1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. St. Ingbert

Musikschüler zeigten in St. Ingbert ihr ganzes Können

Konzert : Musikschüler zeigten ihr ganzes Können

Beim Jahreskonzert war die St. Ingberter Stadthalle rappelvoll und das Programm zum Thema „Mauerfall“ bunt gemischt.

Auf dem gedruckten Programm des Jahreskonzerts der Musikschule war zentral das Brandenburger Tor abgebildet. Nicht, dass die Musiker sich für Berlin als Aufführungsort entschieden hatten, vielmehr war der „Mauerfall“ Thema der Veranstaltung. Einerseits wollte man damit der vor 30 Jahren vollzogenen deutschen Einheit gedenken, andererseits aber auch auf die Vielschichtigkeit des Mauer-Themas verweisen. Bereits beim Auftritt der jüngsten Musikschüler aus der Elementaren Musikerziehung konnte man erkennen, in welche Richtung die Reise geht. Denn sie sangen aus voller Kehle und mit der entsprechenden Gestik, wie es ist, anders zu sein. In „Ich bin anders als Du“ wurden Körpergrößen und -umfänge musikalisch verglichen, Hautfarbe und Besitz. „Wir sind anders als Ihr. Na und! Das macht das Leben erst bunt“, sangen die Drei- bis Sechsjährigen. Sie bekamen einen Riesenapplaus. Für einige der kleinen Sänger war dieses laute „Brot des Künstlers“ noch sehr ungewohnt, denn sie hielten sich die Ohren zu. Aber auch das gehört zum Lernprozess in einer Musikschule, dass man sich und seine Leistung der Öffentlichkeit präsentiert und später auch den Beifall einheimst. „Das ist gut so, dass die Welt bunter geworden ist“, sagte der Oberbürgermeister zur Begrüßung, „die Kinder haben gegen Ausgrenzung gesungen und für Integration geworben. Respekt!“ Er lobte die Arbeit der Musikschullehrer, denn nur durch einen mit Freude gegebenen Unterricht könne man bereits die Jüngsten „bei der Stange halten“.

Ziemlich neu ist noch Musikschulleiter Ingo Nietert, der an diesem Tag erstmals in St. Ingbert an seinem Instrument, der Posaune, zu hören war. Gemeinsam mit Kindern der Früherziehung spielte er, ins Halbdunkel getaucht, ein Händel-Stück, das die Kinder mit einer „Kerzenaufführung“ feierlich umrahmten. Mit einem Trio an Klavier und Violine und einem Stück von Schostakowitsch ging es weiter. „Auch Komponisten können ,anders‘ sein, indem sie an Grenzen stoßen. Schostakowitsch musste oft zurückrudern, weil er der Staatsmacht zu unbequem komponierte und oft versteckte Botschaften so in seine Stücke einbaute, dass sie der Obrigkeit nicht auffielen“, hieß es in der Anmoderation. Das Präludium aus „5 Stücke“ war also das Ergebnis des Umgangs mit „Mauern“ im übertragenen Sinne. Eine gelungene Interpretation war das, genau wie der folgende GitarrenChoir, der „Aux Champs-Elysées“, die „Ode an die Freude“ und „Another Brick in the wall“ auf eine ganz eigene Weise zu Gehör brachte. Schon fast Profi war Daniel Thull am Klavier. Der junge Mann spielte nicht nur ein Schubert-Stück, sondern mit dem „Scherzo“ auch eine eigene Komposition. Mit großer Geste ließ er den letzten Ton verklingen – stürmischer Beifall war ihm sicher.

Die Musical-AG sprengte die Mauern von „Die Schöne und das Biest“. Von diesem Stück gab es Ausschnitte, natürlich in Musikschulweise „neu verschönt“ und in die Gegenwart gerückt. Ein Flöten-Solo schloss sich an, und die kleinen Großen spielten mit dem großen Orchester Sibelius‘ „Finlandia“. In dieser Komposition wird der Freiheitswille deutlich und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Ist der Wandel vollzogen und die Mauern sind eingerissen, dann gibt es ein Fest. Diese feierliche Stimmung sollte bei Robert Sheldons energiegeladenen „Presto!“ aufkommen, das ebenfalls vom Orchester und der Gruppe „poco a poco“ interpretiert wurde. Mit Ehrfurcht hatten sich die Musiker an die „Unvollendete“ von Franz Schubert gewagt. „Wir haben dieses klassische Meisterwerk in Angriff genommen,  und es uns wie in einem Puzzle in kleinen Schritten zu eigen gemacht“, so eine Musikschülerin. Es sei zu einem Ganzen gewachsen,  und mit der Generalprobe habe man das Gefühl gehabt, die Hürde genommen zu haben. „What a wonderful world“ hätte man in diesem Augenblick denken können, doch die Botschaft aus dem Kriegsfilm „Good morning Vietnam“ ist eine andere. Auch nach 50 Jahren habe das Lied noch die Kraft, um sich als „Protestsong gegen Meckern, Mauern und Krieg zu stemmen“. Ein schönes Stück zum Finale eines tollen Konzertes.