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Naturdenkmal: der Gingko-Baum im Rentrischer Weg

Serie: Naturdenkmäler in St. Ingbert : Gingko-Baum im Rentrischer Weg ist ein Naturdenkmal

Es sind die Bäume, die heute die Geschichte der „Krämerschen“ erzählen, einer Industrieellenfamilie, die im vorletzten Jahrhundert die Mittelstadt prägte und von der heute das verloren ist, was Herzstück ihrer Residenz war.

Die Bäume im Elstersteinpark haben das damalige „Schloss“ genannte Prachthaus überlebt, ebenso der Ginkgo am „Krämerschen Schlösschen“ in St. Ingbert. Das Schlösschen sucht man heute vergebens, hier ist Industriegebiet. Der Ginkgo steht auf privatem Gelände der Firma „msb mobile solutions for business“, die uns erlaubt, die Aufnahmen anzufertigen. „Es ist unser Heiligtum, wir wissen nicht viel über den Baum, nur dass man ihn nicht anfassen darf“, sagt ein Mitarbeiter, wobei man das aber auch gar nicht vorhabe. Der Baum steht in einer Grundstücksecke nahe der Zufahrt zum Gelände des IT-Händlers und ist von Brombeerhecken dicht umkreist. Dem Stamm kann man sich nur mit Überwindung nähern, der Baum muss sich wie Dornröschen fühlen.

Die St. Ingberter Geschichtswerkstatt beschreibt die Krämerschen so: „Knapp 100 Jahre lang war das Anwesen der Familie Krämer von einem hohen Zaun umgeben und nur einem auserwählten Personenkreis zugänglich. Nach dem Tod der letzten „Schlossherrin“ verkaufte Sohn Heinrich IV. das Gut an einen privaten Investor. Doch dessen Konzept „Erlebnis-Gastronomie“ ging in Konkurs und so kam 1938 das Ensemble in den Besitz der Stadt St. Ingbert, die aus dem abgeriegelten Privatgelände einen Bürgerpark machte, zugänglich für Jedermann. Allerdings vereitelten der Zweite Weltkrieg und seine Folgen alle Pläne und guten Absichten. Kindergarten, Volkssturm-Zentrale, Französisches Offizierskasino, Polizeischule wurden auf dem Elsterstein untergebracht. Allesamt keine guten Hüter des Anwesens. Und so kam, was kommen musste: Vernachlässigung, Verfall, Abriss, Neubau von Mathildenstift und Haus Elstersteinpark, komplette gärtnerische Umgestaltung des Geländes.“ Das Schlösschen ist weg, die Pflanzen sind geblieben. Der Ginkgo in Rentrisch gehört dazu und steht unter Naturschutz. Die Baumart wurde als Zierbaum 1730 aus China nach Europa verschifft und gilt als lebendes Fossil, weil er sich seit Urzeiten unverändert erhalten hat. Der Baum kann 1000 Jahre alt werden, der Ginkgo im Rentrischer Weg wird auf runde 150 Jahre geschätzt. Er steht unter Naturschutz als Einzeldenkmal und wird von der Stadt gepflegt.