Nach Trennung doppelt erfolgreich

Es kommt häufiger vor, dass Vereine ihre Jubiläen in der Stadthalle feiern. Doch dass gleich zwei Clubs gemeinsam eine Geburtstagsparty schmeißen, ist eher eine Ausnahme. Die Gala am Samstagabend steht ganz im Zeichen der Deutschen Jugendkraft – ausgerichtet von der DJK St. Ingbert und der DJK-SG.

Sportbegeistert war die katholische Jugend schon immer - das führte im Jahr 1920 zur Gründung der Deutschen Jugendkraft - dem Reichsverband für Leibesübungen in katholischen Vereinen. Drei Jahre später, also vor 90 Jahren, sprang der Funke nach St. Ingbert über. Männer wie Ludwig Flick, Valentin Reidelstürz, Alois und Nikolaus Reinhard, Hans und Karl Peters und Kaplan Friedrich Wentz bauten die DJK St. Ingbert auf, aktuell steht Michael Jung an der Spitze des Vereins, der heute etwa 550 Mitglieder zählt. Seine Geschichte begann mit dem Fußballsport, und er ist auch heute noch das Aushängeschild. Doch während dieser 90 Jahre ist einiges passiert: Das Verbot der DJK unter den Nazis, der Wiederaufbau in den 50er Jahren, dann das Jahr 1963: Den ersten Bundesligaspieltag überhaupt verfolgten die damaligen DJK-Spieler zwar eher im Radio, vielleicht waren einige auch Augenzeugen, als der 1. FC Köln im Saarbrücker Ludwigspark 2:0 gewann - entscheidend für St. Ingbert war in jenem Jahr jedoch die Geburtsstunde der zweiten DJK mit dem Zusatz "Sportgemeinschaft". Sie wird von Ursula Hager geführt.

Die Vorsitzende, erst die Zweite in einem halben Jahrhundert, spricht vorsichtig von einem "Kompetenzstreit", der vor 50 Jahren zur Gründung der DJK-SG geführt habe. 15 Frauen schlossen sich zusammen, um gemeinsam ein wenig Gymnastik zu betreiben. "Wahrscheinlich", versucht Hager zu rekonstruieren, "wollten die Frauen einfach nur ihre Selbstständigkeit, denn die DJK war sehr männerlastig. Das waren wohl die Vorboten des gesellschaftlichen Umbruchs, der dann ab 1968 kam." Was die 15 Frauen damals bestimmt nicht ahnten: Sie legten den Grundstein für den mit rund 2300 Mitgliedern größten Sportverein der Stadt und zum drittgrößten des Saarlandes. Neidlos erkennt dies Michael Jung an. "Wir sind der Fußballverein, die SG ist der Vielspartenverein." Als Erfolgsrezept nennt die Vorsitzende die gängige Praxis, stets die Zeichen der Zeit zu deuten. "Wir haben mehr als 20 Gruppen mit mehreren Altersklassen, wir kooperieren mit Schulen und Kindergärten. 900 unserer Mitglieder sind jünger als 18 Jahre", erklärt Hager.

Bei der Ur-DJK läuft vieles im kleineren Rahmen ab, doch die Perspektive stimmt auch hier: 50 Prozent der Mitglieder sind 19 Jahre oder jünger, der Verein steht auf wirtschaftlich gesunden Füßen und leistet fruchtbare Jugendarbeit. Bestes Beispiel: Lukas Kohler. Der 26-Jährige, der seit Sommer für den Zweitliga-Aufstiegsaspiranten 1. FC Heidenheim spielt, holte sich bei der DJK die Grundlagen für seine Profi-Karriere. Nur sportlich könnte es besser laufen. Denn die Bezirksliga ist für die erste Mannschaft gewiss nicht das Ende aller Träume. Doch Michael Jung ist optimistisch, er baut auf die starke Jugendabteilung - mit der Zahl der Mannschaften gehört sie zu den am stärksten besetzten im Land. Die DJK SG hingegen ist besonders stolz auf seine Eisenmänner: Triathlet Jonas Breinlinger wurde im Juli deutscher Juniorenmeister - das ist das Ergebnis, wenn die Trainer und Übungsleiter eine hohe Ausbildung genossen haben.

Jung. "Die Vereine verbindet auch im Alltag viel. Ein Beispiel: Die Eltern sind in der Gymnastikgruppe der DJK-SG aktiv, der Sohn spielt bei uns in der Jugend Fußball." Da ist es irgendwie logisch, dass nun gemeinsam gefeiert wird: 90 Jahre DJK, 50 Jahre DJK-SG.

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auf einen BlickDie gemeinsame Jubiläumsveranstaltung von DJK St. Ingbert und der DJK-SG St. Ingbert beginnt am Samstag in der Stadthalle um 18 Uhr mit einem Sektempfang. Um 19 Uhr hält zunächst Michael Kuhn, der geistliche Beirat des DJK-Diözesanverbandes Speyer, eine Einführungsrede. Anschließend treten Vertreter von Land und Stadt ans Mikrofon. Weitere Reden sind von Vertretern verschiedener Sport-Landesverbände vorgesehen. Ferner ehren die Vorsitzenden ihre Mitglieder für 25-, 30-, 40- und 50-jährige Mitgliedschaft. Ab etwa 21 Uhr soll der inoffizielle Teil der Feier starten, dann wird eine Fotopräsentation gezeigt. obe