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Nabu St. Ingbert organisiert Stunde der Wintervögel

St. Ingbert : In St. Ingbert schlägt die Stunde der Wintervögel

Bereits zum elften Mal beteiligen sich Naturfreunde aus der Region an der bundesweiten Zählaktion heimischer Vogelarten.

Dieses Wochenende ist es wieder soweit: Von Freitag bis Sonntag zählt Deutschland seine Vögel. Bereits zum elften Mal in Folge organisieren der Naturschutzbund Deutschland e.V. (Nabu) und sein bayerischen Partner, der Landesbund für Vogelschutz (LBV), die jährliche Zählung der in Deutschland überwinternden Vögel. Und auch in St. Ingbert und den anderen saarländischen Kommunen werden sich wieder zahlreiche große und kleine Vogelfreunde an der bundesweiten Aktion unter dem Motto „Die Stunde der Wintervögel“ beteiligen. Wenn auch anders, als in den vorherigen Jahren.

„Wegen des Corona-Lockdowns wird die von der Nabu-Ortsgruppe St. Ingbert organisierte, jährliche öffentliche Zählaktion in der Gustav-Clauss-Anlage, dieses Jahr nicht stattfinden“, erklärt deren Sprecherin Barbara Böhme. Sie ruft die Bürgerinnen und Bürger der Mittelstadt daher dazu auf, die Wintervögel in ihren eigenen Gärten zu beobachten und zu zählen. Doch auch auf dem eigenen Balkon, im Park oder auf dem Friedhof könne gezählt werden. Genauso natürlich in Wäldern und der offenen Landschaft. Ziel der Zählung sei es, ein bundesweites und möglichst detailliertes Bild von der Vogelfauna in den deutschen Landesteilen zu erhalten, wie Böhme weiter informiert. Dabei ginge es weniger um seltene Arten sondern viel mehr um die uns vertrauten und allerorts verbreiteten Vogelarten, wie etwa Meisen, Sperlinge oder Amseln. „Es soll festgestellt werden, wo wir diese noch finden und in welcher Anzahl“, schreibt Böhme.

Und zu zählen gibt es einiges, wie die Zahlen der vergangenen Zählaktionen verdeutlichen. Alleine im Januar 2020 konnten in St. Ingbert und dem restlichen Saarpfalz-Kreis nach Angaben des Nabu rund 8200 Vogel-Exemplare an über 200 Standorten beobachtet werden. Mehr als doppelt so viele, wie noch vor fünf Jahren. Bundesweit kam man im vorherigen Jahr sogar auf über 3,64 Millionen Vögel. Während in den restlichen Bundesländern der Haussperling am häufigsten beobachtet wurde, war es im Saarland und dem Saarpfalz-Kreis die Kohlmeise. Rund 1300 Tiere konnten Vogelfreunde hier vermelden. Platz zwei ging an die Blaumeise, dicht gefolgt vom Haussperling, der Amsel und dem Star. Auf den Plätzen sechs bis zehn folgten Elstern, Rabenkrähen, Feldsperlinge, Rotkehlchen und Buchfinken. Eine Besonderheit für die St. Ingberter Vogelbeobachter war im Januar 2020 wiederum eine Kolonie von Erlenzeisigen, die offenbar in der Gustav-Clauss-Anlage und den angrenzenden Gärten überwintern, wie Böhme berichtet. Überraschend war zudem der Nachweis von fünf Nebelkrähen, die normalerweise nur östlich der Elbe vorkommen.

Dennoch liege auch das Ergebnis von 2020 noch unterhalb des langjährigen Mittels von 40 Tieren pro Beobachtungsplatz. Seit Beginn der Wintervogelzählungen im Jahr 2011 gebe es einen abnehmenden Trend mit leichten Ausschlägen nach oben und unten. Der Wert 40 wurde jedoch seitdem nicht mehr erreicht. Ein realer Grund zur Sorge sei diese Entwicklung jedoch noch nicht, wie Böhme betont. Seit mehreren Jahren würden sich im Saarland milde und schneearme Winter aneinander reihen. „Unsere Standvögel finden dann stets noch ausreichend Futter in der freien Natur und halten größeren Abstand zu den von Menschen bewohnten Bereichen. Erst bei frostiger Kälte, schneebedecktem Boden und vereister Vegetation erscheinen viele Wald- und Feldvögel in den Gärten der etwas wärmeren Siedlungsbereiche und suchen hier die Futterstellen auf“, klärt Böhme auf.

Die Vogelzählung von Nabu und LBV trifft dennoch auch in unserer Region auf ein wachsendes Interesse. Dies zeigt sich beispielsweise bereits an den knapp 320 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im vorherigen Jahr – etwa drei Mal so viel wie noch 2016. Doch was braucht es alles, um bei der großen Zählaktion mitzumachen? Dazu brauche es lediglich eine Beobachtungsliste für jeden Standort, von dem man aus die Vögel beobachtet, informiert Böhme. Auch ein Fernglas soll dabei nützlich sein. Zwingend erforderlich sei es aber nicht. Wichtiger sei dagegen, dass im Laufe einer Beobachtung – die eine Stunde dauern sollte – von jeder Vogelart nur die höchste Zahl an Exemplaren, die gleichzeitig vom Standort aus beobachtet wurden, in die Liste eingetragen wird. „Mit dieser Methode soll vermieden werden, dass einzelne Tiere mehrfach gezählt werden und somit die Bestandszahlen verfälscht werden“, erklärt Böhme das Prozedere.

  Barbara Böhme vom Nabu St. Ingbert kümmert sich auch im restlichen Jahr um Vögel in der Region, wie etwa um dieses Uhu-Junges.
Barbara Böhme vom Nabu St. Ingbert kümmert sich auch im restlichen Jahr um Vögel in der Region, wie etwa um dieses Uhu-Junges. Foto: Barbara Böhme/privat

Am Nabu-Schaukasten in der Rickertstraße/Ecke Kaiserstraße wird es zur „Stunde der Wintervögel“ zudem ein kostenloses Faltblatt mit Bestimmungshilfen für die häufigsten Gartenvogelarten geben. Vom Faltblatt kann eine Postkarte abgetrennt werden, die mit den eingetragenen Beobachtungszahlen an die Nabu-Bundeszentrale geschickt wird. Alternativ ist es auch möglich, Beobachtungsergebnisse online unter www.stundederwintervoegel.de zu melden.