Seine Argumente gegen eine Ansiedlung der beiden Märkte haben wohl die letzten Ortsratsmitglieder davon überzeugt, der Beschlussvorlage ihre Zustimmung zu verweigern (wir berichteten). Vor dem Stadtrat tat er dasselbe - allerdings ohne Erfolg. "Von Anbeginn der Diskussion wurde nur das Ross, nicht der Reiter genannt", sagte Herzer und kritisierte damit, dass nur ganz wenige Eingeweihte wissen, welche Händler sich gerne an der Oststraße ansiedeln wollen. Zum Teil sollen selbst die Mitglieder von Orts- und Stadtrat nicht gewusst haben, wem sie mit ihrer Entscheidung Tür und Tor geöffnet haben. Herzer will den Namen inzwischen erfahren haben. Genannt hat er ihn nicht, aber so viel ließ er durchblicken: "Dieser Mitnahmemarkt verkauft im Sommer Nudeln und im Winter Streusalz."

Über die Auswirkungen der Ansiedlungen auf die Einzelhändler in der Stadtmitte lassen sich kaum exakte Vorhersagen treffen, dass die dort angesiedelten Händler aber nicht einmal angehört worden sein sollen, ist für Herzer "keine Art und Weise." Eines ist jedenfalls klar: "Ikea", dieser Name geistert seit Monaten durch die Stadt, kommt nicht.

Eindeutig haben sich die Stadt Saarbrücken positioniert. Baudezernentin Rena Wandel-Hoefer befürchtet einen Wettbewerb der Kommunen, der in deren Ruin enden könnte. Zudem verweist sie auf das städtebauliche Entwicklungskonzept der Stadt St. Ingbert, in dem es heißen soll, dass die Expansion des Einzelhandels abgeschlossen sei. Vielmehr wolle man statt auf Zuwachs den Erhalt des Einzelhandelsangebotes sichern.

Kritische Stimmen sind auch aus Neunkirchen zu hören: Bauamtsleiter Jürgen Detemple sieht in dem St. Ingberter Vorhaben einen Verstoß gegen die Ziele und Grundsätze des Landesentwicklungsplans "Siedlung", gepaart mit der Befürchtung, dass Kaufkraft aus seiner Stadt abfließt. Mit Sorge blickt die Industrie- und Handelskammer auf das Glashütten-Gelände. Sie teilt die Bedenken der erwähnten Städte und sieht es als notwendig an, vor allem die Verkaufsflächen für Sortimente, die es auch in der Innenstadt zu kaufen gibt, zu verkleinern. Stellungnahmen, die das Vorhaben des Stadtrates wohlwollend begleiten, sind von den Nachbarn nicht geäußert worden. Im Gegenteil: Der Regionalverband Saarbrücken hält den Bedarf an großflächigen Einzelhandelsbetrieben im Saarland für gedeckt und betrachtet Neuansiedlungen als "nicht bedarfsgerecht, nicht erforderlich und angesichts der demografischen Entwicklung nicht zukunftsfähig."