nabu St. Ingbert zum Vogel des Jahres: der Feldlerche

Vogel des Jahres : Die Feldlerche ist auch in unserer Region im Sturzflug

Der Rückgang unserer heimischen Vogel- und Insektenvielfalt ist dramatisch

Die Feldlerche galt unseren Vorfahren noch als Frühlingsbote. Ihr Gesang vom frühen Morgen bis zum Sonnenuntergang war früher allen Menschen vertraut. Heute kennt sie jedoch außer den Vogelliebhabern fast niemand mehr. 2019 wurde die Feldlerche deshalb zum Vogel des Jahres gewählt. Vor 20 Jahren wurde schon einmal versucht, den Rückgang der Feldlerche mit dieser Wahl in das Bewusstsein der Bevölkerung und der Umwelt- und Naturschutzpolitik zu rücken. Offenbar blieb dies aber vergebens. Nach aktuellen Schätzungen ist ihr Bestand in Deutschland seitdem um etwa weitere 25 Prozent zurückgegangen. Von einem noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufigen und verbreiteten Singvogel ist sie zu einer heute seltenen Art geworden, deren Vorkommen in Deutschland bedroht sind (Rote Liste Kategorie 3 , also gefährdet).

Feldlerchen waren früher dermaßen häufig, dass sie regelmäßig auf dem Speisezettel zu finden waren. Rezepte zur Zubereitung sind in alten Kochbüchern noch zu finden und es gab mehrere, ausführlich dokumentierte Methoden, Feldlerchen zu fangen. Jene in die Fallen gegangenen Tiere wurden zu Pasteten verarbeitet oder mit Knochen und Eingeweiden gebraten. Sie galten als der wohlschmeckendste Vogel überhaupt. Während der Leipziger Herbstmesse 1820 wurden angeblich über 400 000 Feldlerchen verspeist. Auch ist aus dieser Zeit bekannt, dass in Sachsen erbeutete, in Butter konservierte Feldlerchen bis nach Berlin und Paris exportiert wurden.

So merkwürdig oder vielleicht abstoßend das Verspeisen von kleinen Singvögeln den meisten Menschen heute vermutlich erscheinen mag, so stellte der über Jahrhunderte hinweg praktizierte Vogelfang vermutlich keinen existenzbedrohenden Eingriff in die Gesamtpopulation der Feldlerche dar. In Jahren mit guten Bruterfolgen für die Feldlerchen konnten die Verluste infolge des Vogelfangs immer wieder ausgeglichen werden. Denn früher verfügte Mitteleuropa über mehrere Hunderttausende Quadratkilometer Agrarland, auf dem Getreidefelder und Grünland extensiv bewirtschaftet wurden. Die seit dem Ersten Weltkrieg übliche Stickstoffkunstdüngung war noch nicht erfunden, und auf den zumeist nährstoffarmen Getreidefeldern standen die Halme sehr lückig. Diese schütteren Bestände mit ihren offenen, sonnenbeschienenen Böden boten den Feldlerchen in großzügiger Menge den erforderlichen Lebensraum zur Nahrungssuche und zur Aufzucht des Nachwuchses. Ihre Nester bauen sie in selbst gescharrten Bodenvertiefungen in eben derartigen Anbauflächen. Solche existieren heute jedoch kaum noch und obwohl in Europa offiziell keine Feldlerchen mehr gefangen werden, ist ihr Bestand stark rückläufig.

Der Lebensraumverlust ist demnach die Hauptursache für den Rückgang der Feldlerche. Sie wird zu einem Opfer der Ausbreitung des Menschen. Selbst für St. Ingbert ist diese Entwicklung leicht nachvollziehbar. Auf Abbildungen aus dem 19. Jahrhundert ist die damals noch kleine Stadt inmitten einer landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft zu sehen. Diese Flächen sind heute verschwunden und finden sich bedeckt mit Wohnhäusern, Einkaufszentren, Verkehrswegen, Fabriken der ständig weiter wuchernden Stadt. Ackerbauliche Nutzung ist bis auf geringe Reste aus dem Stadtbild verschwunden.

Leider gehört auch der Verzehr von Singvögeln noch nicht überall der Vergangenheit an. Insbesondere im Mittelmeerraum werden noch jährlich Millionen von Singvögeln zum Verzehr gefangen. Opfer sind nach wie vor Feldlerchen aber insbesondere während der Zugzeiten auch viele Zugvögel. Der Nabu-Bundesverband verwies im Herbst 2018 auf den Singvogelfang in Südeuropa und bezeichnete dabei Zypern als eine Todesinsel für Zugvögel. In den Regalen mancher Verbrauchermärkte dort finden sich zum Verkauf sogar Konservengläser mit eingeweckten Singvogelkörpern.

Die Ortsgruppe St. Ingbert des Naturschutzbundes (Nabu) ist aus diesem Grunde einem Aufruf des Bundesverbandes gefolgt und hat 300 Euro zum Erwerb von Flächen in Zypern gespendet. Auf diesen sollen sichere Rastzonen für Zugvögel eingerichtet werden. Eine weitere, etwas größere Spende (700 Euro) floss von der Nabu-Ortsgruppe St. Ingbert nach Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Die Naturschutzverbände können dort von der Bundesrepublik angebotene Flächen aus dem „Nationalen Naturerbe“ erwerben und auch dort Schutzgebiete einrichten. Zu erbringen sind dabei nur die Kosten für die Eigentumsübertragung.

Natürlich hat die Nabu-Ortsgruppe St. Ingbert auch die einheimische Vogelwelt des Saarlandes nicht aus den Augen verloren. Finanzielle Unterstützung aus St. Ingbert geht einmal jährlich auch an die Nabu-Vogelberingungsstation „Mittleres Saartal“ im so genannten Ikea-Biotop in Saarlouis-Lisdorf.

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