Nach Feierabend kurz an den Strand

Vom Saarpfalz-Kreis zog es Hiltrud Denter zur mehr als 3000 Kilometer entfernten kanarischen Insel La Gomera. Dort freut sich die Auswanderin vor allem über eine höhere Lebensqualität.

Einfach die Koffer packen, den Job kündigen und ab auf die Atlantikinsel La Gomera - manche Menschen mögen davon träumen, aber Hiltrud Denter (56) hat es getan: Die ehemalige Angestellte eines katholischen Kindergartens in St. Ingbert führt jetzt ein ruhiges Aussteigerleben auf der spanischen Kanareninsel. "Ich habe hier viel mehr Lebensqualität als im Saarland", sagt Hiltrud Denter im gomerischen Küstenort Vueltas - einer ruhigen Hafensiedlung mit vierstöckigen Appartementhäusern, kleiner Strandbucht und bunten Fischerbooten.

Die ehemalige Albertus-Magnus-Schülerin und gelernte Erzieherin arbeitet dort seit 2006 als Verkäuferin in der Bäckerei "Pan de Vueltas". 30 Stunden ist sie wöchentlich tätig, um ihre deutschen und spanischen Kunden am Strand des kleinen Hafenortes mit selbst gebackenen Torten, Brötchen und Broten zu verwöhnen. "Ich kann beim Arbeiten die Fischerboote sehen. Und wenn ich Feierabend habe, kann ich im Atlantik baden. Das ist ein Stück Lebensqualität , auf das ich nicht mehr verzichten möchte", schwärmt die gebürtige St. Ingberterin und langjährige Anwohnerin des Sechs-Eichen-Wegs.

Hiltrud Denter war bereits 1997 nach La Gomera ausgewandert, weil sie in einem katholischen Kindergarten in St. Ingbert arbeitslos geworden war - und sich bei einem Urlaub in die spanische Insel der Lorbeerwälder, Palmentäler und terrassierten Berghänge verliebt hatte. "Ich habe auf Gomera Arbeit angeboten bekommen, ohne danach gefragt zu haben. Da habe ich das Auswandern einfach mal ausprobiert", erzählt sie. Auf der Insel könne sie ein freieres Leben führen, sagt sie - mit ganzjährigem Sonnenschein, langen Bergwanderungen und gelegentlichen Beachball-Spielen am Strand. "Die Sonnenuntergänge sind hier traumhaft schön - und ich muss nicht einmal im Winter heizen", schwärmt die ehemalige St. Ingberterin. "Aber wenn du auf Gomera nicht klarkommst, spuckt dich die Insel ganz schnell aus", betont sie. Die ersten acht Jahre habe sie in einer Restaurantküche gearbeitet. Dann jobbte sie als Kellnerin in einem Café - und heute kann sich Hiltrud Denter ein Appartement im Ortsteil Borbalan leisten.

"Heimweh und Krisen habe ich hier nicht erlebt", sagt die Auswanderin. Anfangs sei sie jährlich für einen Urlaub ins Saarland geflogen, um ihren Vater Eduard im Sechs-Eichen-Weg zu besuchen - aber eine dauerhafte Rückkehr nach St. Ingbert komme vorerst nicht infrage. "St. Ingbert hat sich ganz nett entwickelt", gesteht Hiltrud Denter. "Aber wenn ich an den grauen Winter in Deutschland denke, zieht es mich nicht zurück", sagt sie.