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Mut-Tour zu Depression macht in St. Ingbert Station

Umgang mit Depressionen : Tour gegen Angst und Scham

Die Mut-Tour ist in mehreren Etappen und Gruppen unterwegs, um für einen offenen Umgang mit Depressionen zu werben. Auch in St. Ingbert machte sie Station.

Eine Depression ist nicht einfach nur eine Stimmungsschwankung oder vorübergehende Lustlosigkeit, die sich im Privat- wie im Berufsleben breit macht. Es ist eine ernstzunehmende Krankheit, die behandelt werden sollte und mit der man sich nicht verstecken muss. Auch für die Akzeptanz und den Umgang mit dieser psychischen Krankheit gingen bisher 241 Mut-Tour-Teilnehmer seit 2012 auf verschiedenen Strecken auf die Straße und haben in dieser Zeit mit dem Fahrrad oder als Wanderer gut 30 700 Kilometer zurückgelegt. Betroffene und Angehörige suchen die Öffentlichkeit, wollen informieren und aufklären, setzen sich für weniger Angst und Scham im Umgang mit Depressionen ein, die sich ganz unterschiedlich äußern können.

Auch das erzählen die sechs Fahrradfahrer, die während ihrer Mut(macher)-Tour auf drei Tandems am Freitag auch kurz in St. Ingbert Station machen. Sie würden sich wünschen, noch viel mehr auf den Zweck ihrer Fahrt angesprochen zu werden. Denn sie haben alle Erfahrung mit Depressionen und wissen, wie es sich anfühlt und wie Angehörige oder Freunde bei einem akuten Schub unterstützend da sein können. Fünf von ihnen sind selbst betroffen, Gisela Dorfschmidt hat eine Tochter, die mit dieser Krankheit kämpft. „Ich fahre mit, um meine Tochter besser verstehen zu können. Ich habe zwar viele Bücher gelesen, aber durch die Gespräche in der Gruppe habe ich viel erfahren. Die Menschen zu sehen und mit ihnen zu reden ist doch nochmal was anderes“, sagt die 74-Jährige, die in den fünf Tagen einiges dazugelernt hat.

Sie sieht das Krankheitsbild, das meist von einem Auf und Ab gekennzeichnet ist, nun anders und versteht besser, was in einem depressiven Menschen vorgeht. Die Bremerin fahre gern Rad, so dass sie bei der Fahrt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlug. Auch Antoniya Petkova ist ein lebenslustiger Mensch, der gern draußen mit dem Rad unterwegs ist – wenn es die Psyche zulässt. Derzeit gehe es ihr, auch weil sie Hilfe von Therapeuten hat, sehr gut. Sonst dürfte sie auch nicht mit auf Tour, die voraussetze, dass man geistig und körperlich fit ist. Doch nicht vergessen sind die Zeiten, in denen die 31-Jährige nicht in der Lage war, das Bett zu verlassen. Tägliche Routine gab es nicht mehr, der Alltag wurde zur Last. Für Angehörige sei dies schwer nachzuvollziehen. „Es hilft nicht, wenn man sagt ,Reiß dich mal zusammen‘“, weiß sie aus eigenem Erleben. „Betroffene und Angehörige wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen. Das ist immer noch ein Stigma und keiner traut sich darüber zu reden.“

Bei ihr begann es mit einem Burnout. „Da ist ja nicht nur das eine Bild von Depression, das man aus den Medien im Kopf hat. Auch die Auswirkungen und die Behandlungen sind bei jedem unterschiedlich“, sagt Petkova, „wenn ich mich mit Leuten unterhalte, sagen diese manchmal, dass sie das Thema nicht betreffe.“

Doch meist erfahre sie im Gespräch, dass es doch viele Menschen gebe, die ausgebrannt sind oder bereits einen Burnout hatten, der meist von Depressionen begleitet wird. Auf ihrer siebentägigen Fahrradtour haben die Teilnehmer gezeltet und sich selbst versorgt.