Neue Gesichter in den Gremien

Die strukturelle Änderung im Bistum Speyer bringt auch neue Gremien mit sich. Welche Aufgaben die frisch gewählten Mitglieder haben, erläutern die Pfarrer Andreas Sturm und Marcin Brylka.

Lediglich zehn Prozent der Katholiken in der neuen Pfarrei Heiliger Ingobertus in St. Ingbert-Mitte sind zur Urne gegangen, um ihre Vertreter in den Gremien zu wählen. In der Pfarrei Heiliger Martin mit Rohrbach, Hassel und Oberwürzbach lag die Wahlbeteiligung sogar bei durchschnittlich sieben Prozent. In der Politik würde man da Alarm schlagen. In der Kirche nimmt man das gelassen. "Es widerspiegelt ziemlich gut die Anzahl an Gottesdienstbesuchern", stellt Pfarrer Andreas Sturm, der der Pfarrei Heiliger Ingobertus vorsteht, fest. Der Andrang sei dort auch nicht gerade riesig. Und dennoch gab es bei der Kandidatenaufstellung für die Gremien auch eine angenehme Überraschung. "25 der jetzt für vier Jahre gewählten Mitglieder waren zuvor noch nie in einem Pfarrgremium", so der Pfarrer .

Während sich der Verwaltungsrat mit Gebäudemanagement und Finanzen befasst, sollen die Mitglieder des Pfarreirates inhaltliche Impulse geben. "Es ist wichtig, weitere Angebote zu entwickeln, gerade für jene Menschen, die wir bisher nicht erreichen", sagt Sturm. Als Beispiel nennt er den Tiersegnungsgottesdienst. Dort habe er Menschen getroffen, die er sonst nie bei der Sonntagsmesse gesehen habe.

Die erste Baustelle wird sein, die Stärke der einzelnen Pfarreien, die zu Heiliger Ingobertus gehören, auszuloten. Sturm hat schon eigene Vorschläge: "Ich fände es sinnvoll, wenn jede Pfarrei Referenzpfarrei für unterschiedliche Bereiche werde, zum Beispiel für Kindergottesdienste oder Frauenmesse." Wie das aussehen könnte, darüber soll aber der Pfarreirat entscheiden.

Dass auf die Kirche neue Aufgaben zukommen, zeigt beispielsweise der Umgang mit Flüchtlingen. In St. Pirmin werden welche untergebracht und in eine Wohnung im ehemaligen Pfarrhaus sollen bald Asylbewerber einziehen. "Es ist unsere Aufgabe als Christen, die muslimischen Flüchtlinge aus Syrien zu unterstützen sowie alle Menschen, die in Not sind", sagt Sturm. Dazu gehören auch die Obdachlosen, die jeden Tag im von der Kirche getragenen "Treff em Gässjen" eine warme Mahlzeit bekommen.

Wenn sich manche Vorhaben wahrscheinlich zeitnah umsetzen ließen, gebe es für die Mitglieder des Pfarreirates auch langfristige Aufgaben. "Das Pastoralkonzept zu erarbeiten könnte bis zu zwei Jahren dauern", gibt Pfarrer Marcin Brylka von der Großpfarrei Heiliger Martin ein Beispiel. Genau wie sein Kollege Sturm kennt Brylka die Vorbehalte über den Zusammenschluss der einzelnen Gemeinden unter dem Dach einer Großpfarrei. "Sie haben Angst, unterzugehen." Dabei hätten die Katholiken neben Pfarreiräten und Verwaltungsräten auch die Gemeindeausschüsse gewählt. Diese Ausschüsse gibt es in jeder Pfarrei, so bleiben auch nach dem 1. Januar ihre Mitglieder die ersten Ansprechpartner für Fragen rund um die Gemeinde.

Die Arbeit auf der Ebene einer Großpfarrei sieht Sturm als eine langfristige Entlastung. Dadurch würden Synergieeffekte entstehen, Zeit gespart. Noch bevor zum Jahresanfang die neuen Strukturen ihre Arbeit aufnehmen, will Sturm alle Pfarreien von Heiliger Ingobertus zusammenbringen. Am ersten Advent sind ein großer gemeinsamer Gottesdienst aller sieben Pfarreien und ein Fest der Begegnung geplant.

Zum Thema:

Auf einen BlickMitglieder im Pfarreirat Heiliger Ingobertus: Jörg Hemmerling, Ulrike Selgrad, Andrea Thome-Braun, Martin Wieczorek, Carsten Neuheisel, Roland Roschy, Christian Braun, Marcella Hien, Heinz Scholl, Sabine Schreier, Eveline Bautscha, Holger Burgard.Pfarreirat Heiliger Martin: Jürgen Dressler, Thomas Krapp, Andreas Pieter, Dorothee Bost-Kattler, Gabriele Spieldenner, Hansjörg Huber, Ulrike Leinhäuser, Beate Dohr, Markus Klein, Monika Dillbaum, Irmgard Schüler-Wilhelm.

Mehr von Saarbrücker Zeitung