Musikkabarettistin Andrea Bongers gastierte „Stadthalle St. ingbert

Kabarett : Frecher Blick auf die animalische Seite

Die Musikkabarettistin Andrea Bongers gastierte „A la Minute“ mit ihrem neuen Programm in der Stadthalle.

Ist der Nachwuchs flügge und aus dem Haus, fängt ein neues Leben an. Diese Feststellung traf am Donnerstagabend die Musikkabarettistin Andrea Bongers in der Stadthalle. Sie, Jahrgang 1965, zeigte dort im Rahmen der Kleinkunstreihe „A la Minute“ des Kulturamtes ihr aktuelles Programm „gebongt! – Mutti hat sturmfrei!“ „Wer loslässt, hat die Hände“ frei, stellte die Hamburgerin heftig grinsend fest. Die Mutter eines Sohnes kennt sich aus. Denn man lernt beim Pubertier beten. „Lobet den Herrn“ beispielsweise, wenn es sein Zimmer aufgeräumt hat.

 Dafür ist die Klassenfahrt grausam: Man hört nichts vom Kind. Entführer schicken da wenigstens einen Finger an die Eltern. Doch  hier: nichts. Da kann es sein, dass sie mit Weißwein-Fahne und im Schlafanzug ins Schullandheim fährt und den Nachwuchs abholen möchte. Dumm nur, wenn der nicht will. Dann lieber mal eine schöne Städtereise als ins heiße Dubai. „Wie wäre es mit St. Ingbert, der Stadt der lebenden Toten“, frotzelte Andrea Bongers. Die Leute werden heute 150 Jahre alt und sind schon jetzt geboren, hat sie mit Blick auf Asien festgestellt. Und warum? Na, der Tod wird neuerdings per DPD verschickt und kommt deshalb nicht an. Oder er wird beim Nachbarn abgegeben. Wie passend oder „Ach du lieber Gott“? Suchen Sie es sich  aus.

„Wir werden alle älter als gedacht. Auch der Seehofer, den wir weiter an der Backe haben“, glaubt die Kabarettistin. „Klatscht mal. Meine Freundin Wiebke will das nicht einsehen“, meint die Künstlerin, als sie die personifizierte Spießigkeit immer wieder ins Spiel bringt. Doch zuvor arbeitet sie sich an Uwe Sattmann ab. Der Puppe, die den Journalisten des St. Ingberter Boten darstellt, haucht sie Leben ein. Der Antityp dankt es ihr aber nur durch Griesgrämigkeit. „Ich bin alt und brauche das Geld“, sagt er, als er eine Kritik über den Auftritt schreiben soll und alles doof findet. Seine Botschaft passt nicht auf ihre Brüste, findet er. Anfangs sind beide auf Distanz. Doch im Laufe des Abends kommen sie sich arg näher. Sind gar unzertrennlich. Die Bongers geht auch zum Schweigeurlaub ins Kloster. Der ist aber nix für sie, da der Handyempfang dort viel zu schlecht ist. Kritik übt sie auch an der Sucht nach Glücksgefühlen und Reizen.

Doch die Künstlerin beschränkt sich nicht nur aufs reine Kabarett. Zwischendrin packt sie immer wieder eine Puppe aus, die sie spielt. „Darf ich vorstellen, meine animalische Seite“, grinst sie dann leise vor sich hin, als sie ein Schaf spielt. „Hattest du zu viel Lamm-Brusco“?, fragt sie das Tier. Und dann lässt sie sich von einer Schlange beraten. Die heißt eigentlich Dr. Sissy Snake, ist Sexualtherapeutin, und mehr als deutlich in ihren Ratschlägen. Frei sein und einen Mann haben. Es geht einfach nicht, so ihr Fazit.

Ab und an greift sie auch mal zur Gitarre und singt, dass sie eine „Balkan-Obsession“ habe oder präsentiert stolz die „Hymne an die Frauen“. Dann kann sie es auch nicht lassen, das Publikum mit einzubeziehen, das dann „Froh zu sein bedarf es wenig“ mitsingt. Ach ja: Was haben Männer und der Morgennebel gemeinsam? Wenn sie sich verziehen, wird es ein schöner Tag. Darauf ein Potpourri durch die Musikgeschichte als Zugabe.