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Nephrologin klärt über Nierengesundheit auf

Nephrologin im Interview : „Nikotin ist der Nierenkiller Nummer eins“

Der Weltnierentag, der einmal im Jahr begangen wird, soll an die Wichtigkeit des Organs erinnern. Doch was ist überhaupt dessen Aufgabe und wie kann ich es gesund halten? Darüber klärt Dr. Mojgan Mahyar-Römer vom Nierenzentrum in Püttlingen auf.

Warum ist die Niere ein wichtiges Organ für unseren Körper? Was sind ihre Aufgaben?

Dr. Mojgan Mahyar-Römer: Die Niere ist ein Organ mit vielfältigen Aufgaben. Hauptsächlich entfernt sie Giftstoffe aus dem Körper, reguliert die Menge an Wasser im Körper und die Menge an darin gelösten Salzen. Die Niere produziert umso mehr Urin, je mehr Wasser durch Essen und Trinken aufgenommen wird. Die meisten der im Urin enthaltenen Salze werden von der Niere zurückgewonnen. Verbleibt mehr Wasser im Körper, steigt der Blutdruck und sind zu viel Salze gelöst, wird mehr Wasser zurückgehalten, und der Blutdruck steigt ebenfalls. Darüber hinaus kontrollieren die Niere und die Lunge in feinregulierter Zusammenarbeit, wie sauer oder basisch das Blut ist. Nicht zuletzt ist die Niere aber auch ein Organ zur Herstellung wichtiger regulierender Substanzen wie Hormone – etwa das Erythropoetin – und Vitamin D. Erythropoetin kontrolliert die Blutbildung, während Vitamin D für den Aufbau von Knochen unerlässlich ist.

Wie halte ich meine Niere gesund?

Mahyar-Römer: Wer seine Nieren gesund halten möchte, sollte vor allem auf das Rauchen verzichten. Nikotin ist der Nierenkiller Nummer eins. Ein zu hoher Blutdruck über längere Zeiträume ist ebenfalls mit einer gesunden Niere nicht vereinbar. Hoher Salzkonsum, Übergewicht und körperliche Inaktivität sind als Blutdrucktreiber bekannt. Eine ausreichende Trinkmenge zum Spülen der Nieren ist ebenfalls zu beachten. Schließlich schädigt auch der erhöhte Blutzucker die kleinen Blutgefäße in den Nieren erheblich.

Bei welchen Symptomen sollte ich aufmerksam werden und die Niere untersuchen lassen?

Mahyar-Römer: Eine noch nicht sehr weit fortgeschrittene Nierenschwäche produziert kaum Symptome, was diese Erkrankung besonders gefährlich macht. Ist die Niere jedoch erst ernsthaft geschädigt, zeigt sich dies oft durch Wasseransammlung in Geweben, allgemeine Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Juckreiz, Appetitlosigkeit und Blässe. Es ist daher wichtig, insbesondere bei fortgeschrittenem Alter, Bluthochdruck oder Diabetes, regelmäßig Untersuchungen beim Hausarzt vornehmen zu lassen. Jährliche Routineuntersuchungen sind für alle empfehlenswert. Bei Auffälligkeiten sollte ein Nephrologe (Nierenspezialist, Anm. der Redaktion) hinzugezogen werden. Eine rechtzeitige fachgerechte Behandlung verhindert oder verzögert das Nierenversagen und damit die Dialysepflicht.

Wann muss ein Patient zur Dialyse?

Mahyar-Römer: Zur Beurteilung, wann ein Patient zur Dialyse muss, ist dessen ganzheitliche Betrachtung notwendig. Es sind nur selten einzelne Werte allein für die Entscheidung ausschlaggebend. Aufgrund der Komplexität gibt es keine simplen und verbindlichen Grenzwert basierte Standards. Es existieren allerdings Veränderungen im Körper, die eine sofortige Dialyse unbedingt notwendig machen. Hierzu gehören die nicht-medikamentös beherrschbare Überwässerung sowie ein Zuviel des Salzes Kalium im Blut, das zum Herzstillstand führen kann. Wenn die Fehlfunktion der Niere zu einer Vergiftung des Blutes führt, ist die Dialyse lebensrettend.

Was passiert bei der Dialyse und was bedeutet sie für den Patienten?

Mahyar-Römer: Die Dialyse ersetzt die Filterfunktion der Niere und rettet Leben. Die gewöhnliche Hämodialyse (Blutwäsche, Anm. der Redaktion) wird in der Regel dreimal wöchentlich für jeweils zirka vier Stunden in einer Dialyseeinrichtung durchgeführt. Alternativ kann eine Bauchfelldialyse angeboten werden, die auch vom Patienten nach einer intensiven Schulung in häuslicher Umgebung vorgenommen werden kann. Das beste Nierenersatzverfahren ist allerdings die Transplantation. In jedem Fall müssen die Behandlungen von einem Nephrologen begleitet werden.