Neue Wege gegen schrumpfende Kopfzahl

Neue Wege gegen schrumpfende Kopfzahl

Weitere 100 Einwohner hat die Stadt St. Ingbert im vergangenen Jahr verloren. Die Geburtenrate blieb stabil, aber mehr Menschen sind gestorben. Großer Hoffnungsträger ist weiterhin der Zuzug. Der lag wie auch 2011 und 2012 über der Zahl der Wegzüge.

Zum Jahreswechsel ist die Zahl der Einwohner in St. Ingbert unter die 37 000-Grenze gefallen. Die Stadtverwaltung gibt an, dass zum Stichtag 31. Dezember 36 907 Personen hier ihren Erstwohnsitz gemeldet hatten. Das bedeutet mehr als 100 Einwohner weniger als im vergangenen Jahr. Diese Tendenz setzt den Trend der vorhergehenden Jahre deutlich fort. Seit 1995 ist die Bevölkerungszahl stark im Sinkflug.

Ausschlaggebend ist die große Differenz zwischen Sterbefällen und Geburten. 501 verstorbene Menschen hat St. Ingbert zu beklagen, 232 neue Bürger wurden in die Welt gesetzt. Während die Zahl der Geburten im Vergleich zu den vergangenen Jahren recht stabil bleibt, öffnet sich die Schere nach oben hin bei den Sterbefällen wieder einmal weiter.

Das Zensus-Ergebnis von 2013 hat die Stadt laut Stadtsprecher Peter Gaschott "zähneknirschend akzeptiert", trotz den dadurch finanziellen Verlust von etwa 12 000 Euro, den die Stadt über die Schlüsselzuweisungen vom Land für die Kopfzahl nun weniger erhält. Nichts desto trotz passt die Stadtverwaltung ihre Zählweise nicht an: "Wir schreiben unsere Zahlen fort", so der Pressesprecher.

Zuzug heißt das Zauberwort

Die positive Bilanz bei den Zuzügen bietet in der Mittelstadt Grund zur Freude. 1578 Personen haben sich 2013 dazu entschieden, hier zu wohnen. Seit mehreren Jahren wächst die Zahl nahezu konstant an. Doch bei der ebenso gestiegenen Zahl derer, die St. Ingbert im vergangenen Jahr verlassen haben - 1449 Personen - klammert sich die Verwaltung an den Rettungsring namens Zuzug. Um noch mehr neue Bürger für St. Ingbert zu erreichen, hatte die Verwaltung eine Neubürgeragentur ins Leben gerufen. Doch das war nach Angaben Gaschotts eine "vielleicht etwas diffuse Sache". Ziel war es, jeden, der nach St. Ingbert kommt, "an die Hand zu nehmen", ihm bei Wohnungsvermittlung bis hin zum Kindergartenplatz zur Seite zu stehen. Immobilienmakler beklagten sich jedoch über das neue kostenlose Angebot der Stadt, das für sie eine Konkurrenz darstellte.

Bei der Gewinnung von Neubürgern musste die Stadt also neu fokussieren. Die laut Gaschott "neue Stoßrichtung" geht dahin, Fachkräfte in die Mittelstadt zu locken und gezielt zu fördern. Die Verantwortung liegt dabei nun in der Abteilung Wirtschaftsförderung - die Neubürgeragentur sagte adé.

Auch Studenten sollen St. Ingbert bevölkern, so der Wunsch der Stadtverwaltung. Dazu habe man ein ganzes Paket an Maßnahmen in Angriff genommen, erklärt Gaschott. Die Anbindung an die Universität sei nun besser, Busse fahren auch in vorlesungsfreien Zeiten. Die Zeiten, in denen diese die Universität anfahren, seien zudem ausgeweitet worden. Außerdem gibt es nach den Angaben des Stadt-Sprechers auch eine Vielzahl von Gesprächen der Verwaltung mit Hausbesitzern und Investoren, die es ermöglichen sollen, St. Ingbert als Wohnort für Studenten attraktiv zu machen. Dazu Gaschott: "Es sind Pläne im Gespräch." Solange aber keine Verträge unterschrieben sind, gebe es keine genaueren Informationen.