1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Naturdenkmäler: Die Platane an den Arbeiterhäusern in St. Ingbert

Naturdenkmal in St. Ingbert : Baumriese mit Industrie-Geschichte

SZ-Serie zu Naturdenkmälern in unserer Region: Die mächtige Platane an den Arbeiterhäusern auf der Alten Schmelz.

Die Platane an den Arbeiterhäusern im Bereich der Alten Schmelz in St.Ingbert dürfte zu den mächtigsten Bäumen in der Region gehören. Wollte man aus dem Stamm einen Wohnzimmertisch fertigen, dann würde es genügen, eine Scheibe rauszusägen. „Wenn man das passende Wohnzimmer dazu hat“, scherzt der Eigentümer, der in der Zeitung nicht genannt werden wollte, mit uns aber über „sein“ Naturdenkmal sprach. Wer mit dem Audioguide durch die denkmalgeschützte Industriesiedlung geht, findet die Platane an Station 14. Hier erfährt der Besucher etwas über die Häuser. Die drei Langhäuser auf der Hangseite wurden demnach zu Beginn des 19. Jahrhunderts erbaut. Sie zeigten zwei für frühe Industriesiedlungen typische Merkmale: Das Zusammenfassen mehrerer Wohnungen zu einer Häuserzeile und die Gebäudeausrichtung parallel zum Hang. In jedem Haus befanden sich fünf oder sechs Wohnungen für Arbeiterfamilien, die in der nahen Eisenhütte schwere Arbeit leisteten.

Die Alte Schmelz ist die älteste erhaltene Werkssiedlung Südwestdeutschlands und erlaubt heute noch den Blick zurück, zeigt die Hierarchie im Eisenwerk, die sich in der Architektur niederschlug. Die Möllerhalle von 1750 ist das älteste Industriedenkmal des Saarlandes, sie steht hier im Gelände. Und da die Besitzer des Werks ein Faible für Gartengestaltung hatten, waren Bäume nicht die einzigen Pflanzen, die zur Zierde des Ensembles beitrugen. Einzig, dass nur die Bäume die Zeiten überdauert haben, wie die mächtige Platane, die ihr Besitzer auf 1860 datiert. Der kleine Garten, in dem sie steht, leidet unter der Dominanz des Baumes. Im Herbst erdrücken die Blätter die Wiese, Schatten nimmt dem Boden das Licht, das Blätterdach das Wasser. Insofern wächst nicht viel unter der Baumkrone, dafür würden sich Erdwespen wohlfühlen. Das der Baum trotz seines rekordverdächtigen Stammes nicht die ausladende Krone der Platanen in der direkten Nachbarschaft hat, liege am Rückschnitt. Anwohner berichten, dass alle drei Jahre etwa die Baumkrone zurückgeschnitten werde, zehn Meter habe man die Äste insgesamt zurückgeschnitten. Der Grund: Die direkte Nähe zu den Arbeiterhäusern wurde kritisch. Und unter Schutz stehen beide: unter Denkmalschutz das Haus und unter Naturschutz der Baum. Die Pflege übernehme das Landesamt für Umweltschutz, zuletzt habe es eine Firma aus Köln beauftragt, die Platane zu stutzen. Das Schöne: Platanen wachsen stets nach, aus den Schnittstellen kommen sehr schnell junge Äste.