Nachtwächter aus Leidenschaft

Es ist fast so, als hätte jemand die Zeit um 200 Jahre zurückgedreht. Denn hin und wieder ist der Nachtwächter in den Gassen der alten Stadt unterwegs. Anders als damals ist er aber nicht mehr alleine.

"Hört ihr Leut' und lasst euch sagen..." - in früheren Zeiten war dieser nächtliche Ruf das Zeichen dafür, dass der Nachtwächter unterwegs war. Seine Aufgabe war es, nachts durch die Straßen und Gassen einer Stadt zu gehen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Er warnte die schlafenden Bürger vor Feuer, Feinden und Dieben, und häufig war es auch seine Aufgabe, die Stunden anzusagen. In den Städten gehörte dieses Amt zu den Bürgerpflichten und wurde abwechselnd von Männern ausgeübt. Heute ist der Beruf des "klassischen" Nachtwächters ausgestorben. Man kennt ihn nur noch aus Erzählungen oder aus Filmen.

Doch diesen schönen Brauch aus der guten alten Zeit kann man bereits seit einigen Jahren in Blieskastel wieder erleben. Bereits im dritten Jahr in Folge schlüpft ab kommenden Sonntag Siegfried Hess aus Mimbach wieder in die Rolle des Nachtwächters, nachdem zuvor Luitgard Glaser vier Jahre lang als Nachtwächterin fungiert hatte. "In der vergangenen Saison waren pro Veranstaltung jeweils rund 30 Menschen bei meinen Führungen als Nachtwächter", erzählt Hess, der am Dienstag zu Gast in der Redaktion Blieskastel war. Sein Besucherrekord war eine Veranstaltung mit 120 Personen, wie der ehemalige Grundschulrektor stolz erzählt. Auch private Anfragen von Gruppen gibt es immer mal wieder (siehe "Auf einen Blick"). Siegfried Hess begleitet seine Gäste durch die Altstadt, führt sie durch die schönsten Gassen und Winkel, erklärt geschichtlich fundiert und dennoch unterhaltsam alle besonderen Sehenswürdigkeiten. Es geht vom Paradeplatz über die Schlosskirche und die Orangerie bis hin zum Kloster, wo ein Umtrunk auf dem Programm steht. Der gebürtige Biesinger hat als Ansatzpunkt für seine Rolle einen Nachtwächter aus der Zeit zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewählt und berichtet als Marti Voit vorwiegend vom Alltagsleben aus der Stadt zur damaligen Zeit. Auch Ehefrau Edeltraut wirkt mit, allerdings eher im Hintergrund. Sie ist für das Organisatorische zuständig, baut auf seinem Weg Kerzenlaternen auf. Hess hat viele Geschichtsbücher studiert, um auch für Fragen aus dem Publikum gerüstet zu sein.

Der 70-Jährige freut sich insbesondere, dass die Brudermannsklause im Klostergarten, die eine Station auf seinem Nachtwächter-Rundgang bildet, wieder gut in Schuss ist. Schüler des Homburger Saarpfalz-Gymnasiums hatten sich im Rahmen eines Seminarfachs "Gestaltete Umwelt" um die Renovierung der Brudermannsklause im Blieskasteler Klosterpark verdient gemacht. Auch die renovierte Gnadenkapelle lässt er bei seinem Rundgang nicht aus. Vielen Gästen hat Siegfried Hess bereits mit seinen Nachtwächterrundgängen Freude bereitet. Und das schönste Kompliment, das von den Teilnehmern kommen kann, ist, wenn gesagt wird: "Man spürt, dass Sie das gerne machen."

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Auf einen BlickDie erste öffentliche Führung mit dem Nachtwächter findet am Sonntag, 27. Oktober, um 18 Uhr statt. Treffpunkt ist das historische Rathaus I am Paradeplatz. Der Kostenbeitrag beträgt 3,50 pro Person, Kinder bis 14 Jahre sind frei. Weitere Termine sind jeweils sonntags am 17. November, 1. und 15. Dezember, 12. Januar, 9. und 23. Februar und 9. März geplant. Eine zweistündige Führung mit dem Nachtwächter durch die Barockstadt ist auch als private Veranstaltung oder für Gruppen möglich. Weitere Informationen beim Blieskasteler Verkehrsamt, Telefon (0 68 42) 926-13 14, E-Mail: verkehrsamt@blieskastel.de. ert