Neue Impulse aus Fernost

Keramikkunst ist in Südkorea ein ganzer Industriezweig. Die Künstlerin Sigrid Caspar verbrachte im Sommer vier Wochen dort, um am Raku-Festival teilzunehmen und um Studenten vor Ort ihre Technik der figürlichen Kunst näherzubringen.

. Normalerweise ist die Keramikerin Sigrid Caspar in ihrem Atelier im Innovationspark am Beckerturm anzutreffen, wo sie schon mal Kollegen zu einem Workshop empfängt. Oder sie besucht selbst Fortbildungen in Europa. Doch im Juli und August ging die Künstlerin für knapp vier Wochen auf "Dienstreise" nach Südkorea, wo sie zum Raku-Festival eingeladen war. Raku ist laut der Online-Enzyklopädie Wikipedia eine spezielle Brenntechnik keramischer Massen, die im 16. Jahrhundert in Japan entwickelt wurde. In der westlichen Welt wurde die Raku-Technik, deren Merkmal es ist, beim Abkühlen rissähnliche Strukturen, das Krakelee, zu bilden, zu einem eigenen Stil abgewandelt. Grund genug, auch aus Europa Teilnehmer des Festivals ins Land der Morgenröte einzuladen. Neben Sigrid Caspar gab der Spanier Juan Orti Garcia den koreanischen Studenten Unterricht in seiner Technik. Noch heute ist Sigrid Caspar rätselhaft, wie sie wirklich zu der Einladung kam. Irgendwann habe sie einer Koreanerin in einer Schule eine Visitenkarte von sich gegeben, die diese wohl dem Direktor der Uni in Seoul weiter reichte. Dieser begab sich auf Caspars Homepage und war angetan von dem, was er dort sehen und lesen konnte. Erst vier Wochen vor dem Flug bekam sie das Bewerbungsformular. "In Korea ist die Keramik ein großer Industriezweig", weiß Sigrid Caspar, "es wurden ausländische Künstler eingeladen, damit die Studenten vor Ort mit uns arbeiten können und sehen, was woanders wie gemacht wird." Insgesamt waren sieben Nationen im Camp am Meer untergebracht. Neben den beiden Künstlern aus dem fernen Europa waren noch Keramiker aus Singapur, Japan, Malaysia, China und natürlich Korea vor Ort. In einem extra gebauten Brennofen in Form eines Rochen entstanden so viele Kunstwerke. In Südkorea sah Sigrid Caspar auch, was ihre Kunst so besonders macht: "Während fast alle der Teilnehmer ihre Schüsseln, Vasen, Tassen oder Kannen drehen, baue ich meine Objekte und schaffe figürlich." Das interessierte auch die koreanischen Studenten , von denen am siebenstündigen Arbeitstag mal fünf oder auch zehn kamen, um sich bei ihr die Besonderheiten abzuschauen und "Keramik-Hände und Tiere bis zum Abwinken" zu fertigen, wie Caspar erzählt. Sie bekam in Korea mit "seinem eigenen Charme" viele Anregungen, tauschte ihre von St. Ingbert mitgebrachten Werke mit den asiatischen Kollegen. Die während des Festivals entstandenen Teile allerdings blieben im Land und werden in Zukunft bei Staatsempfängen verschenkt. Eine besondere Ehre kam der Saarländerin bei der Eröffnung des "Goseong Raku-Festivals 2015" zu, denn sie durfte die Rede halten. Grund dafür dürfte gewesen sein, dass sich Südkorea mit seiner Grenze zum Norden mit Deutschland vergleicht, das auch lange aus zwei geteilten Staaten bestand. Neben der effektiven Arbeit wurden den Ausländern auch drei Touren geboten, um etwas vom Gastland zu sehen.

An den beiden kommenden Wochenenden zeigt die Künstlerin in ihrem Atelier zu denselben Öffnungszeiten wie die Turmkünstler bei "Kunst am Beckerturm " sowohl die asiatischen Mitbringsel als auch eigene Kreationen wie "irre" Frösche auf Bambus, Wandobjekte, Schalen und noch vieles mehr.

sigridcaspar.de